Unteres Toggenburg
Wasserknappheit und Unterbruch der Stromversorgung: So würden die Energielieferanten reagieren

Der Zweckverband Wasserversorgung Kirchberg-Bazenheid-Lütisburg (KiBaLü) macht sich Gedanken zur Versorgungssicherheit. René Rüttimann, Geschäftsleiter Regionalwerk Toggenburg (RWT) zeigte an der Delegiertenversammlung mögliche Lösungswege auf.

Beat Lanzendorfer
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Referent René Rüttimann, Geschäftsleiter Regionalwerk Toggenburg (RWT), und Christoph Häne, Verwaltungsratspräsident Wasserversorgung Kirchberg-Bazenheid-Lütisburg (KiBaLü) an der Delegiertenversammlung (von links).

Referent René Rüttimann, Geschäftsleiter Regionalwerk Toggenburg (RWT), und Christoph Häne, Verwaltungsratspräsident Wasserversorgung Kirchberg-Bazenheid-Lütisburg (KiBaLü) an der Delegiertenversammlung (von links).

Bild: Beat Lanzendorfer

Was passiert, wenn kein Wasser und kein Strom fliessen? Bei der aktuellen Weltlage macht es durchaus Sinn, die Versorgungssicherheit der Schweiz zu hinterfragen.

Auf diese und andere Fragen ging René Rüttimann, Geschäftsleiter des Regionalwerks Toggenburg (RWT), während der Delegiertenversammlung des Zweckverbandes Wasserversorgung Kirchberg-Bazenheid-Lütisburg (KiBaLü) am Donnerstagabend ein.

Trockenheit bereitet keine Sorgen

«Bei der Wasserversorgung muss man sich keine Sorgen machen», beruhigte Rüttimann die Delegierten zu Beginn seines Referats. Das Wasser, das aus dem Hahn komme, sei entweder Quellwasser oder Grundwasser. Eigentlich sei es dasselbe, aber Quellwasser sei jenes Wasser, das selbstständig an die Oberfläche gelange.

Der trockene März habe ihm keine Sorgenfalten bereitet. Rüttimann sagt: «Die Grundwasseranreicherung findet von Oktober bis März statt. Und sollte es tatsächlich einmal zu einer Wasserknappheit kommen, können sich die Wasserversorger untereinander austauschen.» So seien sie zum Beispiel mit der vorhandenen Infrastruktur in der Lage, Libinger Wasser nach Gähwil zu transportieren oder umgekehrt.

Er rede dann von einer Intensivtrockenheit, wenn sich die Wasserversorger untereinander nicht mehr aushelfen könnten. Dann müsste tatsächlich über Massnahmen geredet werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein solches Szenario eintrete, sei aber verschwindend klein.

Das Versorgungsgebiet der KiBaLü erstreckt sich von Kirchberg über Bazenheid (vorne) bis Lütisburg (hinten).

Das Versorgungsgebiet der KiBaLü erstreckt sich von Kirchberg über Bazenheid (vorne) bis Lütisburg (hinten).

Bild: Beat Lanzendorfer

Die jährlichen Investitionen würden zudem dazu beitragen, dass die Versorgungssicherheit beim Wasser noch zusätzlich erhöht werde. Die Aussage von Rüttimann kann auch anhand der Zahlen bestätigt werden. Mehr als neunzig Prozent des Wasserbedarfs des Zweckverbandes sind mit Quellwasser abgedeckt. Die sogenannte «Grundwasser-Reserve» wird nur beschränkt angezapft und würde bei einem erhöhten Bedarf über genügend Wasser verfügen.

Drei mögliche Szenarien beim Strom

Weniger optimistisch schätzt Rüttimann die Versorgungssicherheit beim Strom ein. Die letzten Wochen hätten die Abhängigkeit der Schweiz gegenüber dem Ausland offen zu Tage gebracht. Bei einer Stromnotlage werde definiert zwischen Stromunterbruch, Strommangellage und Blackout. Diese drei Begriffe gelte es zu unterscheiden.

Bei einem Unterbruch liege es am Stromversorger, diesen schnellstmöglich zu beheben. Bei Problemen würden sich die Versorger untereinander auch aushelfen. Ein Stromunterbruch sei in der Regel ein regionales Ereignis.

Anders präsentiert sich die Situation bei einer Strommangellage: Hier sind die Produzenten nicht mehr in der Lage, genug Energie, also Strom, zur Verfügung zu stellen. Eine Strommangellage tritt dann ein, wenn die ganze Schweiz zu wenig Energie hat.

Hier existiert mit der Organisation für Stromversorgung in ausserordentlichen Lagen (OSTRAL) ein Instrument, das auf Anweisung des Bundesrates bei einer Strommangellage aktiv wird. Mögliche Schritte zur Behebung der Notlage sind Stromeinschränkungen, eine Kontingentierung oder das zyklische Abschalten der Stromzufuhr.

Der schlimmstmögliche aller Fälle ist der sogenannte Blackout. Hierbei handelt es sich um den Zusammenbruch des gesamten europäischen Stromnetzes, an dem auch die Schweiz angeschlossen ist. Dazu sagt Rüttimann: «Wenn das zusammenbricht, dann hat die Fachwelt noch kein Szenario, wie mit einem Blackout umzugehen ist.»

Hier liege die Verantwortung gemäss Rüttimann dann bei jedem Einzelnen, denn dann gehe es ums Überleben. Panik sei keine angebracht, trotzdem sei es wichtig, sich dem Thema nicht zu verschliessen.

Mehr Reingewinn als budgetiert

Die von Verwaltungsratspräsident Christoph Häne präsentierte Jahresrechnung 2021 des Zweckverbandes schloss mit einem Ertrag von 1,148 Millionen Franken leicht unter dem Budget ab. Dafür liegt der Reingewinn mit gut 190'000 Franken etwas über dem Budget.

Verursacht durch zeitliche Verschiebungen einzelner Bauvorhaben und dank günstigerer Bauabrechnungen wurden im letzten Jahr lediglich 257'000 Franken in das Leitungsnetz investiert. Vorgesehen war rund eine Million Franken. Im bereits begonnenen Jahr sind 800'000 Franken für Investitionen vorgesehen. Als Beispiele wurden die Sanierung der Quelle Risi, Bazenheid, sowie die Abklärungen beim Grundwasservorkommen Froheim in Kirchberg erwähnt.

Die Wasserversorgung KiBaLü hat zusammen mit ihren Partnern im letzten Jahr rund 1,48 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert. Dabei betrug der Anteil Quellwasser 91 Prozent, die restlichen neun Prozent entfielen auf Grundwasser. Gemäss Christoph Häne werde das Netz gut unterhalten, deshalb sei es im letzten Jahr zu keinem Leitungsdefekt gekommen.