Es gibt zu wenige Logopäden im Toggenburg

An der HV des Sprachförderzentrums Toggenburg schälte sich der Mangel an Fachkräften für den logopädischen Dienst als Hauptproblem heraus. Beratung und Unterstützung ist jedoch garantiert.

Cecilia Hess-Lombriser
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Bernhard Graf, Präsident, Susanne Heuberger Institutionsleitung, sowie Doris Hollenstein, Verwaltung. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Bernhard Graf, Präsident, Susanne Heuberger Institutionsleitung, sowie Doris Hollenstein, Verwaltung. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Bernhard Graf, ehemaliger Gemeindepräsident von Mosnang, ist seit einem Jahr Präsident des Sprachförderzentrums Toggenburg. Er leitete am Mittwoch seine erste HV. Er informierte umfassend und zollte den Mitarbeitenden im logopädischen und in der Sprachheilschule Respekt für ihre Arbeit. Seine grosse Sorge sind die fehlenden Logopädinnen und Logopäden. Zum Auftakt spielte das Jugendblasensemble der Musikschule Toggenburg unter der Leitung von Michel von Niederhäusern.

Hoffen auf eine befriedigende Lösung

Veränderungen haben den Vorstand und die Mitarbeitenden des Sprachförderzentrums in den letzten Jahren gefordert. Das Sonderpädagogik-Konzept des Kantons und neue Leistungsvereinbarungen hatten Auswirkungen. «Eine Konsolidierungsphase wäre jetzt erwünscht», sagte Bernhard Graf.

Es geht jedoch weiter. Im Rahmen des Versorgungskonzeptes sollten gemäss Bildungsdepartement bis 2022 die Anzahl Schüler abgebaut werden; von 46 auf 35. Das sei nicht im Sinne der Kinder, die eine Förderung brauchen. Die Sprachheilschule hofft, dass die im Februar angenommene Motion im St.Galler Kantonsrat zu einer befriedigenden Lösung führt, denn die Schülerinnen und Schüler seien zunehmend anspruchsvoller in der Begleitung.

Finanziell stehe die Schule auf gesunden Beinen. Weil der Betriebsfonds seinen Maximalstand erreicht hat, musste der gesamte Betriebsgewinn 2018 dem Kanton zurückerstattet werden. Für das laufende Jahr ist ein kleines Defizit budgetiert worden. Rechnung und Budget wurden genehmigt.

Aufmerksam für allfällige Sprachprobleme

Wie Institutionsleiterin Susanne Heuberger, berichtete, zeige die vermehrte Integration von Kindern in die Regelklassen direkte Auswirkungen auf die Arbeit der Logopädinnen. Sie seien zunehmend mit komplexeren Störungsbildern konfrontiert. Dies erfordere eine länger andauernde Therapie und einen intensiven Austausch aller Beteiligten.

Auch sie bedauerte, dass Personal fehlt und nicht alle Lektionen abgedeckt werden können. Dafür könne die logopädische Spielgruppe Lodino wieder geführt werden. «Erfreulicherweise achten die Ärztinnen und Ärzte und Spielgruppenleiterinnen in unserer Region auf eine allfällige Sprachproblematik und überweisen die Kinder frühzeitig zur Abklärung ans Sprachförderzentrum», freut sich Susanne Heuberger.

Keine Fachleute mehr im Vorstand erlaubt

Die Versammlung musste über eine Statutenänderung befinden. Im Vorstand dürfen keine definierten Fachpersonen mitarbeiten, wie sie die alten Statuten festhält. Neu heisst es lediglich, dass der Vorstand aus mindestens fünf Mitgliedern besteht. Eine Änderung gab es auch bei der Kontrollstelle. Dieser Artikel wurde detaillierter formuliert. Beide Artikel wurden diskussionslos angenommen.

Weil keine Fachpersonen oder Personen aus überweisenden Behörden im Vorstand sein dürfen, musste Vizepräsidentin Karin Mettler nach neun Jahren zurücktreten. Sie ist Psychologin. Bernhard Graf würdigte ihre engagierte und präsente Mitarbeit. Ihre Fachkompetenz sei wertvoll gewesen. Im Moment besteht der Vorstand aus fünf Mitgliedern. Eine zusätzliche Person mit spezifischen Kompetenzen sei jedoch erwünscht.

Die Logopädinnen Corinne Frei (links) und Veronika Koller informierten über das neue Angebot «Beratung und Unterstützung».

Die Logopädinnen Corinne Frei (links) und Veronika Koller informierten über das neue Angebot «Beratung und Unterstützung».

In der Diskussion kam nochmals die unbefriedigende Situation mit den fehlenden Logopädinnen und Logopäden zur Sprache. Im Neckertal gibt es Kinder, die Therapien bräuchten. Eine gewisse Entlastung kann das neue Angebot «Beratung und Unterstützung» des Sprachförderzentrums Toggenburg bieten, wie im anschliessenden Referat zu erfahren war.

Was ist das Angebot «Beratung und Unterstützung»?

Im Anschluss an die HV informierten die beiden Logopädinnen Veronika Koller und Corinne Frei über das Angebot Beratung und Unterstützung, das seit einem Jahr besteht und vom Kanton finanziert wird. Sonderschulen nutzen ihre Kompetenzen einerseits für den Betrieb der Sonderschule, andererseits stellen sie diese im Auftrag des Kantons St.Gallen auch den Regelschulen zur Verfügung.

Beratung und Unterstützung mit dem Förderschwerpunkt Sprache ist ein neues Standbein des Sprachförderzentrums Toggenburg. Es ist ein flexibles, bedarfsorientiertes Angebot für Regelschulen. Dieses richtet sich an Lehrpersonen, Therapeutinnen, Fachpersonen, Schulleitung, Schulbehörden und Abklärungsstellen. Ziel ist die Integration der Schüler und Schülerinnen mit Spracherwerbsstörungen in der Regelschule so optimal wie möglich zu gewährleisten. Veronika Koller berichtete anhand eines Beratungsfalles, wie die Unterstützung aussehen kann, damit einzelne Kinder, die Klasse und die Lehrperson davon profitieren können. (hlo)