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Toggenburger Fanarbeiter des FCSG: «Die Politik hat irgendwann eingesehen, dass Repression alleine nicht der richtige Weg ist»

Der Ebnat-Kappler Marco Bucher gehört zum Dreierteam der sozioprofessionellen Fanarbeit des FC St.Gallen. Die Vermittlerrolle zwischen den Fans, dem FCSG und weiteren Gruppen wie der Polizei, sei eine der wichtigsten Aufgaben.
Beat Lanzendorfer
Marco Bucher im Bierhof, dem Treffpunkt der FC-St.Gallen-Fans. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Marco Bucher im Bierhof, dem Treffpunkt der FC-St.Gallen-Fans. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Die Fanarbeit St.Gallen hat zum Ziel, über den Dialog und die Prävention Gewalt zu verhindern, bevor sie entsteht. Das Dreierteam der Fanarbeit besteht aus Stellenleiter Thomas Weber sowie den Fanarbeitern Reto Lemmenmeier und Marco Bucher. Letzterer ist im Toggenburg aufgewachsen. Der 26-Jährige lebt und wohnt seit zehn Jahren in St.Gallen.

«Wir treffen die Fans dort, wo sie sich treffen», sagt Bucher. Er meint damit zum einen den Kybunpark oder eines der Stadien der Super-League-Gegner, zum andern aber auch den Bierhof an der Rorschacherstrasse in St.Gallen – Treffpunkt der FCSG-Anhänger. In den darüber liegenden Räumlichkeiten befindet sich das Büro der Fanarbeit. Ein weiterer Raum steht den Angestellten sowie den Fans für Sitzungen zur Verfügung. In diesem Raum findet auch viel Vermittlungsarbeit statt. Diese Vermittlerrolle zwischen den Fans, dem FC St.Gallen und weiteren Gruppen wie der Polizei, sei eine der wichtigsten Aufgaben, sagt Bucher.

Aufgaben der Fanarbeit

Der Grundstein für die Fanarbeit St.Gallen legte vor zehn Jahren ein Praxisprojekt an der Fachhochschule St.Gallen im Fachbereich Soziale Arbeit.

In der Folge wurde die Trägerorganisation «Verein für sozioprofessionelle Fanarbeit FC St.Gallen» gegründet. Diese stellt die Fanarbeiter ein, denen die operative Tätigkeit obliegt. Die Hauptaufgaben des Teams sind: Spielbegleitung der Fans an Heim- und Auswärtsspielen; Präsenz an den Fan-Treffpunkten; Beratung und Hilfestellung für Fans und deren Angehörige; Vermittlung zwischen Fans und anderen Parteien; Vernetzung von Organisationen rund um den FC St.Gallen. Der Startschuss fiel 2012 mit der Anstellung zweier Fanarbeiter.

Nach einer dreijährigen Pilotphase sprachen sich Stadt, Kanton und der FC St. Gallen für die Fortsetzung des Projekts aus. Die beteiligten Partner teilen sich die Finanzierung zu je einem Drittel.

Vermittler zwischen Fans, Polizei und Verein

Bucher erklärt, dass ein Grossteil der Stunden seines 50-Prozent-Pensums an den Spieltagen eingesetzt werde.

«Einer vom Dreierteam ist sowohl bei den Heim- als auch bei den Auswärtsspielen immer dabei.»

Sie stünden in engem Kontakt mit der Polizei, dem FC St.Gallen und den Verantwortlichen einer der zehn bis zwanzig Fangruppierungen. Die Politik habe irgendwann eingesehen, dass Repression alleine nicht der richtige Weg sei. Häufig habe man jene bestraft, welche den Dialog suchten und in einer der Fangruppierungen für den Ausgleich besorgt waren.

Eine Dosis grün-weisses Blut ist Bedingung

Muss man als Fanarbeiter auch Anhänger des FC St.Gallen sein? Bucher antwortet:

«Eine der Bedingungen war, dass man sich in die Gefühlslage der Anhänger versetzen können muss, was ohne eine Dosis grün-weisses Blut kaum möglich ist.»

Er weiss, wovon er spricht. Mit sechs Jahren hat er beim FC Ebnat-Kappel als Junior begonnen. Schon damals hegte er Sympathien für das fussballerische Aushängeschild der Ostschweiz. Bis vor einem Jahr ist er für den Toggenburger Fussballclub noch selber dem Leder nachgerannt. «Durch das Studium brachte ich zeitlich aber nicht mehr alles unter einen Hut. Mit meinen Kumpels aus dem Toggenburg treffe ich mich aber immer noch regelmässig.»

Der Präsident erscheint persönlich an den Sitzungen

Am Wochenende beginnt die Super-League-Meisterschaft. Gibt es aus Sicht des Sozialarbeiters Änderungen? «Nein, keine grundlegenden. Alle Beteiligten trafen sich am Donnerstag zum Austausch», sagt Bucher.

Was gleich bleibt, sei die Sitzung bei Heimspielen rund zwei Stunden vor dem Anpfiff. An dieser nehme auch FCSG-Präsident Matthias Hüppi teil. Themen können die Fans des Gegners sein, zum Beispiel, ob es in der Vergangenheit Probleme mit einzelnen Gruppierungen gab. Die eigenen Fans kommen genauso zur Sprache. Wenn betreffend Choreografie zum Beispiel etwas geplant sei, müsse der Verein davon Kenntnis haben.

Was zieht er nach gut einem halben Jahr, in dem er zum Team der Fanarbeit gehört, für ein Zwischenfazit: «Die Arbeit ist fordernd, macht aber sehr viel Spass. Ich darf genau das machen, was ich mir schon immer gewünscht habe. Etwas anderes könnte ich mir zurzeit nicht vorstellen.»

Zur Person

Der 26-jährige Marco Bucher hat bis zu seinem 17. Lebensjahr in Ebnat-Kappel gewohnt. Seine Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten absolvierte er in Lichtensteig.

Die anschliessende Berufsmatura machte er in St.Gallen. Nach seinem Militärdienst in Freiburg arbeitete er während vier Jahren im erlernten Beruf. Seit Februar 2017 studiert er an der Fachhochschule St.Gallen im Teilzeitstudium Soziale Arbeit.

Nach Abschluss seines Praktikums im Schulsozialdienst des Berufsbildungszentrums Buchs trat er im vergangenen Januar die Stelle als Fanarbeiter an. Bucher wohnt in der Kantonshauptstadt.

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