FC Bazenheid
«Ich bin erst knapp 22, weshalb soll ich mein Hobby schon aufgeben?»: Wie sich Matthias Rüegg auf den Fussballplatz zurückkämpfen will

Seit bald 30 Monaten kämpft Matthias Rüegg vom FC Bazenheid, 2. Liga interregional, mit schweren Verletzungen. Das Aussenband des rechten Knöchels und zwei Kreuzbandrisse machen ihm zu schaffen. Die Leidenszeit ist auch psychisch nicht einfach.

Beat Lanzendorfer
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Matthias Rüegg (rechts) im Juni 2021 gegen Calcio Kreuzlingen. Eine Woche später reisst das vordere Kreuzband im linken Knie zum zweiten Mal innert zehn Monaten.

Matthias Rüegg (rechts) im Juni 2021 gegen Calcio Kreuzlingen. Eine Woche später reisst das vordere Kreuzband im linken Knie zum zweiten Mal innert zehn Monaten.

Bild: Beat Lanzendorfer

Bei der ersten und zweiten Verletzung kann er den Fussballplatz noch selbstständig verlassen. Beim dritten Mal nicht mehr. Teamkollegen und Staff müssen Matthias Rüegg helfen. Der bald 22-Jährige wird von einem unglaublichen Verletzungspech verfolgt.

Im Sommer 2019 wechselt er vom Drittligisten Neckertal-Degersheim zum FC Bazenheid (2. Liga interregional). Kaum auf dem Ifang angekommen, wird sein Aussenband des rechten Knöchels beschädigt. Wieder genesen, reisst innert zehn Monaten zweimal das vordere Kreuzband des linken Knies. Dass er bei den Alttoggenburgern sportlich trotzdem einige Ausrufezeichen gesetzt hat, spricht für ihn.

Freundin ist ein grosser Rückhalt

Zum Gespräch kommt Matthias Rüegg nach der Arbeit als Polymechaniker in Brunnadern mit dem Auto in die Redaktionsräume dieser Zeitung nach Wattwil. Das wäre in den vergangenen Monaten nicht möglich gewesen, da kann und darf er nicht Auto fahren. Freundin Elena ist während dieser Zeit Chauffeurin, Ansprechpartnerin und Seelentrösterin in einem. Matthias Rüegg sagt:

Matthias Rüegg, Spieler beim FC Bazenheid.

Matthias Rüegg, Spieler beim FC Bazenheid.

Bild: Beat Lanzendorfer
«Sie war immer für mich da, war mir ein grosser Rückhalt und hat mich unterstützt.»

Dafür ist er ihr dankbar, denn: «Besonders der zweite Kreuzbandriss im Juni 2021 war für mich und mein Umfeld nicht einfach, weil meine Bezugspersonen schon vom ersten Kreuzbandriss wussten, was jetzt kommt.» Auf seine Leidenszeit angesprochen, sagt er: «Das Schlimmste war, als mir der Arzt sagte, es ist wieder die gleiche Verletzung.» Seither ist mehr als ein halbes Jahr ins Land gezogen.

Zurzeit fühlt sich Matthias Rüegg gut – halt den Umständen entsprechend. Im Fitnessstudio und mit Stabilisationsübungen baut er seine Muskeln auf. «Meine Physiotherapeutin sagte, die Heilung verlaufe gut und gemäss den Testergebnissen meines behandelnden Arztes sind meine Kraftwerte sogar überragend.»

Daraus schöpft der Patient Hoffnung. Die ist ihm nämlich auch schon abhandengekommen, als ihn der Arzt nach dem zweiten Kreuzbandriss fragte, ob das Ende der Karriere als Fussballer keine Option sei. Nun sieht er aber keinen Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. «Ich bin erst knapp 22, weshalb soll ich mein Hobby schon aufgeben?», fragt er trotzig. Und weiter: «Ich möchte es nochmals packen.»

Kaum angekommen, beginnt die Leidenszeit

Als Matthias Rüegg im Sommer 2019 vom Necker- ins Thurtal wechselt, freut er sich auf die neue Herausforderung. Vier Jahre zuvor hat er die Berufung für Höheres noch ausgeschlagen. «Ich hätte nach mehreren Sichtungstrainings in die U15 des FC St.Gallen wechseln können, habe aber aufgrund meiner damals bald beginnenden Ausbildung zum Polymechaniker abgesagt.» Hat er seinen Entscheid nie bereut? «Bereut nicht, aber mein Weg wäre sicher anders verlaufen.»

Die damalige Absage hat später zur Zusage beim FC Bazenheid geführt. «Ich wollte mir beweisen, dass ich in einer höheren Liga bestehen kann.» Zumindest ansatzweise hat er den Beweis dafür erbracht. Obwohl er sich im ersten Testspiel mit den Bazenheidern gegen Sirnach das Aussenband reisst, gibt er nach kurzer Verletzungspause sein Début und schiesst im Herbst 2019 in der Meisterschaft fünf Tore.

«Ich konnte zwar nie ohne Schmerzen auflaufen, wollte mich aber durchbeissen.» Als im Frühjahr 2020 die Meisterschaft zuerst unter- und später abgebrochen wird, kann er sich komplett erholen. Er fühlt sich bereit für neue Grosstaten, als im August im Testspiel gegen Frauenfeld das vordere Kreuzband zum ersten Mal reisst. «Ohne Fremdeinwirkung», wie er betont.

Wenige Tage später ereilt Roberto Manzo und Claudio Grauso am Bazenheider Cup dasselbe Schicksal. Den Alttoggenburgern bricht praktisch die ganze Offensive weg, was sich im späteren Verlauf der Meisterschaft in den Resultaten niederschlägt. Matthias Rüegg sieht darin vielleicht den Grund seines zweiten Kreuzbandrisses: «Roberto und Claudio waren nach sechs Monate Regeneration weiter als ich, eventuell habe ich mich im Unterbewusstsein dadurch unnötig unter Druck gesetzt.»

Verein und Kollegen nicht im Stich lassen

Bazenheid, im Mai/Juni 2021 akut abstiegsgefährdet, zeigt sich erleichtert, dass Matthias Rüegg wieder einsatzbereit ist. Der Verein kann die Liga zwar halten, der Preis ist aus Sicht des Spielers aber ein hoher. Im letzten Meisterschaftsspiel in Widnau reisst das Kreuzband zum zweiten Mal. «Im Nachhinein ist man immer gescheiter, aber damals wäre es besser gewesen, noch ein paar Wochen zu warten und einen vernünftigen Formaufbau für die neue Saison vorzunehmen. Ich wollte den Verein und meine Kollegen aber nicht im Stich lassen.»

Nun nimmt sich der noch 21-Jährige, er wird am 1. März 22, jene Zeit, die es benötigt, um wieder der Alte zu werden. «Das ist mit Trainer Daniel Bernhardsgrütter so abgesprochen.» Ein Ziel hat sich Matthias Rüegg trotzdem gesetzt: «Im Sommer möchte ich wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.»

Und abschliessend: «Mir fehlt der Fussball. Zurzeit mache ich mir aber noch zu viele Gedanken. Früher bin ich auf dem Platz gestanden und habe intuitiv das getan, was ich für gut empfunden habe. Irgendwann möchte ich wieder so weit sein.» Und dann ist sicherlich auch noch der Ehrgeiz da, sich in der Liga definitiv durchsetzen zu können. Was ihm mit einem gesunden Körper zuzutrauen ist.