«Ich habe immer gesagt, ich wäre gerne Präsident in einer Gemeinde, wo mich niemand kennt»: Weshalb Jon Fadri Huder vom Samedaner Gemeindepräsidium auf den Chefsessel in Ebnat-Kappel wechseln will

Jon Fadri Huder ist derzeit Gemeindepräsident von Samedan und ist für die Nachfolge von Christian Spoerlé im Herbst vorgeschlagen.

Sabine Camedda
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Jon Fadri Huder soll nach dem Willen der Findungskommission der nächste  Gemeindepräsident von Ebnat-Kappel werden.

Jon Fadri Huder soll nach dem Willen der Findungskommission der nächste  Gemeindepräsident von Ebnat-Kappel werden.

(Bild: PD)

Auf den ersten Blick haben Samedan und Ebnat-Kappel wenig gemeinsam. Erstere Gemeinde gehört zum Oberengadin, zählt 3000 Einwohner, hat zwei offizielle Amtssprachen, einen Flugplatz und lebt vom Tourismus. Letztere liegt im Toggenburg, die Einwohnerzahl pendelt um die 5000, hat einen Skilift, eine Badi und viele KMU.

Primarlehrer und Betriebsökonom

Doch seit wenigen Tagen gibt es eine Verbindung zwischen den beiden Gemeinden: Der 54-jährige Jon Fadri Huder. Der Gemeindepräsident von Samedan verzichtet im Herbst nach acht Jahren auf seine Wiederwahl, denn er ist Kandidat für das Gemeindepräsidium von Ebnat-Kappel.

«Ich bin jetzt im richtigen Alter, um noch einmal etwas Neues anzufangen»     

Nach einer Ausbildung zum Primarlehrer und einem Studium als Betriebsökonom an der HWV Chur mit Fachrichtung Marketing/Tourismus und Personalwesen, fasste der gebürtige Samedner Fuss in der Tourismusbranche. Danach wechselte er ins Versicherungswesen.

Vor acht Jahren wurde Jon Fadri Huder zum Gemeindepräsidenten von Samedan gewählt – als Quereinsteiger, wie er selber sagt. Denn das Mitglied der FDP bekleidete zuvor kein politisches Amt.

Bisher im 50-Prozent-Pensum tätig

Der Entscheid für den Wechsel ist gut durchdacht Es reize ihn, nach acht Jahren in einem 50-Prozent-Pensum nun vollamtlich eine Gemeinde zu führen, Entscheidungen zu treffen, Ideen umzusetzen.

«Ich habe immer gesagt, ich wäre gerne Präsident in einer Gemeinde, wo mich niemand kennt»

Ebnat-Kappel ist eine solche Gemeinde, zumindest fast. Denn ein Freund Huders lebt dort und hat ihn auf die Stellenausschreibung der überparteilichen Findungskommission aufmerksam gemacht.

«Ich reiste nach Ebnat-Kappel, trank dort einen Kaffee und dann war für mich klar, dass dies eine Gemeinde für mich wäre»

Doch so einfach machte er sich den Entscheid letztlich dann doch nicht. «Ich habe mir das gut überlegt», sagt er. Dass seine Frau aus Rapperswil stammt und seine beiden erwachsenen Kinder im Mittelland arbeiten und zur Schule gehen werden, hat das Seine dazu beigetragen.

Aber er musste sich entscheiden, sein politisches Amt und seine Stelle aufzugeben. Dies im Wissen, dass er vielleicht nicht gewählt werde, sagt er. Dass er nach einem persönlichen Gespräch von der Findungskommission einstimmig zur Wahl empfohlen wird, freut ihn darum umso mehr.

Ein offenes Ohr für die Bevölkerung haben

Jon Fadri Huder glaubt, dass Ebnat-Kappel ähnlich zu führen ist wie Samedan.

«Die organisatorischen Aufgaben funktionieren gleich. Die Strategie muss ich mit dem Gemeinderat ausarbeiten und die muss auf die Bedürfnisse der Bevölkerung abgestimmt sein.»

Die wichtigste Gabe eines Gemeindepräsidenten sei, zuhören zu können. «Letztlich muss ich die Wünsche der Bevölkerung aufnehmen und umsetzen», bringt er sein Amtsverständnis auf den Punkt.

Sparprogramm durchgezogen

In Samedan musste er aber erfahren, dass das nicht immer wunschgemäss läuft.

«Ich bin mit viel Tatendrang in mein Amt gestartet. Doch zuerst mussten der Gemeindevorstand und ich die Finanzen sanieren»

Nach einem strikten Sparprogramm sei die Verschuldung jetzt wieder in einem vernünftigen Rahmen.  

Zeit nutzen, um die Gemeinde kennenzulernen

Über Ziele, die er in Ebnat-Kappel angehen möchte, hat sich Jon Fadri Huder noch wenige Gedanken gemacht. Er will die Zeit bis zu den Wahlen nutzen, um die Gemeinde, ihre Bevölkerung, ihre Besonderheiten und ihre Herausforderungen kennen zu lernen.

Dass ihm das gelingt, daran hat er keine Zweifel. «Ich bin vom Naturell her ein offener Mensch, kann begeistern und motivieren», sagt er in Engadiner Dialekt. Auf die leichte Schulter nimmt er seine neue Aufgabe aber nicht.

«Als Gemeindepräsident trage ich viel Verantwortung und bin exponiert. Das Amt lässt mir viele organisatorische Freiheiten, das ist es, was mich daran so fasziniert»
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