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Familiengeschichten: Die Brändles prägen Mosnang seit 400 Jahren

Der Name Brändle gehört in Mosnang zu den verbreiteten Bürgergeschlechtern. Die Stammhalter der verschiedenen Linien und Nebenlinen, die von Stammvater Rudolf Brändle ausgehen, hatten meist wichtige Berufe oder Bezug zu historischen Persönlichkeiten.
Timon Kolbelt
Fridolin Anton Grob, Landrat und Künstler, löste die Brändle vorübergehend als Bewohner des «Bild» in Mosnang ab. Das Buch Toggenburger Annalen beschreibt ihn wegen des knielange Rocks und des bestickten Vestons mit Hemd als «wohlsituierten Amtsmann». (Bild: PD)

Fridolin Anton Grob, Landrat und Künstler, löste die Brändle vorübergehend als Bewohner des «Bild» in Mosnang ab. Das Buch Toggenburger Annalen beschreibt ihn wegen des knielange Rocks und des bestickten Vestons mit Hemd als «wohlsituierten Amtsmann». (Bild: PD)

Im Weiler Fridlingen begann alles: Im Haus mit den gelben Fensterläden wohnt heute Stefan Brändle, 400 Jahre nach Stammvater Rudolf. (Bild: Timon Kobelt)

Im Weiler Fridlingen begann alles: Im Haus mit den gelben Fensterläden wohnt heute Stefan Brändle, 400 Jahre nach Stammvater Rudolf. (Bild: Timon Kobelt)

Wir schreiben das Jahr 1616, als Rudolf Brändle, Stammvater des Geschlechts Brändle in Mosnang, das Licht der Welt erblickt. Genauer stammt er vom Weiler Fridlingen, das oberhalb von Dreien liegt. Rudolf Brändle heiratet am 8. Juni 1659 Eva Walliser. Er amtet in der die Funktion des Landrichters in Fridlingen. Landrichter sind damals die Richter des Hochgerichts in Lichtensteig, wobei die Toggenburger Grafen die hohe Gerichtsbarkeit ausüben.

Der Landrat, bestehend aus 60 Vertretern, wählt die Landrichter. Auch 400 Jahre nach der Zeit des Stammvaters ist die Liegenschaft in Fridlingen noch immer in Besitz der Familie Brändle, Stefan heisst der jetzige Stammhalter.

Der Neffe ehelicht die Witwe seines Onkels

Vom Hauptstrang der Brändle aus Fridlingen führen zahlreiche Nebenlinien weg. So zum Beispiel die Brändle in der Liegenschaft Bild in Mosnang. Als erster Brändle auf dem «Bild» gilt Anton Brändle, der 1711 zur Welt kommt und als Quartierhauptmann und Ammann seine Brötchen verdient. Ausserdem sitzt er als einer von drei Mosnanger Vertretern im Landrat – vergleichbar mit dem heutigen Kantonsrat – nur, dass der Landrat sich ausschliesslich auf die Region Toggenburg begrenzte, weil der Kanton St. Gallen erst 1803 gegründet wurde.

Anton Brändle und seine erste Ehefrau Gertrud Grob von Spilhusen hinterlassen keine Nachkommen, weshalb die Linie Brändle auf dem «Bild» zwischenzeitlich unterbrochen wird. Nach dem Tod seiner Gattin Gertrud im Jahr 1760 schliesst Anton Brändle 1767, zu diesem Zeitpunkt als 57-Jähriger, erneut den Bund fürs Leben. Er ehelicht eine 21-Jährige, kann aber auch mit ihr bis zu seinem Tod 1772 keine Nachkommen hinterlassen.

