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Entlastung statt Überforderung

Das Angebot des Entlastungsdienstes Toggenburg/Neckertal ist je länger je mehr bei Seniorinnen und Senioren gefragt. Für betreuende Angehörige ist es wichtig, sich regelmässig eine Pause zu gönnen.
Cecilia Hess-Lombriser

Regula Bürge aus Mühlrüti vermittelt die Einsätze des Entlastungsdienstes Toggenburg/Neckertal von 17 Frauen und einem Mann im mittleren und oberen Toggenburg. Seit fünf Jahren übt sie diese Aufgabe aus. Vorher war sie neun Jahre Betreuerin, und wenn es nötig ist, übernimmt sie auch heute noch einen Einsatz. Beim Besuch hat sie eine Frau mit einer Beeinträchtigung in den Ferien. Während des Gesprächs malt diese am Tisch Kreise und Linien auf einen Block und fragt ab und zu, ob sie am Nachmittag ins Restaurant gingen. «Wir lassen die Kühe auf die Weide und machen einen Spaziergang», erklärt Regula Bürge mehrmals ruhig und geduldig.

Die Familie Bürge bewirtschaften einen Hof, für den tagsüber die Bäuerin zuständig ist. Die Koordination der Einsätze für den Entlastungsdienst Toggenburg/Neckertal ist für sie eine ideale Ergänzung dazu.

Am besten regelmässig beanspruchen

Wenn Angehörige die Pflege ihrer Liebsten zu Hause übernehmen, sei es, weil diese eine Beeinträchtigung haben oder krank sind, können sie kräftemässig an ihre Grenzen stossen. Bei Beeinträchtigungen und Demenzkrankheiten kann die Betreuung unter Umständen Jahre dauern. «Das braucht enorm viel Energie und die Gefahr, aus dem sozialen Netz zu fallen ist gross», weiss Regula Bürge. Sie erfahre immer noch, dass Angehörige von Betreuungsbedürftigen zu lange warten, bis sie um Unterstützung bitten. «Gerade bei älteren Menschen braucht es die Überredungskünste der Kinder, bis sie anrufen, obwohl sie rund um die Uhr eingespannt sind.» Sie rät, den Dienst am besten regelmässig in Anspruch zu nehmen, um Auszeiten zu planen und diese für sich selber zu nutzen. Gemäss einer Umfrage im letzten Jahr seien die Klienten sehr dankbar und froh darüber, durchatmen zu können und zu sich selber zu kommen.

Grosses Lob gab es bei der Umfrage auch für die Betreuerinnen und den Betreuer. Es sind Menschen, die Menschen mögen, kommunikativ sind, über eine gute Gelassenheit und Distanz verfügen, einfühlsam sind und gut beobachten können. In einem Kurs sind sie auf ihre Aufgabe vorbereitet worden und regelmässig finden Austauschtreffen und Fachkurse statt.

Die Aufgaben bei den Klientinnen und Klienten selber sind vielfältig. «Wenn jemand anruft, besuche ich die Familie und kläre mit ihnen die Bedürfnisse ab, nehme die Atmosphäre wahr und überlege, welche Betreuerin geeignet sein könnte», erklärt Regula Bürge den Ablauf der Koordination. Die Betreuerinnen sind da, unterstützen beim Haushalten, Kochen und Einkaufen oder gehen spazieren. Ein wichtiger Teil sind die Gespräche. «Das schätzen vor allem die Seniorinnen und Senioren», betont Regula Bürge. Der Dienst in Familien mit Kindern, die beeinträchtigt sind, ist zurückgegangen, weil dieser via Assistenzbeitrag anders geregelt ist. Dafür hat die Gruppe der Senioren merklich zugenommen. Regula Bürge: «Die meisten Menschen möchten so lange wie möglich zu Hause bleiben.»

Auszeiten und Ferien ermöglichen

Der Entlastungsdienst Toggenburg/Neckertal ermöglicht auch Ferien. «Entweder bleibt eine Betreuerin ein paar Tage bei der Familie, damit die betreuende Person eine Auszeit nehmen kann oder wir nehmen die zu betreuende Person nach Hause», berichtet Regula Bürge. Dieses Angebot macht sie selber auch, wie im Fall von Heidi, die gerade in den Ferien ist. Die Schweizerische Alzheimervereinigung bietet diese Auszeit ebenfalls an und die regionalen Entlastungsdienste stellen das Personal dafür. Möglich sind auch Begleitungen in die Ferien. Weil der Entlastungsdienst Toggenburg/Neckertal Spendengelder von verschiedenen Seiten bekommt, können Rabatte gewährt werden. Die Betreuerinnen erhalten einen Lohn. Dieser wird vom Entlastungsdienst Ostschweiz ausbezahlt, der den Benützern auch die Rechnung ausstellt. Der regionale Verein macht viel Öffentlichkeitsarbeit, präsentiert sich an verschiedenen Anlässen und verkauft während der Weihnachtszeit Guetzli in Wattwil, Bütschwil und Nesslau. «Angehörige von Menschen mit besonderen Bedürfnissen sollen erfahren, dass es den Entlastungsdienst gibt. Und sie sollen auch wissen, dass sie es verdient haben, sich Auszeiten zu gönnen und die eigenen Batterien aufzuladen, und dass es gar nicht so viel kostet», betont Regula Bürge.

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