«Es gibt noch einiges zu tun»: Jugendchor aus Zürich probt in Wildhaus

60 Jugendliche bereiten sich im Toggenburg für Konzerte im September und Oktober vor. Das Niveau der Interpretationen ist schon am dritten Probentag erstaunlich hoch.

Adi Lippuner
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Klatschen und mit den Füssen den Takt geben: So interpretieren die «Jungen Stimmen Zürich», unter der Leitung von Martin Wildhaber, das rätoromanische Lied «Randulin». (Bild: Adi Lippuner)

Klatschen und mit den Füssen den Takt geben: So interpretieren die «Jungen Stimmen Zürich», unter der Leitung von Martin Wildhaber, das rätoromanische Lied «Randulin». (Bild: Adi Lippuner)

Seit Sonntagmittag sind die jungen Frauen und ein knappes Dutzend Männer – sie bilden den 60-köpfigen Chur «Junge Stimmen Zürich» – in Wildhaus. Während einer Woche wird für die sechs Konzerte, welche im August und September bevorstehen, intensiv geprobt.

Der künstlerische Leiter Martin Wildhaber hat einmal mehr ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt und will, bis zum ersten Konzert am Freitagabend, einen möglichst perfekten Auftritt erreichen.

«Bis dahin gibt es noch einiges zu tun».

Beim Probenbesuch am Dienstagnachmittag war von jungen Menschen das deutsche Volkslied «Die Gedanken sind frei» zu hören. Das weckt im ersten Moment keine allzu grossen Erwartungen.

Stimmlichen Rhythmusteppich gelegt

Doch was Martin Wildhaber mit der modernen Interpretation erreicht, ist schon am dritten Probentag zum Staunen. Die Einsätze passen hervorragend, gesungen wird langsam, aber fliessend und mit hoher Konzentration, es ist sozusagen ein stimmlicher Rhythmusteppich. Rhythmus heisst auch das Zauberwort, welches der künstlerische Leiter für das aktuelle Programm gewählt hat.

«Bekannte Lieder dürfen, ja sollen für einmal anders klingen.»

Erstmals proben die «Jungen Stimmen» während einer Sommerwoche. Sie sind aber bereits das vierte Mal in Wildhaus.

Der Chorleiter stellt hohe Anforderungen an die Sängerinnen und Sänger

«Die Frühlingswoche hat nicht mehr zum Chor gepasst, die Mitwirkenden sind älter geworden, wir haben mehrheitlich Studierende und die haben im Frühling keine Ferien. Kommt dazu, dass die Maturaprüfungen vorbei sind, das trägt zur Entspannung bei», begründet Martin Wildhaber den Wechsel vom Frühjahr auf den Sommer.

Jeweils über drei Stunden am Vormittag, drei Stunden am Nachmittag und noch eineinhalb Stunden am Abend werden die Mitwirkenden in den Proben gefordert. «Ich stelle hohe Anforderungen, aber die Gruppe wird dem gerecht und zeichnet sich durch hervorragende Probenkonzentration aus,» windet Martin Wildhaber seinen «Jungen Stimmen» ein Kränzchen.

Beim Sound ein bisschen reinhauen

Bei «Kein schöner Land» setzen sich die Sängerinnen und Sänger mit einem weiteren deutschen Volkslied auseinander. Doch auch hier zeigt sich, Rhythmus und ein Sound bei dem «reingehauen werden darf», so der Leiter, zeichnen die angepasste Interpretation aus.

«Bei gute Nacht darf, respektive muss es ganz kurz ein bisschen kratzen im Hals, bevor das T gesetzt wird».

Nach zwei Durchgängen folgt dann der Kommentar: «Ich bin sehr zufrieden, ausser mit den zwei oder drei Clowns, die etwas anderes gemacht haben.»

Rätoromanisches Lied interpretiert

Vom deutschen Liedergut geht’s dann zum rätoromanischen «Randulin», auf den ersten Blick ebenfalls ein traditionelles Stück. Randulin bedeutet Schwalbe, ist aber auch ein Ausdruck für die Emigranten aus dem Engadin, die früher ausserhalb des heimatlichen Tales einer Arbeit nachgehen mussten.

Im Lied geht es aber darum, dass einer Schwalbe der Rat erteilt wird, sie solle nicht heiraten. Was die «Jungen Stimmen» mit viel Rhythmus und ihrem «ollalla» aus dem Lied herausholen, verspricht bereits am dritten Probentag einen echten Konzertgenuss. In Wildhaus findet das Konzert am Freitag, 16. August, um 19.30 Uhr in der katholischen Kirche statt.