Interview

«Erwachsene schreien nicht, wenn sie müde sind» – Musikerin Lina Button tritt im Lichtensteiger Chössi-Theater auf

Die Musikerin Lina Button mag es, vor kleinem Publikum zu spielen und Englisch zu singen.

Fabio Giger
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Lina Buttons neues Album kommt mit weniger Gitarren, aber mehr elektronischen Klängen daher.

Lina Buttons neues Album kommt mit weniger Gitarren, aber mehr elektronischen Klängen daher.

Bild: Tom Huber

Die Singer-Songwriterin Lina Button, bürgerlich Brigitt Zuberbühler, brachte im Herbst ihr viertes Album «Who’ll Be Here» heraus. Ihre Songs handeln von nächtlichen Stadtwanderungen, Katertagen, toxischen Beziehungen und der Sehnsucht nach Freiheit. Inspiration dazu fand sie in Berlin und spielt Anfang April im Chössi-Theater in Lichtensteig.

Das Chössi-Theater gehört zu den kleinsten Bühnen im Schweizer Showbusiness. Was gefällt Ihnen daran?

Lina Button: Vor kleinem Publikum herrscht eine besonders intime Stimmung. Das Chössi-Theater ist wie eine Manege. Da fühlt man sich nach kürzester Zeit wie in einer Blase. Die Leute sind aufmerksamer, die Emotionen meiner Songs kommen besser zum Ausdruck. Es sind kleine Gesten, die den Auftritt besonders machen – für die Band und für das Publikum.

Sie haben sich nach Ihrem Erfolgsalbum Misty Mind mehrmals ins grosse Berlin zurückgezogen, um Zeit für sich zu haben. Andere machen das im abgelegenen Toggenburg.

Wenn ich meinen Kopf lüften muss, weil mir in der Stadt alles zu viel wird, gehe ich gerne aufs Land. Aber um kreativ zu werden, musste ich weiter weg, etwas Neues sehen. Ich scheu mich manchmal vor neuen Orten und fand es eine gute Herausforderung, eine neue Stadt alleine zu entdecken. Das freie, bunte Berlin hat mich gereizt.

Ihre älteren Singer-Songwriter-Lieder sind gitarrenlastig. Auf dem neuen Album hört man häufig elektronische Elemente raus. Hat sich Lina Button neu erfunden?

Das würde ich so nicht sagen. Ich will mich ständig weiterentwickeln und Neues ausprobieren. Das elektronisch, experimentelle Soundkleid in meinen neuen Songs steuerte mein Produzent Luca Burkhalter bei. Er ist Keyboarder bei Baba Shrimps und ein absoluter Synthesizer-Freak. Aber mir war es wichtig, dass die Lieder noch immer nach Lina Button tönen. Ich finde, das ist uns gut gelungen.

Gut zwei Monate nach Ihrem Auftritt treten Sie mit der Kinderliederband Silberbüx wieder im Chössi-Theater auf – dann vor jüngeren Hörern. Vor welchem Publikum spielen Sie lieber?

Der Vorteil bei den Erwachsenen ist, dass sie nicht anfangen zu schreien, wenn es ihnen nicht gefällt oder sie müde werden. Ganz im Ernst: Ich habe ein sehr dankbares und aufmerksames Publikum. Mit Silberbüx erlebe ich die Kinder in einer für sie aufregenden Situation. Sie können mitmachen, mitsingen, sind total empfänglich für unsere Lieder. Manchmal ist es ihr erstes Konzert. Einzig die Reaktionen nach den Konzerten sind jeweils recht unterschiedlich.

Inwiefern?

Die Kinder sind wahrscheinlich ehrlicher als Erwachsene. Und ihnen fallen ganz andere Dinge auf. Manchmal kommen sie und sagen: «Benno (Muheim, Anm. d. Red.) ist der lustigste, aber du hast dafür die schönsten Haare und singst so schön.»

Ihnen ist es wichtig, mit Ihren Songs bei den Leuten Gefühle auszulösen. Als Lina Button singen Sie in Englisch. Ist die Sprache eine Verständnishürde?

Lustigerweise habe ich erst kürzlich einen Lina Button-Song in Schweizerdeutsch geschrieben. Ich weiss aber nicht, ob ich den je veröffentliche. In Englisch zu singen, gefällt mir einfach sehr gut. Es sind meist kürzere Wörter, die man anders zum Klingen bringen kann.

Mundart-Lieder von Ihnen wird es also nicht geben?

Es reizt mich schon herauszufinden, wie Lina Button-Songs in Schweizerdeutsch ankommen würden. Mein Thurgauer Dialekt dürfte vielleicht nicht gerade hilfreich sein. Bei Silberbüx wurde ich deswegen aber noch nie angesprochen.

In einem Interview haben Sie das Song-Schreiben mit Lego spielen verglichen. Wie kann man sich das vorstellen?

Damit meinte ich eine Jam-Session mit Luca Burkhalter und Lukas Gasser. Wir trafen uns an einem Mittwochnachmittag in unserem Proberaum und spielten einfach drauflos, ganz ungezwungen. Davor litt ich an einer längeren Schreibblockade. Beim Improvisieren ging dann der Knopf auf: Das Eine passte zum Anderen, so wie Legosteine. Auf einmal standen wir vor halb fertigen Liedern. Wir entschieden uns diese drei Songs aufzunehmen. Den Rest schrieb ich wieder alleine im stillen Kämmerlein und schliesslich wurde daraus ein ganzes Album - und jetzt sind wir damit auf Tour.

Das Konzert findet am Samstag, 4. April, um 20.15 Uhr im Chössi-Theater in Lichtensteig statt.