Er kann kaum noch beschwerdefrei gehen, trotzdem ist der Toggenburger Schwinger Nöldi Forrer am Eidgenössischen dabei

Das achte Eidgenössische Schwingfest wird für Arnold «Nöldi» Forrer das letzte sein. Ob er sich in Zug verabschieden wird, lässt er offen.

Urs Huwyler
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Arnold Forrer am Thurgauer «Kantonalen» 2016 in Märwil holte Nöldi Forrer im letzten Gang den Kranzrekord. (Bild: Andrea Stalder)

Arnold Forrer am Thurgauer «Kantonalen» 2016 in Märwil holte Nöldi Forrer im letzten Gang den Kranzrekord. (Bild: Andrea Stalder)

Nöldi Forrer wollte den Bettel schon hinschmeissen. Nach dem Auftritt beim Bergfest auf dem Weissenstein mit Startniederlagen gegen zwei «Buebe», der verletzungsbedingten Aufgabe nach dem dritten Gang, den anschliessenden Ferien und dem ersten, wieder mit Schmerzen verbundenen Arbeitstag wollte der Käsermeister auf die Schwägalp und das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Zug verzichten.

«Freude und Motivation waren weg. Auf dem Weissenstein war ich wegen der dauernden Hüftprobleme im Kopf blockiert, konnte auf keinen Zug reagieren. Eine Verbesserung zeichnete sich nach den erholsamen Ferien nicht ab», musste sich der Routinier eingestehen.

Sechs Gänge überstehen, um einen Kranz zu holen

Physiotherapie, Trainingseinheiten auf dem Rad, Gespräche und die medizinische Behandlung der Problemhüfte brachten die Zuversicht zurück. Für die Schwägalp reichte der Aufbau noch nicht, aber in Zug wird Nöldi I. dabei sein.

«Dass ich nicht Schwingerkönig werde, unterschreibe ich. Das Ziel ist klar: ‹Sieg oder Sarg›. Sechs Gänge überstehen, dann ist im siebten und achten Gang der Kranz möglich. Würde ich nicht daran glauben, könnte ich zu Hause bleiben.»

Viele Beobachter, das Heer der Experten und (Co-)Kommentatoren trauen dem «alten Mann» keinen Exploit mehr zu. Viel eher mutmassen sie, wann Nöldi Forrer zurücktritt. «Wieso tut er sich das noch an?» lautet(e) die Frage, nachdem er einzig am Schaffhauser (6. Rang) und am St.Galler Kantonalen (5. Rang) unter den Bekränzten aufschien.

Resultat in Zug beeinflusst den Karriereverlauf

Was am 24./25. August abgeht, wird die Zukunft des kommunikativsten Königs beeinflussen. «Ich lasse mir für den Entscheid Zeit. In Zug werde ich nicht meinen Rücktritt erklären. Sollte es ein schlechtes Fest werden, versuche ich, mich im Winter nochmals in Form zu bringen. Vielleicht habe ich in Zug meinen letzten Kampf absolviert, vielleicht nicht.»

Die Tendenz: Nöldi Forrer wird 2020 auf seiner Abschiedstour an ausgewählten Schwingfesten teilnehmen. Der Traum: Rücktritt auf der Schwägalp mit 150 Kränzen in der Tasche. Aktuell sind es 147.

Die Negativspirale dreht sich seit November 2017. Damals musste er sich nach einem verpatzten Jahr mit nur drei Kränzen einer Hüftoperation unterziehen. Davon hat er sich nie erholt. Also ist die Operation nicht optimal verlaufen. Nöldi Forrer ist nachdenklich: «Ich habe mich wohl lange geschont, zu wenig gefordert. In meinem Alter war die Pause von zwei Jahren wohl zu lang.» Fakt ist: Er kann kaum beschwerdefrei gehen – und schon gar nicht trainieren. Zudem gäbe es bessere Tätigkeiten als zu käsen.

«Wäre ich in einem Grossbetrieb angestellt, sähe es anders aus. Als Selbstständiger gibt es keine geregelten Arbeitszeiten.»

Sieger-Muni: Von 7500 auf 30'000 Franken

Trotzdem denkt der Senn, der von bisher 56 Gängen an Eidgenössischen Schwing- und Älplerfesten nur deren sechs verloren hat und der 2004 und 2007 echte Chancen auf einen zweiten Titel besessen hatte, nicht an den sofortigen Rücktritt. «Keine Schmerzen verspüre ich beim Velofahren oder bei sonstigen Übungen. Wenn ich sowieso trainieren muss, kann ich auch weiter schwingen», lautet die forrer’sche Erklärung für sein nach wie vor loderndes «Hoselupf»-Feuer.

Dies, obwohl sich der Nationalsport während der letzten beiden Jahrzehnte geändert hat. «Sagen wir es so», erläutert das Mitglied des Schwingklub Wattwil, «2001 brachte der Sieger-Muni 7500 Franken ein, heute ist es das Vierfache. Die heile Schwingerwelt gibt es höchstens noch, wenn in der Arena geschwungen, gejodelt und Alphorn geblasen wird. Sonst ist davon wenig übrig geblieben. Die ‹Eidgenössischen› werden immer grösser, aber die Schwingklubs erhalten weniger Billette und viele langjährige Schwingerfans müssen zu Hause bleiben. So extrem wie dieses Jahr war der Run auf die Tickets es noch nie.»

Normalerweise läuft Nöldi Forrer bei besonderen Herausforderungen zur Hochform auf. «Sofern das Selbstvertrauen stimmt, die Sicherheit zurückkehrt und ich die Schmerzen im Griff habe», lassen sich leichte Zweifel am «Unternehmen Zug» heraushören. Doch dann folgt, typisch für den sechsfachen Eidgenossen, die Kampfansage: «Mehr als drei Gänge verliere ich nicht.» Acht Schwinger sicherten sich 2016 den Kranz mit drei Niederlagen.