Neuer Spitzenwert: Im Toggenburg wohnen erstmals wieder mehr Einwohner als in den 90er-Jahren

Seit 2010 zeigen die Bevölkerungszahlen im Thur- und Neckertal nach oben. Nun hat das Toggenburg die Talsohle endgültig durchschritten. 2018 wohnten mehr Leute im Toggenburg als im bisherigen Spitzenjahr 1995.

Ruben Schönenberger
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Neue Wohnungen für neue Einwohner: Das Toggenburg wächst. (Bild: Ralph Brühwiler)

Neue Wohnungen für neue Einwohner: Das Toggenburg wächst. (Bild: Ralph Brühwiler)

Es ist fast schon zur Gewohnheit geworden: Wenn die neuen Zahlen zur Wohnbevölkerung erscheinen, freut sich das Toggenburg. So auch jetzt wieder. Schon zum neunten Mal hintereinander verzeichnet der Wahlkreis Toggenburg im Vergleich zum Vorjahr einen Bevölkerungszuwachs.

Und doch ist die Veröffentlichung der Zahlen des Jahrs 2018 aussergewöhnlich. Mit 46'443 Einwohnerinnen und Einwohnern ist das Toggenburg so bevölkert, wie noch nie seit 1981. Ältere Zahlen stellt die Fachstelle für Statistik des Kantons St.Gallen nicht zur Verfügung. Damit hat das Thur- und Neckertal im vergangenen Jahr erstmals den bisherigen Spitzenwert von 1995 (46'408 Personen) übertroffen.

Erreichbarkeit, Preise und Jobs als Gründe

«Der Erfolg liegt an der zentralen Lage, die nun viele erkannt haben», sagt Daniel Blatter, Geschäftsführer der Region Toggenburg. Er spricht damit die gute Erreichbarkeit mit dem öffentlichen als auch dem Individualverkehr an. Bei Letzterem dürften gemäss Blatter auch die beiden im Bau befindlichen Umfahrungsstrassen in Bütschwil und Wattwil schon vorwirken.

Daniel Blatter, Region Toggenburg. (Bild: PD)

Daniel Blatter, Region Toggenburg. (Bild: PD)

Neben der Erreichbarkeit streicht der Geschäftsführer der Regionsorganisation zwei weitere Erklärungen für den Aufschwung heraus. Die Preise für Wohnraum seien vergleichbar gut und bei den verfügbaren Jobs habe das Tal auch zulegen können. Blatters Fazit:

«Es spricht eigentlich alles für uns.»

Zurücklehnen kann man sich im Toggenburg dennoch nicht. Bei der Erreichbarkeit wünscht sich Blatter baldige Verbesserungen bei der Ricken- und der Wasserfluhstrasse, die aber auch schon im 17. Strassenbauprogramm erwähnt seien. Beim öffentlichen Verkehr steht die bessere Anbindung in Richtung Zürich zuoberst auf der Wunschliste. «Da sind uns aber aktuell die Hände gebunden», sagt der Geschäftsführer und verweist auf den blockierten Doppelspurausbau in Schmerikon.

Verlust des Spitals hätte Auswirkungen

Zudem gelte es auch, das Vorhandene zu bewahren. Bezug nimmt er dabei insbesondere auf das Spital Wattwil. Ein Verlust wäre zwar nicht unbedingt vergleichbar mit dem Niedergang der Textilbranche, würde aber vermutlich doch eine Delle in die Wachstumskurve schlagen. Blatter ist aber optimistisch:

«Ich gehe mit einem guten Gefühl in die Zukunft.»

Dieses gute Gefühl dürfte man vor allem im unteren Teil des Toggenburgs teilen. Betrachtet man die Bevölkerungsentwicklung genauer, zeigt sich, dass der Zuwachs schwergewichtig hier stattfindet. Exemplarisch dafür steht die Entwicklung des letzten Jahres. Die südlichste Gemeinde, die einen Zuwachs verzeichnen konnte, ist Ebnat-Kappel. Die weiteren Gemeinden mit Wachstum sind Kirchberg, Lütisburg, Bütschwil-Ganterschwil und Wattwil.

Diese Gemeinden sind es denn auch, die der Motor für den Aufschwung sind und die im Zehn-Jahres-Vergleich teilweise ein Wachstum im zweistelligen Prozentbereich nachweisen können. Mit grösseren Rückgängen zu kämpfen haben in diesem Langzeitvergleich die Gemeinden Mosnang (-3,16 Prozent) und Nesslau (-3,74 Prozent), aber auch die allenfalls bald fusionierenden Gemeinden Hemberg (-3,21 Prozent), Neckertal (-2,79 Prozent) und Oberhelfenschwil (-6,94 Prozent).