Event-Container von «Energietal Toggenburg» startet seine Tour durchs Tal in Wildhaus

Das Eventhaus – realisiert zum zehnjährigen Bestehen von «Energietal Toggenburg» – besucht während der kommenden zwölf Monate die zwölf Gemeinden im Toggenburg. Start ist in Wildhaus.

Adi Lippuner
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Das mobile, energieunabhängige Eventhaus wird in diesem Jahr alle zwölf Toggenburger Gemeinden besuchen. Der Startschuss ist dieses Wochenende in Wildhaus erklungen. (Bild: Adi Lippuner)

Das mobile, energieunabhängige Eventhaus wird in diesem Jahr alle zwölf Toggenburger Gemeinden besuchen. Der Startschuss ist dieses Wochenende in Wildhaus erklungen. (Bild: Adi Lippuner)

Mit it der Eröffnung am späteren Freitagnachmittag ist das «Energietal Toggenburg» um eine Attraktion reicher. Das mobile Eventhaus, als energieunabhängiger, fahrbarer «springender Punkt» konzipiert, wird während des Jubiläumsjahres jede der zwölf Toggenburger Gemeinden besuchen. Es steht Vereinen, Firmen, Organisationen und Schulen aber auch der gesamten Bevölkerung offen. Im Januar befindet sich das Eventhaus neben der Curlinghalle in Wildhaus.

Ziel der mobilen Plattform ist es, einerseits auf die Erfolge der Vergangenheit zurückzublicken, andererseits einen Blick in die Zukunft zu richten und sich mit den Möglichkeiten und Chancen der 2000-Watt-Gesellschaft auseinanderzusetzen. Entstanden ist das mobile Haus in der Wirkstadt des Vereins mini.art, fachlich unterstützt durch die Solararchitekten von Fent Solare Architektur in Wil. Eine erste Bewährungsprobe bestand das mobile Gebäude bei der Eröffnung: War es am Vormittag noch kühle 16 Grad im Innern, stieg die Temperatur nach 17 Uhr – durch die Anwesenheit von über 20 Personen – in kurzer Zeit auf 22 Grad.

2000-Watt-Gesellschaft als Ziel

Auf den ersten Blick präsentiert sich das mobile Eventhaus von «Energietal Toggenburg» auf dem Parkplatz neben der Wildhauser Curlinghalle unscheinbar. Wer sich dem kleinen Gebäude nähert, erkennt rasch, dass sich nicht nur ein zweiter Blick, sondern ein Besuch im Innern des «springenden Punktes», wie ihn die Verantwortlichen nennen, lohnt. Zum Auftakt des Jubiläumsjahres trafen sich gut 20 Personen im Eventhaus. Dabei ging es um die Rezertifizierung und Labelübergabe «Energiestadt Obertoggenburg», um aktuelle Informationen aus der Energiekommission, die Vorstellung des mobilen Eventhauses und die damit verbundene Solarenergie und Technik.

Eine sichtlich strahlende Patrizia Egloff, Geschäftsführerin von Energietal Toggenburg, begrüsste die Gäste zum Anlass, der unter dem Motto: «Zehn Jahre Energietal, zwölf Monate, zwölf Gemeinden, eine gemeinsame Vision», steht. Offiziell gegründet wurde der regionale Förderverein am 14. Januar 2009 – besteht also seit zehn Jahren. In allen zwölf Gemeinden des Toggenburgs soll während der kommenden Monate die Bevölkerung für das Leben in der 2000-Watt-Gesellschaft mit den Themen Energieeffizienz, Konsistenz und Suffizienz sensibilisiert werden.

