Erfinder der Nation: Stefan Heuss zeigt im Zeltainer seine absurden Ideen

Ein automatischer Kinderwagenrüttler oder ein Baumaschinenwellnessadapter – Stefan Heuss hat am Freitag im Zeltainer seine verrückten Erfindungen präsentiert. Patentieren lassen könnte er vor allem die selbstironische und witzige Art, wie er sie vorgeführt hat.

Mirjam Bächtold
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Damit man am Morgen keinen Stress hat: Der von Stefan Heuss entwickelte Speed Dresh zaubert automatisch die richtige Frisur.

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Bild: Mirjam Bächtold (Unterwasser, 14. August 2020)

Am Anfang ist das Problem. Jedoch nicht lange, denn Stefan Heuss sucht und findet für jedes Problem eine Lösung.

Das Baby brüllt im Kinderwagen, doch die Mutter hat keine Hand frei, um diesen hin und her zu schieben? Kein Problem: Stefan Heuss hat den automatischen Kinderwagenrüttler mit Audiosensor erfunden. Bauarbeiter sind oft verspannt und fühlen sich dadurch in ihren Bewegungen eingeschränkt? Auch das ist ein Klacks für den Erfinder der Nation: Dagegen hilft der Wellnessadapter für Baumaschinen, ein mit Naturlatex gefüllter Lederhandschuh, den man beispielsweise auf die Bohrmaschine montiert und sich so den Nacken massieren kann.

Stefan Heuss hat am Freitagabend im Zeltainer in Unterwasser in seiner Show «Die grössten Schweizer Patente» seine Lieblingserfindungen gezeigt. Die Lacher im Publikum waren ihm damit garantiert.

Mit bübischer Euphorie präsentiert

Die besorgten Eltern scheinen Stefan Heuss am Herzen zu liegen, hat er doch noch eine weitere Erfindung für sie parat: den Bratwurstniedergardampfer. Der Horror jedes Elternpaars ist nämlich die Vorstellung, ihr Kind esse im Waldkindergarten entweder eine verkohlte Wurst, weil es sie mitten in die Flammen gehalten hat, oder eine rohe Wurst, weil es über dem Plappern das Bräteln vergessen hat. Mit dem Heuss’schen Bratwurstniedergardampfer kann das nicht mehr passieren.

Die Kinder schieben die Wurst in ein Metallrohr und schrauben den Deckel darauf. Dann kommt das Rohr ins Feuer und nach 40 Minuten kann der Kindergärtler mit der Wurstkralle das glühend heisse Rohr aus dem Feuer holen und sie am Baumstumpf, der zur Bratwurstverarbeitungszentrale umfunktioniert wurde, in einer schraubstockähnlichen Vorrichtung befestigen. Mit einem Handschuh wird der Deckel abgeschraubt und die durch die Hitze ausgedehnte Wurst, die nun klemmt, mit dem dazugehörigen Set aus dem Rohr gepumpt.

Auch die Art von Stefan Heuss bringt das Publikum zum Lachen

Stefan Heuss’ Erfindungen sind durch ihre Absurdität lustig. Doch nicht allein das bringt die Leute zum Lachen. Es ist die Art, wie Heuss seine Problemlösungsmaschinen präsentiert. Er ist nicht der marktschreierische Verkäufer und auch kein freakiger Erfinder. Seine Figur ist der etwas biedere Familienvater, der unter dem karierten Hemd einen Bauchansatz zeigt und mit bübischer Euphorie über seine Kreationen diese dem Publikum vorführt. Durch den seriösen Ernst, den er an den Tag legt, wirken die absurden Erfindungen mit den umständlichen Lösungswegen umso lustiger.

Bitte Abstand halten: Der Indi-Vidi-Spacekeeper sorgt mittels Pressluft aus dem Feuerlöscher dafür, dass der Corona-Sicherheitsabstand eingehalten wird.

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Bild: Mirjam Bächtold (Unterwasser, 14. August 2020)

Sein Programm hat auch satirische Aspekte. In der Nummer mit dem Kinderwagen mit automatischem Rüttler erhöht Heuss beispielsweise den Wahn der Eltern ins Absurde, immer die modernsten Gadgets zu wollen für einen einfachen Gebrauchsgegenstand, dem der Sprössling sowieso in wenigen Jahren entwachsen sein wird. Die Satire schimmert dezent im Hintergrund durch, sie ist nicht offensichtlich und nicht der erste Zweck von Heuss’ kreativen Erfindungen.

Erfindungen, die die Welt braucht

Am Freitagabend wurde Stefan Heuss vom Musiker Dide Marburg begleitet, den er als «Innovationsorchester» bezeichnet, was keine Übertreibung ist. Der vielseitige Musiker hat sein Talent nicht nur an der E-Gitarre, sondern auch an der Drehleier und mit dem Dudelsack gezeigt.

Stefan Heuss wäre nicht der Erfinder der Nation, hätte er nicht auch für die musikalischen Einlagen kreative Instrumente entwickelt. Einem Sägeblatt einer Laubsäge eine Melodie zu entlocken, ist eine Meisterleistung. Sein Highlight kennt man vielleicht noch aus seiner Zeit bei «stahlbergerheuss»: den Presskanister. Daran befestigt ist ein Metallröhrchen mit Löchern. Den Presskanister klemmt Heuss sich unter den Arm und pumpt so Luft hinein, was die Flöte zum Klingen bringt. Darauf spielt er «Smoke on the Water» genauso wie «Ich ghöre es Glöggli». Nach diesem Abend wird niemand mehr sagen, Heuss’ Erfindungen braucht die Welt nicht. Denn Lachen muss jeder mal.