Ersatzneubau
«Was die HSG für St.Gallen ist, ist für Wattwil der neue Campus»: So soll der Neubau der Kanti Wattwil aussehen

Eine Holzkonstruktion mit grosszügigem Aufenthaltsraum und eine Brücke, die zur Berufsfachschule führt. Ab 2023 sollen die Bagger für den Neubau der Kanti Wattwil auffahren.

Janina Gehrig
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Kantonsbaumeister Michael Fischer, Regierungsrätin Susanne Hartmann, Regierungsrat Stefan Kölliker und Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner beugen sich über das Modell.

Kantonsbaumeister Michael Fischer, Regierungsrätin Susanne Hartmann, Regierungsrat Stefan Kölliker und Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner beugen sich über das Modell.

Michel Canonica

Schon in den 1980er-Jahren, als sie dort die Schulbank drückte, habe der Wind durch die Ritzen gezogen. Dass das Regenwasser an mehreren Orten ins Gebäude eindringt und mit einem grünen Kübel aufgefangen wird, ist seit Jahren bekannt. «Das ist für unsere Schülerinnen und Schüler nicht mehr erträglich», sagte die St.Galler Regierungsrätin Susanne Hartmann. Umso erfreulicher der Anlass, zu dem Hartmann zusammen mit Bildungschef Stefan Kölliker, Kantonsbaumeister Michael Fischer und dem Wattwiler Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner geladen hatte: Zur Medienorientierung über das Neubauprojekt der Kantonsschule Wattwil.

Auf dem Rietstein-Areal – dem heutigen Sportplatz – entsteht ab 2023 ein dreigeschossiger Neubau für 720 Kantischüler. Zum Campus gehören auch die Gebäude des Berufs- und Weiterbildungszentrums Toggenburg (BWZT), die unmittelbar an das Areal grenzen. Diese sollen in der Folge saniert und erweitert werden. Teile der Infrastruktur wie Aula, Mensa und Aussensportplatz werden sich die beiden Schulen teilen.

Die neue Kantonsschule Wattwil wird auf dem Rietstein-Areal – dem heutigen Sportplatz – gebaut.

Die neue Kantonsschule Wattwil wird auf dem Rietstein-Areal – dem heutigen Sportplatz – gebaut.

Visualisierung: PD

Atrium mit Blick zum Himmel

52 Planerteams hatten am Architekturwettbewerb teilgenommen und im vergangenen September ihre Projekte eingereicht. «Wir haben uns für eine Überarbeitung entschieden», sagte Kantonsbaumeister Michael Fischer. Was dabei herausgekommen sei, freue ihn ausserordentlich. «Statt eines Korridors mit links und rechts angeordneten Klassenzimmern soll ein Raum entstehen, über mehrere Geschosse und mit Blick zum Himmel», sagte Fischer. So sieht das Projekt Céleste des Architekturbüros Gunz und Künzle aus Zürich eine Holzkonstruktion mit grosser Aufenthaltszone vor, durch die das Tageslicht fällt. Geplant ist auch ein gedeckter Pausenplatz, der die Schüler mit Blick zur Thur hin begrüssen soll und offen gestaltete Stockwerke, die den Austausch über alle Geschosse ermöglichten.

Die Stockwerke sollen offen gestaltet werden.

Die Stockwerke sollen offen gestaltet werden.

Visualisierung: PD

Es sei erstmalig auf Sekundarstufe II, dass ein solcher Campus realisiert werde, sagte Regierungsrat Stefan Kölliker. Gerade im Coronajahr sei bewusst geworden, welchen integrativen, sozialen Auftrag die Schulen erfüllten. «Céleste erfüllt jegliche Anforderungen und Wünsche, die wir ans Gebäude gestellt hatten.» So sei ein moderner, offener Schulstil möglich sowie die Freiraumgestaltung ausserhalb der Unterrichtszimmer. Auch hoffe man, dass die Durchmischung der Kantischüler und der Lernenden der Berufsfachschule eine neue Kultur entstehen lasse.

Sobald der Neubau bezogen ist, ziehen die Berufsschüler vorübergehend ins alte Kanti-Gebäude; so können Kosten für Provisorien gespart werden. Danach wird das Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg erweitert und saniert. 2028 sollen auch diese Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Gemeinde baut Turnhalle, Aussensportanlage und verlegt den Bach

Neben den kantonalen Bauprojekten baut die Gemeinde zudem für über 20 Millionen Franken eine Dreifachturnhalle und eine Aussensportanlage im Rietwis, die ebenfalls durch Kanti und Berufsfachschule genutzt werden. Auch wird der Hofstattbach verlegt. Eine Fussgängerbrücke soll die beiden Schulen verbinden. «Was die HSG für St.Gallen ist, ist für Wattwil der neue Campus», sagte Wattwils Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner. Das neue Gebäude steigere die Attraktivität der Schule, die vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern und Musik einen guten Ruf habe. «Das ist für den Bildungsstandort Toggenburg von elementarer Bedeutung». Die Berufsfachschule sei insbesondere für den Bereich Holzbau und Elektro bekannt.

Der Campus aus der Vogelperspektive.

Der Campus aus der Vogelperspektive.

Visualisierung: PD

Stimmvolk sagte 2019 Ja zum neuen Campus

Im über 45-jährigen Gebäude der Kanti Wattwil herrschte chronischer Platzmangel. Auch ist es sanierungsbedürftig. Bereits 2015 sprach sich die St.Galler Regierung für einen Neubau aus. Dennoch verzögerte sich die Planung über viele Jahre. So führte der Kantistandort immer wieder zu Diskussionen im Kantonsrat. Weil ein grosser Teil der Schülerinnen und Schüler aus dem Linthgebiet und nicht aus dem Toggenburg stammen, forderten Politiker aus der Region Linth-Zürichsee einen eigenen Schulstandort. Dem hielt Bildungschef Kölliker entgegen, die Schülerzahl sei zu gering für eine Aufteilung auf zwei Standorte.

Das St.Galler Stimmvolk hiess den Kredit für den «Campus Wattwil» schliesslich 2019 gut. Der Neubau kostet 73,5 Millionen Franken. Die Sanierung und Erweiterung der Berufsschule soll etwa 34,5 Millionen Franken kosten. Was mit dem alten Kanti-Gebäude passiert, ist noch offen.

Modellfoto «CÉLESTE».

Modellfoto «CÉLESTE».

Bild: PD

Projektvorstellungen in St.Gallen und Wattwil

Interessierte können die 52 Projekte mit Modellen und Plänen im dritten Stock in der Hauptpost in St.Gallen einsehen (Eingang Gutenbergstrasse). Die Ausstellung dauert vom 10. bis 21. Juni. Die Ausstellung ist von Montag bis Freitag, 16 bis 19 Uhr, und samstags, 10 bis 15 Uhr, geöffnet. Aufgrund der aktuellen Lage kann sich im Ausstellungssaal nur eine begrenzte Anzahl Personen aufhalten. Zu einem späteren Zeitpunkt ist eine zusätzliche Ausstellung in Wattwil geplant.

Am 17. Juni 2021, 19 Uhr, stellen der Kanton und die Gemeinde Wattwil das Siegerprojekt der Bevölkerung an einem virtuellen Informationsanlass vor. Weitere Informationen zum Anlass und die Zugangsdaten für die Liveübertragung sind auf der kantonalen Website aufgeschaltet.