Energetische Sanierungen: «Das Geld steht nicht im Vordergrund»

Das Energieförderprogramm der Gemeinde Neckertal erhält grossen Zuspruch – auch bei Pius Rüthemann.

Urs M. Hemm
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Pius Rüthemann kann mit entsprechenden Computerprogrammen jederzeit den Speicherstand seiner Solarstrombatterie kontrollieren und so den Verbrauch steuern und planen. (Bild: Urs M. Hemm)

Pius Rüthemann kann mit entsprechenden Computerprogrammen jederzeit den Speicherstand seiner Solarstrombatterie kontrollieren und so den Verbrauch steuern und planen. (Bild: Urs M. Hemm)

«Eine Solarstrombatterie war schon beim Bau der Fotovoltaikanlage ein Thema», sagt Pius Rüthemann aus Mogelsberg. Die finanzielle Unterstützung aus dem Förderprogramm der Gemeinde hat den Entscheid erleichtert und war willkommen. Denn, obwohl die Kosten für Solarstrombatterien in den vergangenen Jahren merklich gesunken sind, bewegen sich die Investitionen noch immer deutlich im vierstelligen Bereich. Dennoch: Der finanzielle Aspekt steht für Rüthemann nicht im Vordergrund – «Es ist der Umweltgedanke, der zählt», sagt er. Der Einbau der Solarstrombatterie ist denn auch nicht die erste Investition im energetischen Bereich, die Pius Rüthemann an seinem Haus vorgenommen hat.

Bereits im Jahr 2001 installierte er thermische Kollektoren für die Warmwasseraufbereitung und die Heizungsunterstützung. «Im Jahr 2012 haben wir die Ölheizung durch eine Luft-Wasser-Wärmepumpe ersetzt. Der Einsatz der Wärmepumpe hat uns dann 2015 dazu bewogen, die für den Betrieb benötigte Elektroenergie mit einer FV-Anlage selber zu produzieren und eine Anlage für den gesamten jährlichen Energiebezug zu bauen.» Drei Jahre später ersetzte er alle Fenster im Haus mit dreifach verglasten Fenstern. Dass die Gemeinde Neckertal Hausbesitzer bei energetischen Projekten unterstützt, begrüsst Rüthemann. «Das dürfte den einen oder anderen dazu motivieren, auch etwas zu unternehmen.»

Das grosse Interesse hat überrascht

Mit der Umsetzung des Förderprogramms hat die Gemeinde Neckertal die Energieagentur St.Gallen GmbH beauftragt. Gemäss ihrem Quartalsbericht wurden von Januar bis Oktober dieses Jahres neben Pius Rüthemanns Antrag 16 weitere Anträge für eine Unterstützung aus dem Förderprogramm für die Umsetzung von Projekten im Bereich Energie gutgeheissen. Unterstützung erhalten jeweils sechs Anträge für die Erstellung einer Fotovoltaikanlage und den Ersatz von Fenstern, vier für die Installation einer Solarbatterie und ein Antrag wurde für den Anschluss an ein Fernwärmenetz gutgeheissen.

Lorenz Neher, Leiter Energieförderung Energieagentur St.Gallen. (Bild: PD)

Lorenz Neher, Leiter Energieförderung Energieagentur St.Gallen. (Bild: PD)

Laut Lorenz Neher, Leiter Energieförderung der Energieagentur St.Gallen, sei diese Verteilung durchaus vergleichbar mit anderen Gemeinden, die ebenfalls solche Förderprogramme durchführen. Die grosse Anzahl der Gesuche habe ihn jedoch überrascht. «Wir von der Energieagentur gingen von etwa der Hälfte der Gesuche aus», sagt er. Dass aber vom Förderangebot zur Umrüstung von Öl- oder Gasheizungen auf Holzfeuerungen niemand Gebrauch gemacht habe, erstaune ihn indes nicht. «Solche Umrüstungen werden nur selten vorgenommen», sagt er. Das sei aber auch bei anderen kommunalen Förderprogrammen im Kanton St.Gallen nicht anders.

Dennoch sieht Lorenz Neher insbesondere im Neckertal ein hohes Potenzial. «Geschätzt», so sagt er, «könnten rund 1500 beheizte Liegenschaften im Neckertal energetisch verbessert werden.» Den Grund, warum nicht mehr Liegenschaftseigentümer in eine verbesserte Wärmedämmung oder in ein CO2-neutrales Heizsystem investieren, sieht Neher vor allem in den hohen Kosten. Er ist überzeugt, dass mehr Liegenschaftsbesitzer solche Investitionen tätigten, wenn sie umfassend beraten würden.

Gemeinderat möchte Programm weiterführen

Langfristig rechnen sich energetische Umrüstungen auch finanziell. Werde beispielsweise eine Wärmepumpe über die Nutzungsdauer genutzt (bei einer Wärmepumpe beträgt die Lebensdauer zwischen 15 und 20 Jahre. Anm. der Red.) sei sie günstiger als eine fossile Heizung, sagt Lorenz Neher. «Zudem verringern alle energetischen Massnahmen den CO2-Ausstoss oder sind bestenfalls CO2-neutral.»

Die Neckertaler Gemeindepräsidentin Vreni Wild sieht sich mit dem Erfolg des Energieförderprogramms in ihrem Kurs bestätigt. «Wir hatten die Idee für diesen Fonds schon lange, bevor die ganze Klimadiskussion losgetreten wurde», sagt sie. Aufgrund des grossen Zuspruchs für das Förderprogramm werde der Gemeinderat an der Budget-Bürgerversammlung vom 21. November den Antrag stellen, nach den bereits gesprochenen 70000 Franken noch einmal 45000 Franken in den Fonds einzuschiessen.

Förderprogramm der Gemeinde Neckertal

Im Zuge des zehnjährigen Bestehens der Gemeinde Neckertal wurde ein Fonds geäufnet, um Projekte im Bereich Energie zu unterstützen. Namentlich werden unterstützt:
- der Ersatz von bestehenden Öl-, Gas- oder Elektroheizungen durch Holzfeuerungen;
- der Ersatz von bestehenden Öl-, Gas- oder Elektroheizungen durch einen Anschluss an einen Fernwärmeverbund, der überwiegend mit erneuerbarer Energie betrieben wird;
- die Neuinstallation einer Fotovoltaikanlage auf einem Neubau oder auf einem bestehenden Gebäude;
- die Erstinstallation einer Solarstrombatterie. (uh)
Hinweis

Mehr Informationen zum Förderprogramm gibt es unter:
www.neckertal.ch oder unter www.energieagentur-sg.ch.