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FDP Toggenburg sieht Chancen in der Zukunft

Die Liberalen stellen zwei Toggenburger Kantonsräte, davon die einzige Frau. Sie wollen im März noch mehr.

Sabine Camedda
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Für die FDP Toggenburg ist das Ziel der Kantonsratswahlen 2020 seit vier Jahren klar: Sie will den dritten Sitz zurück gewinnen. Damals gelang es der Partei nicht, eine FDP-Frau oder einen FDP-Mann anstelle der zurückgetretenen Vreni Wild ins St. Galler Kantonsparlament zu bringen. Für diesen dritten Sitz arbeiten die Kandidierenden, der Parteivorstand und der Wahlstab hart. «Es ist kein Selbstläufer», stellt Wahlstabsleiter Urs Stillhard klar.

Urs Stillhard, Wahlkampfleiter FDP Toggenburg.

Urs Stillhard, Wahlkampfleiter FDP Toggenburg.

Bild: PD

Er rechnet sich nach den Eidgenössischen Wahlen im vergangenen Herbst durchaus Chancen aus. Einerseits sei das Hoch der SVP gebremst worden, andererseits sei der Hype von links-grün im Wahlkreis Toggenburg nicht so ausgeprägt. «Das gibt mehr Raum für die FDP», rechnet er sich aus.

Junge können vor der Wahl viel lernen

Die FDP Toggenburg steigt mit zwei Listen in die Wahlen: Einer Hauptliste und einer Liste der Jungfreisinnigen. «Unsere Zugpferde sind auf der Hauptliste zu finden», beschreibt Urs Stillhard. Wer auf dieser ist, soll Chancen auf die Wahl haben. «Die Jungen dienen zu», erklärt er. Diese elf Nachwuchspolitiker wüssten, dass sie kaum gewählt werden. Der Wahlstableiter windet ihnen ein grosses Kränzchen, denn sie seien sehr aktiv und trügen das Ihre dazu bei, dass die Kandidaten auf der Hauptliste mehr Stimmen machen. «Wir lassen die Jungen gewähren und sie können viel lernen. Das ist eine grosse Chance», findet Urs Stillhard.

Klar ist für ihn auch, dass alle ihren Teil zum Erfolg beitragen müssen. Dazu gehört ein guter Teamspirit und dass alle Kandidierenden an einem Strang ziehen. Sie verpflichten sich zu Respekt untereinander, zu Fairness und dazu, einen aktiven Wahlkampf zu führen. Was darunter zu verstehen ist, stellt die FDP ihren Kandidierenden frei. Die Partei stellt jedem eine gewisse Anzahl Plakate zur Verfügung und organisiert mehrere Veranstaltungen, an welchen sich die Kandidierenden präsentieren können.

Die FDP stellt rund 30 Prozent der Behördenmitglieder

Im Weiteren sind sie angehalten, das Kontaktnetz und das persönliche Umfeld zu mobilisieren. «Einer unserer Vorteile ist, dass die FDP stark verankert ist», sagt Parteipräsident und Kantonsratskandidat Simon Seelhofer. Die Kreispartei zählt rund 650 Mitglieder, sie stellt rund 30 Prozent aller Behördenmitglieder in den Toggenburger Gemeinden. «Über diese lokalen Parteivertreter spüren wir den Puls des Volkes», sagt Simon Seelhofer weiter.

Die Toggenburger FDP-Mitglieder sehen sich als die «positive Kraft im Thurtal und Neckertal. Die liberalen Werte Freiheit, Gemeinsinn und Fortschritt bezeichnen sie als den Kompass für das politische Handeln. «Wer eine positive und konstruktive Entwicklung der Region will, wählt unsere Partei», sagt Simon Seelhofer.

Ein Positionspapier fürs Toggenburg verfasst

Sie wollen nicht lamentieren, sondern in der Zukunft Chancen sehen. Entsprechend hat die Partei im vergangenen Mai ein Toggenburger Positionspapier geschrieben, in welchem sie Stellung zu wichtigen Themen der Region nimmt.

Sie verknüpft dabei Bildung und Familie, zwei Themen, die für Simon Seelhofer miteinander verknüpft sind. So setzt sich die Partei nicht nur für den Bildungsstandort Toggenburg ein, sondern ebenfalls für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dies, indem sie beispielsweise ausserschulische Tagesstrukturen fördert. In der aktuellen Spitaldiskussion wünscht sich die Partei eine Versachlichung. «Die Bevölkerung im Toggenburg will ernst genommen werden», findet Simon Seelhofer. Wenn es eine nachvollziehbare Strategie und eine ehrliche Kommunikation gibt, wird es auch im Kanton St.Gallen möglich sein, der Bevölkerung eine Spitalschliessung zu erklären. «Die Spitalstrategie darf aber nicht an der Kantonsgrenze halt machen», sagt Simon Seelhofer und fügt an:

«Die Notfallversorgung im Toggenburg muss in jedem Fall gegeben sein.»

Als ein Thema für die Zukunft, das mehrere Bereiche tangiert, sieht die FDP Toggenburg die Digitalisierung. Sie biete beispielsweise Möglichkeiten, die Gemeindeverwaltungen zu verschlanken. Ebenso ergeben sich daraus neue Chancen für das Toggenburger Gewerbe. Simon Seelhofer nimmt die Schlagworte Coworking und Innovation in den Mund.

Direkte Zugverbindung von Wattwil nach Zürich

Die Digitalisierung bedeute aber nicht, dass die Mobilität auf der Seite gelassen werden könne. Hier, betont Simon Seelhofer, hat die FDP Toggenburg nicht nur ein Auge auf den Strassenverkehr, sondern auch auf den öffentlichen Verkehr und den Langsamverkehr. Ihr Bestreben sei eine direkte Zugverbindung von Wattwil nach Zürich, führt Seelhofer aus.

In der Landwirtschaftspolitik werden die Regeln auf Bundesebene geschrieben. Trotzdem setzen sich die Politiker in der Region dafür ein, dass diese längerfristig stabil bleiben. «Unsere Landwirte wollen produzieren und für ihre Leistung gerecht entlöhnt werden», sagt Simon Seelhofer. Seine Partei betrachtet die Bauer als Unternehmer, und solche brauche es im Toggenburg. Nicht zuletzt auch, weil sie ihren Beitrag an den Erhalt der Landschaft leisten, die für den Tourismus wichtig ist. Auch wenn die unternehmerische Freiheit bei den Liberalen gross geschrieben wird, fordert die FDP ein gemeinsames Skiticket. «Die Folgen des Wegfalls schaden der ganzen Region. Wir finden, die Bergbahnen haben eine öffentliche Verantwortung», stellt Simon Seelhofer klar.

Grund zum Jammern sieht die FDP Toggenburg nicht. Im Gegenteil: In den vergangenen Jahren sei viel Geld von St. Gallen in den Wahlkreis geflossen. «Diese Chance müssen wir nun nutzen und damit etwas machen», findet Simon Seelhofer.