Ein Gefühl für «Wohnen auf kleinem Raum» erhält, wer sich im Eventhaus aufhält. «Die rund 27 Quadratmeter ermöglichen ein bequemes Leben ohne grossen Verzicht oder Einschränkungen», wie Stefan Wyss von Fent Solare Architektur betonte. Dank der schlanken Wände und der Hinterlüftung der Fassade, ausgestattet mit wenig Technik und der Energieproduktion auf dem Dach, ist das Eventhaus Energieautark. Für Kilian Looser, Präsident der Energiekommission Obertoggenburg kann dies eine denkbare Wohnform der Zukunft sein, «denn fix installiert auf einer Bauparzelle wären auch mehrere Einheiten nebeneinander denkbar».

Ökologisch und Ökonomisch sinnvoll

Mit bereits umgesetzten Beispielen zeigte Solararchitekt Stefan Wyss auf, dass sich Energiesparen auch wirtschaftlich lohnt.

«Es gibt heute keine Ausreden mehr, aufs Energiesparen zu verzichten»

Zudem könne Lebensqualität gewonnen und – nach bescheidenen Mehrinvestitionen zu Beginn – markant bei den Nebenkosten gespart werden. «Dadurch erzielt ein Immobilienbesitzer Traumrenditen, wie sie heute sonst kaum möglich sind.»

Erfreut über den Start zuoberst im Toggenburg zeigte sich auch Gemeindepräsident Rolf Züllig. «Ich freue mich, dass wir die Rezertifizierung des Labels geschafft haben, dass der Startpunkt des Eventhauses in unserer Gemeinde ist und nicht zuletzt, dass wir mit dem mobilen Eventhaus einen kleinen Gegenpool zu den Leugnern des Klimawandels setzten können.»

Auf dem Weg zum «Goldlabel»

Vor vier Jahren wurde die Region Obertoggenburg, also die Gemeinden Ebnat-Kappel, Nesslau und Wildhaus-Alt St. Johann, erstmals mit dem Label «Energiestadt Region Obertoggenburg» ausgezeichnet. Gleichzeitig mit dem Auftakt zum zehnjährigen Bestehen von «Energietal Toggenburg», erfolgte nun die Rezertifizierung. Für Kilian Looser, Präsident der Energiekommission Obertoggenburg ein Ansporn, in vier Jahren das «Goldlabel» zu schaffen.

Energiestadt Gold bedeutet, dass eine Stadt oder Region mindestens 75 Prozent der für sie möglichen Massnahmen umgesetzt haben muss. Das Verfahren zur Zertifizierung basiert auf dem Label Energiestadt, setzt aber höhere Anforderungen. Gemäss der Website von energy.swiss.ch ist die Vergabe auf europäischer Ebene angesiedelt und bedingt einen internationalen Auditor.
Zur feierlichen Übergabe des aktuellen Labels im Eventhaus von «Energietal Toggenburg» waren die Gemeindepräsidenten von Wildhaus-Alt St. Johann, Rolf Züllig und Kilian Looser, Nesslau anwesend. Christian Spoerle, Ebnat-Kappel, musste sich, wegen einer anderweitigen Verpflichtung, entschuldigen.

Für Kilian Looser, Präsident der Energiekommission Obertoggenburg, befindet sich die Region auf dem richtigen Weg. «Wir haben es nicht nur geschafft, die gesetzten Ziele zu erreichen, sondern uns auch neue Ziele gesetzt.» Alljährlich lege die Region 20 Franken pro Einwohner in einen Fonds. Dieser diene der Umsetzung von Massnahmen zum Energiesparen. «Wir wurden vom Erfolg überrumpelt und dürfen feststellen, dass dieses Geld auch einheimischen Gewerbebetrieben zugute kommt.»
Marcel Knöri vom kantonalen Amt für Wasser und Energie und Projektleiter Energiedaten bezeichnete die 47 Gemeinden und Regionen, welche im Kanton St. Gallen das Label «Energiestadt» tragen dürfen, «als wichtige Puzzleteile auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft».

Die grosse Zahl von beteiligten Gemeinden zeige, dass sich der Kanton diesbezüglich auf die Verantwortlichen verlassen könne. «Es braucht den politischen Willen und den Einbezug der Bevölkerung,» so seine Botschaft.