Ersatzwahl Schulrats-Präsidium in Lütisburg: Der neue Chef muss die Blockade zwischen den Gremien aufbrechen

Mit Werner Scherrer und Marianne Burger Studer wollen zwei Personen Schulratspräsident von Lütisburg werden. Die Personalie ist deshalb besonders wichtig, weil diverse Schulprojekte in der Sackgasse stecken.

Timon Kobelt
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Wieder einmal richten sich in Lütisburg alle Augen auf die Schule. Der neue Schulratspräsident wird unter anderem mit der Entwicklung des Schulareals Neudorf beschäftigt sein. (Bild: Marin Lendi)

Wieder einmal richten sich in Lütisburg alle Augen auf die Schule. Der neue Schulratspräsident wird unter anderem mit der Entwicklung des Schulareals Neudorf beschäftigt sein. (Bild: Marin Lendi)

Der scheidende Schulratspräsident Josef Rütsche will mit seinem Rücktritt «den Weg frei machen» für einen Neubeginn. Einen Neubeginn, den Lütisburg benötigt, damit Schul- und Gemeinderat konstruktiv zusammenarbeiten können. Gegenseitige Schuldzuweisungen führten zu einem gehässigen Abstimmungskampf, als das Projekt Primarschule Lütisburg (PSL) 2020plus an die Urne kam.

Der Wahlkampf für die Ersatzwahl des Schulratspräsidenten am 24. März verläuft bisher nicht gehässig. Doch enthält er eine unvorhergesehene Wendung: Marianne Burger Studer steigt als wilde Kandidatin ins Rennen. Sie hat mit ihrem Mann lange überlegt, ob sie sich um das Amt bewerben soll. Zu lange, um die offizielle Eingabefrist einhalten zu können. Letztlich bewog sie «ihr Herz für die Schule» und ihre Überzeugung, dass Lütisburg eine Auswahl brauche, «wild» in den Wahlkampf zu ziehen. Die 56-Jährige ist aber keineswegs eine Verlegenheitskandidatin. Sie bringt viel Erfahrung und Wissen aus dem Schulbereich mit, hat einen pädagogischen Hintergrund und Erfahrung mit Grossprojekten. Jedoch könnte ihre wilde Kandidatur auch als Zögern interpretiert werden. Zweifellos ist es für sie ein Nachteil, dass ihr Name nicht auf dem Wahlzettel steht.

Nur eine offizielle Kandidatur eingereicht

Wer sich in Lütisburg zum Thema Schulratspräsident umhört, erhält häufig die Antwort: «Wer will sich das schon antun?» Da nur eine offizielle Bewerbung eingegangen ist, kann der Schluss gezogen werden, dass es sich fast niemand «antun will». Eingereicht hat diese Bewerbung Werner Scherrer, der aktuell im Gemeinderat sitzt. Da er in diversen Vereinen und in Lütisburg allgemein gut vernetzt ist und langjährige Erfahrung als Kantonsangestellter hat, darf er sich berechtigte Chancen für die Wahl ausrechnen. Als Neffe von Josef Rütsche und Mitglied der Baukommission, welche die Abstimmungsvorlage für das «PSL 2020plus» ausgearbeitet hat, könnten ihm die Gegner jener Vorlage allerdings eine zu starke Befangenheit für ein neues Projekt ankreiden.

«PSL 2020plus» wird auch den künftigen Schulratspräsidenten auf Trab halten. Da der vorgelegte Neubau der Turnhalle abgelehnt wurde, muss ein neues Projekt aufgegleist werden. Die Zeit dazu drängt, denn die jetzige Halle ist betreffend Kapazität und Sicherheit nicht mehr zeitgemäss.

Ausserdem muss die Erweiterung des Schulhauses Neudorf umgesetzt werden. Ziel ist es, dass dieses im Sommer 2020 bezugsfertig ist, wobei Einsprachen dagegen eingegangen sind.

Strukturelle Änderungen stehen bevor

Imelda Stadler, Gemeindepräsidentin Lütisbrug. (Bild: Urs Bucher)

Imelda Stadler, Gemeindepräsidentin Lütisbrug. (Bild: Urs Bucher)

Des Weiteren steht die Schule Lütisburg wohl vor strukturellen Veränderungen. Der Gemeinderat hält in seinen Legislaturzielen die Bildung einer Einheitsgemeinde per 1. Januar 2021 fest. Dieser Prozess muss durch den Schulrat oder durch die Schulbürgerschaft via Antrag ausgelöst werden. Daher sagt Gemeindepräsidentin Imelda Stadler wenig überraschend: «Für mich ist es wichtig, dass sich die neue Person klar zu einer Einheitsgemeinde bekennt. Diese bringt Lütisburg nur Vorteile, weil wir damit Ressourcen bündeln, die Koordination optimieren und auch Geld sparen können.» Ausserdem wünsche sie sich, dass die neue Person Erfahrung im Schulbereich mitbringe.

Im Falle einer Wahl Werner Scherrers würde eine Vakanz im Gemeinderat entstehen. Dazu sagt Imelda Stadler: «Das ist Demokratie. Es kann jeder gewählt werden. Sollte es Werner Scherrer sein, tritt ein erneuter demokratischer Prozess ein, mit dem wir ihn ersetzen würden.» Zur wilden Kandidatur von Marianne Burger Studer meint sie:

«Ich war überrascht, aber auch das ist demokratisch legitim. Für etwas gibt es schliesslich die leere Linie auf dem Zettel.»

FDP Lütisburg fand keinen Kandidaten

Thomas Felber, Vize-Präsident FDP-Lütisburg. (Bild: PD)

Thomas Felber, Vize-Präsident FDP-Lütisburg. (Bild: PD)

Die FDP Lütisburg bekämpfte das Projekt PSL 2020plus an vorderster Front. Sie schaffte es jedoch nicht, einen Kandidaten für die Nachfolge Josef Rütsches zu nominieren, der die Interessen der Ortspartei direkt in künftige Projekte einfliessen lässt. Man habe zwar im Gemeindeblatt inseriert, aktiv gesucht und auch konkrete Gespräche geführt, sagt Thomas Felber, Vizepräsident der FDP Lütisburg. «Die Gespräche haben aber aus verschiedenen Gründen nicht zu einer Kandidatur geführt», sagt Felber.

Allerdings zeigt sich die FDP erfreut über die wilde Kandidatur von Marianne Burger Studer:

«Sie bringt einen riesigen Rucksack aus dem Schulbereich mit, erfüllt das Anforderungsprofil und ist eine frische Person, mit der ein Neuanfang für die Schule Lütisburg möglich ist.»

Die Partei habe Marianne Burger Studer persönlich kennen gelernt und ihre Ansichten entsprächen jenen der FDP Lütisburg. «Daher werden wir sie unterstützen», hält Felber fest.

Andreas Solenthaler, Präsident Turnverein Lütisburg. (Bild: Timon Kobelt)

Andreas Solenthaler, Präsident Turnverein Lütisburg. (Bild: Timon Kobelt)

Ein bisschen anders klingt es beim Turnverein Lütisburg (TVL), der sich am aktivsten für eine neue Turnhalle einsetzt. «Wir betreiben keinen aktiven Wahlkampf mit Aufrufen und Plakaten», stellt TVL-Präsident Andreas Solenthaler klar, «aber wir begrüssen die Kandidatur von Werner Scherrer sehr. Da er den TVL auch schon präsidiert hat, wissen wir um seine Qualitäten.»

Lesen Sie die Hintergründe zu PSL 2020plus