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Entschleunigende Zeitreise: Mit dem Töffli durchs Toggenburg

Zwischenzeitlich gerieten sie fast in Vergessenheit, doch Töffli erfahren gerade eine Art Renaissance. Das Treffen der Töfflibuebe Toggenburg beim Zweiradcenter Toggenburg in Lütisburg zeugt davon.
Rolf Lüthi
Die grosse Freiheit: Mit dem Töffli die Welt oder zumindest das Toggenburg erkunden. (Bild: Rolf Lüthi)

Die grosse Freiheit: Mit dem Töffli die Welt oder zumindest das Toggenburg erkunden. (Bild: Rolf Lüthi)

Es war nicht anders zu erwarten. Als ich den Zweitaktmotor per Pedalschwung startete, um fürs «Toggenburger Tagblatt» vom Töfflitreffen zu berichten, da wusste ich: Ohne Abenteuer würde dieser Tag nicht zu Ende gehen, zumal ich die 55 Kilometer lange Ausfahrt über Nebenstrassen selbst mitmachen wollte.

Der Reporter auf dem Puch Maxi, zur Verfügung gestellt von Marcel und Randy Büchler. (Bild: Rolf Lüthi)

Der Reporter auf dem Puch Maxi, zur Verfügung gestellt von Marcel und Randy Büchler. (Bild: Rolf Lüthi)

In einer Steigung läuft mein Töffli plötzlich immer besser. Als Töfflibueb kennt man die Lebensäusserungen eines Zweitaktmotors: Das Benzin geht zur Neige, ich stelle den Benzinhahn auf Reserve. Weit komme ich nicht mehr. Schon wenige Kilometer weiter, in der Steigung von Bächli kommend hoch nach Hemberg, zieht der Zweitakter noch einmal kraftvoll an und stirbt dann ab. Der Tank ist leer.

Neues Benzin dank Sägerei

Schon rauschen zwei Mofas vorbei, der hintere hat auf seinem Gepäckträger einen Benzinkanister festgeschnallt. Das wäre er gewesen, mein Retter, doch ich habe die Chance verpasst und er entschwindet mit bläulich rauchendem Auspuff bergan. Ich rolle zurück ins Tal. Bei der Brücke über den Necker befindet sich eine Sägerei. Da gibt es doch sicher eine Motorsäge und demzufolge Zweitakt-Benzin? Ich klingle, und Firmenchef Fritz Forrer füllt an seinem freien Samstagnachmittag Motorsägenbenzin in den Tank des Puch Maxi.

Der Puch Maxi ist nicht meiner. Marcel Büchler hat über Jahrzehnte die wahrscheinlich grösste Töfflisammlung der Welt aufgebaut, Sohn Randy teilt seine Leidenschaft. Sie stellten mir freundlicherweise ein Mofa zur Verfügung. Damit nahm ich am Treffen und der Ausfahrt der Töfflibuebe Toggenburg teil. Das sind zehn Jungs in Edelweiss-Clubhemden, die der Töfflileidenschaft frönen und die bravourös die organisatorischen Herausforderungen dieses Treffens meisterten, an dem 180 Töfflimeitli und –buebe teilnahmen.

Töffli an Töffli: 180 Zweitakter nahmen die 55 Kilomter unter die Räder. (Bild: Rolf Lüthi)

Töffli an Töffli: 180 Zweitakter nahmen die 55 Kilomter unter die Räder. (Bild: Rolf Lüthi)

Toggenburg als Hochburg der Töffli-Renaissance

Für alle, die sie voll auskosten, sind die Jahre als Töfflibueb oder -meitli prägend fürs ganze Leben. In den 90er Jahren gerieten die Töffli beinahe in Vergessenheit, doch nun erlebt das anachronistische Vehikel eine Renaissance. Und das Toggenburg ist eine Hochburg dieser Bewegung. Es geht um das Gefühl von Freiheit und Abenteuer, um Entschleunigung durch übersichtliche Mechanik, die man selber reparieren kann und muss. Es entstand eine wachsende Kultszene, der mehrere Generationen angehören. Ältere Semester fühlen sich im Sattel ihrer Töffli wieder wie Teenager, Jugendliche erleben ein authentisches, leicht rebellisches Lebensgefühl.

Ganz günstig ist das allerdings nicht zu haben. «Für ein schönes, gebrauchtes Töffli muss man schon mit 2500 Franken rechnen», sagt der Mühlrütner Dominic Lenherr, Kassier der Töfflibuebe Toggenburg. «Für seltene Modelle wie Puch Sport oder Zündapp Belmondo in gutem Zustand bis 6000 Franken.» Auf meine Antwort, ich sei damals Belmondo gefahren, in blau, will Lenherr sofort wissen, wo das Töffli abgeblieben ist. Ich gab es meinem Bruder. Wo es heute ist, weiss ich nicht. Da habe ich eine Chance zur Kapitalvermehrung verpasst. Egal, reich an abenteuerlichen Erfahrungen bin ich trotzdem geworden, und seinen Anfang nahm alles mit den ersten Kilometern auf dem selbst ersparten Töffli.

Vergaserprobleme an einem Zündapp Belmondo: Die meisten Töffli sind mehrere Jahrzehnte alt. (Bild: Rolf Lüthi)

Vergaserprobleme an einem Zündapp Belmondo: Die meisten Töffli sind mehrere Jahrzehnte alt. (Bild: Rolf Lüthi)

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