Erfolg dank Eigengewächsen – FC St.Gallen präsentiert der Toggenburger Wirtschaft seine Nachwuchsabteilung

Der FC St.Gallen tritt in dieser Saison mit einem jungen Team an. Und das erfolgreich. Mehrere Spieler stammen aus dem eigenen Nachwuchsprojekt, das der Verein in Ebnat-Kappel vorstellte.

Ruben Schönenberger
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Widerstandsfähig in den Stürmen des Fussballs: Ein grün-weisser Leuchtturm als Sinnbild für den FC St.Gallen. Präsident Matthias Hüppi stellte in Ebnat-Kappel das Nachwuchsprojekt vor. (Bild: Ruben Schönenberger)

Widerstandsfähig in den Stürmen des Fussballs: Ein grün-weisser Leuchtturm als Sinnbild für den FC St.Gallen. Präsident Matthias Hüppi stellte in Ebnat-Kappel das Nachwuchsprojekt vor. (Bild: Ruben Schönenberger)

«Berchtoldstag 1977, Weltcup am Girlen-Hang, 30'000 Zuschauer.» Es war kein Rückfall in jene Zeiten als Matthias Hüppi noch Skirennen im Schweizer Fernsehen kommentierte. Der jetzige Präsident des FC St.Gallen war damals einer der Zuschauer und wählte diese Episode am Mittwoch als Einstieg beim Anlass «Toggenburger Wirtschaft trifft FCO». Die Arbeitgeber der Region wollten sich in Ebnat-Kappel aus erster Hand über das Nachwuchsprojekt Future Champs Ostschweiz informieren lassen.

Es gibt derzeit unangenehmere Aufgaben, als den FC St.Gallen bei solchen Anlässen zu vertreten. Die Espen reiten – trotz knapper Niederlage beim Meister YB am vergangenen Sonntag – auf einer Erfolgswelle. Matthias Hüppi konnte am Mittwochmorgen entsprechend mit breiter Brust vor die Arbeitgeber treten, die sich bei der Morga AG versammelt hatten.

Ivo Forster, CEO FC St.Gallen 1879. (Bild: Ruben Schönenberger)

Ivo Forster, CEO FC St.Gallen 1879. (Bild: Ruben Schönenberger)

Zusammen mit CEO Ivo Forster und Manuela Hartmann, Leiterin Sponsoring, stellte der FCSG-Präsident dort das Nachwuchsprojekt vor. Dass die Espen derzeit auf Platz 3 stehen, verdanken sie nicht zuletzt auch Spielern, die aus ebendiesem Nachwuchs hervorgegangen sind. Sowohl Captain Silvan Hefti als auch der Wattwiler Leonidas Stergiou haben sich dort bewährt und es bis ganz nach oben geschafft.

Ausbildung eigener Spieler als Teil der Philosophie

«Auch wir müssen unsere Fachkräfte selber ausbilden», sagte Hüppi bezugnehmend auf ein eingangs von Ruedi Lieberherr bei der Vorstellung der Morga gemachtes Zitat. Die Ausbildung eigener Spieler gehöre fest zur Philosophie, die man seit der Übernahme der Clubleitung durch den aktuellen Verwaltungsrat vor rund zwei Jahren leben wolle. Als Sinnbild dafür zeigte Hüppi einen Leuchtturm, den er an der französischen Atlantikküste entdeckt habe. «Er ist grün-weiss, hat aber ein paar Flecken.» Diese wolle man nicht einfach übermalen, sondern von innen her zum Glänzen bringen. «Der Leuchtturm symbolisiert Widerstandsfähigkeit, steht aber auch für eine Orientierungshilfe.» Schliesslich sei auch der Fussball permanent Stürmen ausgesetzt.

In diesen Sturm wollen sich jedes Jahr etliche junge Fussballerinnen und Fussballer wagen. Rund 800 Jugendliche – davon etwa 100 weibliche – bewegen sich gleichzeitig in den Strukturen von FCO. Sie alle haben Sichtungstrainings an zehn Stützpunkten absolviert und die Verantwortlichen überzeugt. Der Weg beginnt dann jedoch erst. Bis zum Ende und damit ins Kader der ersten Mannschaft des FC St.Gallen schaffen es pro Jahr gerade mal zwei bis drei Spieler.

Auch mal eine zweite Chance geben

Nicht alle müssten es auf Anhieb schaffen, man wolle den Spielern auch zweite Chance geben. Dass das Sinn machen kann, zeigt auch – und da kam der Ski-Bezug wieder hervor – Cedric Noger vom Skiclub Speer Ebnat-Kappel. Dem Skirennfahrer traute kaum noch jemand den Durchbruch zu, nun startet er im Weltcup. Und tut das gleich noch mit der abgebildeten Tribüne des Espenmoos, des ehemaligen Stadions des FC St.Gallen, auf dem Helm. 

Doch auch bei allen, die es auch beim zweiten Anlauf nicht klappt, sei die Ausbildung nicht umsonst. Nicht zuletzt die Heimatvereine profitierten, wenn die Spieler wieder zurück wechselten.

Eine Verletzung kann den Traum beenden

Er musste den Traum begraben: Manuel Jennis Knie verhinderte eine Profikarriere. (Bild: Ruben Schönenberger)

Er musste den Traum begraben: Manuel Jennis Knie verhinderte eine Profikarriere. (Bild: Ruben Schönenberger)

Wie es für die Junioren selber ist, darüber sprachen Roger Pfyl und Manuel Jenni. Während Pfyl aktuell in der U21 des FC St.Gallen spielt und auch in der Nachwuchsakademie wohnt, musste Jenni seine Karriere kurz vor dem Durchbruch beenden. Das Knie machte nicht mehr mit. Dafür gönne er sich nächstes Jahr eine unbezahlte Auszeit, um zu reisen, was als Profi kaum möglich gewesen wäre. Er holte nach dem abrupten Karriereende auch die BMS nach, die Ausbildung sei aber davor schon immer ein wichtiger Teil gewesen. Jenni besuchte erst die Sportschule in St.Gallen und danach die United School of Sports, während der er auch seine KV-Ausbildung beim Bildungsdepartement des Kantons St.Gallen absolvierte.

Zum Abschluss der Veranstaltung, die sicher auch zum Ziel hatte, die Toggenburger Unternehmer für ein Sponsoring zu begeistern, übergab Hüppi ein FCSG-Trikot an Ruedi Lieberherr. Oder wollte es. Denn dieser gab die Ehre gleich weiter an seinen Sohn. Sie hätten gerade gemerkt, dass dieser mit dem Nachwuchsspieler Pfyl im Militär war.

Roger Pfyl (links) spielt jetzt in der U21 und absolvierte das Militär gleichzeitig mit Curdin Lieberherr. Manuel Jenni (rechts) musste die Träume von der Profikarriere wegen Knieproblemen begraben. (Bild: Ruben Schönenberger)

Roger Pfyl (links) spielt jetzt in der U21 und absolvierte das Militär gleichzeitig mit Curdin Lieberherr. Manuel Jenni (rechts) musste die Träume von der Profikarriere wegen Knieproblemen begraben. (Bild: Ruben Schönenberger)