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Fassadensanierung in zwei Etappen am prunkvollsten Wohnhaus von Lichtensteig

Beim ehemaligen Bezirksgebäude in Lichtensteig wurden und werden die Fassaden sowie die Fenster erneuert. Wegen der Bauarbeiten an der Umfahrung und wegen der Jazztage musste die Sanierung in zwei Etappen aufgeteilt werden.
Martin Knoepfel
Das frühere Bezirksgebäude an der Hauptgasse ist dank dem Erker und dem Turmhelm ein Blickfang.(Bild: PD)

Das frühere Bezirksgebäude an der Hauptgasse ist dank dem Erker und dem Turmhelm ein Blickfang.(Bild: PD)

Kaum ist die Infrastruktur der Jazztage abgebaut, rücken die Gerüstbauer an. Eingerüstet wird die Fassade des Bezirksgebäudes, die auf die Hauptgasse blickt.

In den vergangenen Wochen wurden schon die Fassaden gegen die Obst- und die Löwengasse erneuert. Weil diesen Sommer die Umfahrung Lichtensteig zeitweise gesperrt war und wegen der Jazztage muss die Fassadensanierung am Bezirksgebäude in zwei Etappen durchgeführt werden.

Vor allem Erhaltung der Substanz

1979 war eine Totalsanierung des Gebäudes, inklusive Fassadenrenovation, vorgenommen worden. Jetzt handelt es sich im Wesentlichen um eine Substanzerhaltung der Fassaden.

Eine Ausnahme bilden der exponierte Erker und seine Fenster, die in schlechtem Zustand sind. Die Arbeiten erfordern die Zustimmung der Denkmalpflege, da das ehemalige Bezirksgebäude geschützt ist.

Desolater Zustand der Erkerfenster

Die Fenster am Erker seien in einem desolaten Zustand und nicht reparierbar, sagt Peter Hüberli. Neue Fenster würden deshalb eingebaut, wobei es aus ästhetischen Gründen Sprossenfenster sein müssen.

Peter Hüberli ist der Präsident des Ortsbürgerrats. Die Ortsgemeinde ist seit 1979 Besitzern des stattlichen Gebäudes.

Starke Hagelschäden bei Kugel und Dachstern

Die Kugel mit dem Dachstern weise starke Hagelschäden auf, sagen Peter Hüberli und Urs Giezendanner. Sie werde deshalb abmontiert, geöffnet und neu vergoldet.

Ob die Kugel einen Inhalt hat, ist unklar. Sie bildet mit dem Turmhelm des Erkers das Prunkstück des Gebäudes.

Sockel wird nicht mehr gestrichen

Beim Turmhelm sei das Blechwerk in einem guten Zustand. Somit müsse nur der übrig gebliebene Anstrich vollständig entfernt und ein neuer Anstrichaufbau appliziert werden, sagt Urs Giezendanner. Er ist Malermeister und Farbberater. Die Ortsgemeinde hatte ihn unter anderem für die Sanierung der Fassade des Toggenburger Museums beigezogen.

Künftig wird der Sockel des Gebäudes nicht mehr gestrichen. Das soll laut Urs Giezendanner das Aufsteigen von Wasser verhindern beziehungsweise aufsteigendes Wasser soll schon im Sockelbereich verdunsten. Der Sockel wird sich farblich von den Wänden unterscheiden.

Früher wurden Anstriche einfach übermalt

Um die Kreuzstöcke neu malen zu können, müssen mehrere übereinander liegende Anstriche entfernt werden. Früher hat man laut Urs Giezendanner bei Renovationen die vorhandene Farbe übermalt. Das erneute Übermalen würde mit den neuen Farbsystemen in kurzer Zeit zur Schadenbildung führen.

Früher hatte das Gebäude sichtbare Riegel. Die Riegelstruktur wiederherzustellen, war offenbar kein Thema.

Der Wärmeschutz soll verbessert werden

Neue Anschrift Kreisgericht. (Bild: Martin Knoepfel)

Neue Anschrift Kreisgericht. (Bild: Martin Knoepfel)

Die Fassadensanierung erfolgt bei laufendem Betrieb des Kreisgerichts. Die Raumaufteilung im Gebäude bleibt unverändert. Für die Fassadensanierung am Bezirksgebäude haben die Ortsbürger 400000 Franken bewilligt.

Das sei für die Ortsgemeinde eine riesige Summe, zumal diese nicht mehr Miete erhalte, sagt Peter Hüberli. Er ist zuversichtlich, dass der Kostenvoranschlag eingehalten werden kann.

Soweit als möglich Toggenburger Firmen berücksichtigt

Teuerster Posten darin sind die Malerarbeiten mit 239000 Franken. Der Ortsbürgerrat geht davon aus, dass er Beiträge gemeinnütziger Stiftungen und Dritter von total 120000 Franken mobilisieren kann, sodass der Ortsgemeinde noch Kosten von 280000 Franken bleiben.

So weit als möglich habe man die Arbeiten an Toggenburger Handwerker vergeben, sagt Peter Hüberli. Mitte Oktober sollten die Sanierungsarbeiten beendet sein, sofern Petrus mitspielt, das heisst, wenn es nicht zu oft regnet.

Der Bauherr starb im Baujahr

Das heute als Bezirksgebäude bekannte Haus an der Hauptgasse wurde 1766 für den evangelischen Landrat und Schultheissen Andreas Steger erbaut. Er stammte aus der reichsten Familie Lichtensteigs, deren Mitglieder wichtige Ämter im Toggenburg und später im Kanton bekleideten.

1766 war aber nicht nur das Baujahr des markanten Hauses an der Hauptgasse, sondern auch das Todesjahr Andreas Stegers. Im 19. und 20. Jahrhundert wechselte das Haus mehrmals den Besitzer. Das ist einer Beilage zu entnehmen, die im Januar 1980 im «Amtsanzeiger» erschien.

Lichtensteig wurde zum Gerichtssitz bestimmt

1978 hatte der Regierungsrat die Verwaltung der Bezirksgerichte Ober- und Neutoggenburg zusammengelegt. Lichtensteig erhielt den Zuschlag als Standort. Es setzte sich gegen Wattwil, Ebnat-Kappel und Krummenau durch.

Im Dezember 1978 beschlossen die Ortsbürger den Kauf des Gebäudes und dessen Renovation. Die Politische Gemeinde kam aus subventionsrechtlichen Gründen nicht als Käufer in Frage. 1980 zogen die Gerichte und die Bezirksverwaltung ein. Heute sind im Gebäude ein Geschenkladen und das Kreisgericht ansässig.

«Vorzügliche Qualität der Ausmalung der Innenräume»

In der erwähnten Beilage schreibt der Vertreter der eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege vom schönsten Bürgerhaus von Lichtensteig und von einer der kostbarsten Profanbauten im Kanton. Begeistert ist er von der «vorzüglichen Qualität» der Ausmalung der Innenräume, die nichts mit der ländlich-naiven Dekorationsmalerei zu tun habe, die man sonst im Toggenburg und im Appenzellerland finde.

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