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Interview

Esther Dreier und Monika Brändle begleiten Toggenburger durch schwierige Phasen: «Zeit ist das schönste Geschenk»

Esther Dreier und Monika Brändle von der Wegbegleitung sprechen über die Wichtigkeit und Schönheit der gemeinsam erlebten Zeit.
Anne-Sophie Walt
Mit einem älteren Menschen Zeit verbringen und gemeinsam einen Spaziergang machen, ist für den Senior wie auch für die Begleitperson eine Bereicherung. (Bild: Chris Mansfield)

Mit einem älteren Menschen Zeit verbringen und gemeinsam einen Spaziergang machen, ist für den Senior wie auch für die Begleitperson eine Bereicherung. (Bild: Chris Mansfield)

Die Angebote der Wegbegleitung sind für Menschen gedacht, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden und sich aufgrund dessen Unterstützung oder Hilfe wünschen. Es werden sowohl die Bedürfnisse derjenigen, die begleitet werden, als auch derjenigen, die begleiten, berücksichtigt. Man kann beispielsweise gemeinsam auf einen Spaziergang gehen, ein Gesellschaftsspiel spielen oder einen Kaffee trinken, sich einfach etwas Zeit schenken.

Das Engagement der Begleiter basiert auf Freiwilligenarbeit und die Angebote der Wegbegleitung sind nicht mit jenen der Spitex oder anderen Fachstellen zu vergleichen. Im Zentrum steht der zwischenmenschliche Austausch, der eine gegenseitige Bereicherung darstellt.

Seit wann bestehen die Angebote der Wegbegleitung und wie hat alles angefangen?

Esther Dreier: Vor 20 Jahren habe ich die Ausbildung im Bereich der Diakonie-Animation gemacht. Das Projekt Wegbegleitung war meine Abschlussarbeit. Zunächst wurde das Projekt für den Raum Mosnang, Mühlrüti und Libingen lanciert. Später kamen die Gemeinden Bütschwil, Ganterschwil und Lütisburg dazu. Diese Gemeinden werden von Silvia Suter-Müller betreut.

Seit wann sind Sie als Wegbegleiterin tätig?

Monika Brändle: Ich bin seit rund zwölf Jahren Wegbegleiterin. Über diese Zeit habe ich drei Menschen auf ihrem Weg begleitet. Ich treffe mich aber auch privat mit älteren Menschen. Die Besuche gestalte ich jeweils unterschiedlich.

Wie sind Sie auf diese Tätigkeit gestossen?

Brändle: Esther Dreier hat mich angefragt, ob ich Zeit und Lust hätte, einen älteren Menschen alle ein bis zwei Wochen zu besuchen, um mit ihm oder ihr Zeit zu verbringen. Aufgrund gesundheitlicher Probleme musste ich vor einigen Jahren meinen Beruf aufgeben. Ich war vorher im Pflegebereich tätig, habe einen dreimonatigen Kurs beim Roten Kreuz absolviert. Nachdem ich aufgehört habe zu arbeiten, sehnte ich mich nach einer Tätigkeit, die ich trotz meiner gesundheitlichen Einschränkungen ausführen kann.

Ich tausche mich gerne mit Menschen aus und empfinde zwischenmenschliche Begegnungen als etwas vom Wertvollsten.

Die Wegbegleiterin Monika Brändle (links) und die Einsatzleiterin Esther Dreier. (Bild: Anne-Sophie Walt)

Die Wegbegleiterin Monika Brändle (links) und die Einsatzleiterin Esther Dreier. (Bild: Anne-Sophie Walt)

Waren Sie schon von Anfang an Einsatzleiterin?

Dreier: Da ich im Bereich der Seelsorge tätig bin, war es naheliegend ein Projekt zu lancieren, das die Diakonie, eben eine dienende Kirche als Grundgedanken in sich trägt. Da es im Ausbildungsmodul Diakonie-Animation meine Abschlussarbeit gewesen ist, war ich von Anfang an dabei.

Was ist für Sie das Schönste an der Wegbegleitung?

Brändle: Ich tausche mich gerne mit älteren Menschen aus und habe Freude im Umgang mit ihnen.

Es ist schön, dass ich anderen alleine durch meine Anwesenheit etwas Gutes tun kann.