Sein Labor ist bis heute erhalten

Nachdem die Fassade des Gehöfts Bild im Jahr 1912 geändert wurde, sah das Gebäude so aus wie auf diesem historischen Foto. (Bild: PD)

Nachdem die Fassade des Gehöfts Bild im Jahr 1912 geändert wurde, sah das Gebäude so aus wie auf diesem historischen Foto. (Bild: PD)

Es ist der Name des Fridolin Anton Grob, der fortan mit dem «Bild» in Verbindung gebracht wird. Bekannt ist er einerseits für die Art und Weise, wie er ins «Bild» eingezogen ist. Fridolin Anton Grob führt nämlich nur zwei Wochen nach dem Tod seines Onkels Anton Brändle dessen Witwe zum Altar. Andererseits kennt man Fridolin Anton Grob wegen seiner Karriere.

Heute präsentiert sich das Gehöft Bild wie auf dieser aktuellen Aufnahme. (Bild: Timon Kobelt)

Heute präsentiert sich das Gehöft Bild wie auf dieser aktuellen Aufnahme. (Bild: Timon Kobelt)

Die Flamme ist ihr Symbol

Das Familienwappen der Brändle taucht erstmals im Toggenburger Museum in Lichtensteig auf. In einer Wappenbeschreibung erklärt Anton Brändle vom «Bild» in Mosnang» die Bedeutung des Wappens: «Das Wappen zeigt die Grundfarbe blau, im Vordergrund einen schwarzen, brennenden Baumstrunk mit roter Flamme.» Die Flamme steht für den direkten Bezug zum Namen Brändle. Man spricht dann auch von einem beschreibenden Wappen.

Georges Brändle ergänzt, was er zum Wappen gehört hat: «Früher haben die Brändle im Wald Feuer und Gegenfeuer gelegt, um kontrolliert zu roden. Somit entstand Platz für Weide- und Bauland.» Laut historischem-biografischem Lexikon der Schweiz taucht der Name Brändle erstmals 1331 in Kaltbrunn auf. Womöglich sind die Brändle also aus dem Linthgebiet ins Toggenburg eingewandert.

Eine andere Theorie besagt, dass die Brändle nach der Reformation aus zürcherischen Gebieten ins Toggenburg kamen, weil sie dem katholischen Glauben nicht abschwören wollten. Tatsächlich können die Brändle vor der Reformation in Mosnang nicht nachgewiesen werden. (pd/tik)

Bei der Eheschliessung ist er mit 27 Jahren bereits Kirchenpfleger in Mosnang. Ausserdem sitzt er im Toggenburger Landrat. Nebst seiner Politik sind auch diverse Bücher, Tagebücher und Notizen zu den Revolutionsjahren, die Fridolin Anton Grob detailliert verfasst und veröffentlicht hat, bekannt. Ebenfalls gilt er als fähiger Künstler in den Bereichen Bildschnitzerei und Malerei. Sein Labor oder Atelier ist noch heute erhalten und befindet sich gleich neben der Liegenschaft Bild in Mosnang.

Das Wappen der Familie Brändle im Kirchenfenster von Mühlrüti. (Bild: PD)

Das Wappen der Familie Brändle im Kirchenfenster von Mühlrüti. (Bild: PD)

1868, also knapp hundert Jahre nach dem Tod von Anton Brändle, kommt das Gebäude Bild wieder in die Hände eines Brändle. Gallus Anton ist sein Name, bei dem es sich um den Bruder des Fridlinger Stammhalters Josef Anton handelt. Karl Brändle, Ur-Ur-Enkel von Gallus Anton, hat die politischen Gene diverser Amtsträger in der Familie Brändle geerbt und ist heute Gemeindepräsident von Bütschwil-Ganterschwil. Sein jüngerer Bruder Georges entschliesst sich 1993 im Alter von 27 dazu, die Liegenschaft Bild nach dem Tod ihres Vaters zu übernehmen. Anfänglich sei er unsicher gewesen, inzwischen sei er es nicht mehr: «Hier oben ist es so schön, dass ich mir gar nicht mehr vorstellen kann, irgendwo anders zu leben.»

Familiengeschichten

Alle kennen ihre Namen. Zumindest im Heimatdorf, meist im ganzen Toggenburg. Doch was verbirgt sich dahinter? Das «Toggenburger Tagblatt» erkundet diesen Sommer Familiengeschichten und stellt sie vor.

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