Erste Klima-Demonstration im Toggenburg: Teilnehmerzahl übertrifft Erwartungen – ein junger Gegendemonstrant tritt ebenfalls auf

150 Kinder, Jugendliche und Erwachsene marschierten am Samstag in Wattwil bei der ersten Klimademonstration im Toggenburg mit.

Sascha Erni
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Joel Müller zeigte sich vergangenen Samstag hocherfreut über den Zulauf zur ersten Toggenburger Klima-Demo. «Es ist sehr positiv, zu sehen, dass das Thema doch so viele Leute erreicht hat», erzählte der Hauptverantwortliche der Klimagruppe Wattwil im Anschluss an die friedliche Demonstration. Gerechnet hätte die Gruppe mit 50 bis 80 Teilnehmenden. Schlussendlich marschierten dann aber laut Müller 150 Menschen aller Altersgruppen lautstark durch Wattwil, um für griffige Massnahmen zum Klimawandel zu demonstrieren. «Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut!», skandierte die Gruppe etwa, aber es wurde auch etwas Ostschweizerischer: «Öpfelchueche! Nöd Flüüg bueche!»

Klimanotstand für Wattwil gefordert

Die Kundgebung versammelte sich auf dem Bräkerplatz, dann ging es durch Nebenstrassen vorbei an der Kantonsschule und dem Volkshaus auf die Runde. Eltern mit Kindern, Kanti-Schülerinnen, aber auch Rentnerinnen und Rentner fanden sich mit Transparenten und Schildern ein. Bevor sich die Demonstrierenden aufmachten, standen zwei Ansprachen an. Sarah Brümmer, Schneiderin und Mitglied des «Mini.Wirkstadt»-Kollektivs, betonte in ihrem Kurzreferat die Wichtigkeit des Bodens für Natur und Klima. «Wir müssen die Verantwortung für den Boden übernehmen», sagte sie.

Die erste Klimademonstration im Toggenburg zog verschiedene Altersgruppen an, welche die Strassen Wattwils bevölkerten. (Bild: Sascha Erni)

Die erste Klimademonstration im Toggenburg zog verschiedene Altersgruppen an, welche die Strassen Wattwils bevölkerten. (Bild: Sascha Erni)

Das bedeutet laut Brümmer besonders auch, den Humus nicht zu vergessen: Boden würde nicht nur als Lebensraum dienen, sondern auch zur CO2-Speicherung beitragen. Die globale Humus-Initiative fordere entsprechend einen Humus-Aufbau von vier Promille, und jeder und jede könne – und müsse – seinen Teil dafür tun. Der reformierte Pfarrer Hans Jörg Fehle gab im Anschluss dem Publikum mit auf den Weg, dass man der Klimajugend statt mit Kritik besser mit grossväterlichen Gefühlen begegnen sollte. Er meint:

«So kann man zusammen mit den Jüngeren eine intakte Natur sicherstellen.»

Wie auch der Schlussredner, Dominic Tobler von der Klimagruppe Appenzell, forderte er den Wattwiler Gemeinderat auf, den Klimanotstand auszurufen.

Respekt und Kritik für Gegen-Demo

Begleitet wurde die Klima-Demo nicht nur von der Polizei, sondern auch von Lars Frey: Der 14-jährige Kanti-Schüler aus Eschenbach hatte im Alleingang eine Gegen-Demonstration auf die Beine gestellt. Er habe die Klimabewegung schon länger beobachtet, dann recherchiert.

«In letzter Konsequenz führen die Forderungen zu zu hohen Abgaben für die Schweizer Bevölkerung».

Dahinter könne er nicht stehen, deshalb sei er nach Wattwil gekommen. Die Klimademonstrierenden zollten ihm grösstenteils Respekt. Er läge zwar falsch, aber dass er für seine Meinung hinstehe, sei richtig, waren sich viele Teilnehmer einig. Andere zeigten sich nach dem persönlichen Gespräch mit Frey, der sich selbst als Rechts-Populist bezeichnet habe, irritiert.

Lars Frey stellte die Gegendemonstration. (Bild: Sasch Erni)

Lars Frey stellte die Gegendemonstration. (Bild: Sasch Erni)

Und was kommt als Nächstes für die Klimagruppe Wattwil? Weitere Demonstrationen seien zur Zeit nicht geplant, sagte Joel Müller. Man würde am nationalen Klimatag in Bern teilnehmen, vielleicht mit dem Velo hinfahren. Eventuell gäbe es noch eine Kundgebung vor den Kantonsratswahlen, konkret geplant sei jedoch noch nichts. «Aber man wird sicher von uns hören», sagte er lachend.