Jeder Besuch ist für mich ein Erfolgserlebnis und ich profitiere selbst von den Begegnungen. Zu einer Frau gehe ich alle vierzehn Tage für eine Stunde auf Besuch. Zu einer anderen Frau gehe ich einmal in der Woche für drei Stunden. Sie ist blind und deshalb ist es ihr nicht mehr möglich, alleine ihren Haushalt zu führen. Ich wärme ihr jeweils das Mittagessen auf, lese ihr vor und manchmal beten wir zusammen. Sie bedankt sich jedes Mal ausgiebig, was für mich herzerwärmend ist. Einmal im Monat treffe ich mich privat mit zwei Frauen und führe mit ihnen einen Spielenachmittag durch. Ich merke immer wieder, dass Zeit das Schönste ist, das man jemandem schenken kann. Gemeinsam verbrachte Zeit löst bei beiden Beteiligten Glücksgefühle aus.

Dreier: Bei älteren Menschen besteht immer eine gewisse Gefahr, dass sie vereinsamen, wenn sie zu oft und zu lange auf sich alleine gestellt sind. Und da sie aus einer Generation kommen, die sich nicht mit der eigenen Verletzlichkeit und den eigenen Schwächen befasst hat, haben sie oftmals Mühe, nach Hilfe zu fragen. Sie wollen niemandem zur Last fallen. Auf der anderen Seite sind sie, aufgrund ihrer oft bescheidenen Lebensweise sehr dankbar für jegliche Unterstützung und Zuwendung.

Es braucht nicht viel, um einem älteren Menschen ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern.

Was ist für Sie das Schönste an Ihrem Beruf?

Dreier: Ich schätze die zwischenmenschlichen Begegnungen jeglicher Art. Es ist eine schöne Aufgabe, Menschen in allen möglichen Lebenssituationen zu begegnen und mich mit ihnen auszutauschen. Da ich in Mosnang aufgewachsen bin, kenne ich viele Menschen schon seit meiner Kindheit. Ich schätze dieses Beziehungsnetz, das mich in meinem Beruf trägt. Aus dem Glauben schöpfe ich immer wieder Kraft für mich, meine Arbeit und mein Gegenüber.

Wie kommt der Kontakt zwischen den Begleiteten und den Begleitern zustande?

Dreier: Wir haben zwei verschiedene Flyer. Einer ist für jene, die jemanden suchen, der ihnen Zeit schenken will und der andere ist für jene, die gerne Zeit schenken wollen. Damit eine wertvolle Beziehung entstehen kann, achte ich darauf, dass die beiden Menschen ähnliche Typen sind oder dass sie Gemeinsamkeiten haben, die sie verbinden. Am ersten Treffen bin ich jeweils dabei und wir schauen, ob die Chemie zwischen den beiden Menschen stimmt. Erst dann überlegen wir uns gemeinsam, wie wir die Treffen aufgleisen. Teils spreche ich direkt Menschen an, um deren Lebenssituation ich persönlich weiss, und erzähle ihnen von unserem Angebot. Wie Monika Brändle organisieren sich aber auch viele auf privater Ebene untereinander.

Sind auch junge Menschen als Wegbegleiter tätig?

Dreier: Die Freiwilligenarbeit, die vorwiegend von Frauen geleistet wurde, nimmt immer mehr ab. Grund dafür ist die fortschreitende Emanzipation der Frau. Die Zeit für die Freiwilligenarbeit fehlt den jüngeren Generationen, da Frauen wieder vermehrt ins Berufsleben zurückkehren, wenn die Kinder ins Schulalter gekommen sind. Zum Positiven verändert hat sich im Gegenzug, dass sich immer häufiger auch Männer in der Freiwilligenarbeit engagieren, wofür wir sehr dankbar sind. Mit der Problematik, immer weniger Menschen für die Freiwilligenarbeit zu finden, wird die Kirche in den nächsten Jahren vermehrt konfrontiert werden.

Wie wollen Sie gegen dieses Problem vorgehen?

Dreier: Wie wir uns dem annehmen, steht noch in den Sternen. Wir haben das Glück, dass in kleineren Gemeinden wie Libingen, Mosnang und Mühlrüti, im Gegensatz zu den Agglomerationen, noch vieles an Unterstützung über die Familie oder die Nachbarschaftshilfe läuft. Hier auf dem Land kümmert man sich um ältere und jüngere Menschen und steht in engem Kontakt zueinander. In den Städten wird die Anonymität grossgeschrieben. In dieser schnelllebigen Zeit vergessen viele, wie wichtig der zwischenmenschliche Austausch für unser Wohlbefinden ist. Und genau dieser Austausch ist das Herzensanliegen der Wegbegleitung.

Hinweis

Weitere Informationen unter www.seut.ch/home/diakonie/wegbegleitung.

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