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Elternbildung-Anlass in Mosnang zum Thema Umgang mit digitalen Medien: Inhalte brennen sich in die Gedächtnisse und ins Internet ein

Wenn intime Fotos oder Videos von Jugendlichen öffentlich werden, leiden diese oft langfristig unter den Folgen. Die Elternbildung Mosnang organisierte einen Anlass, um Eltern Tipps zu geben, damit es mir ihren Kindern nicht so weit kommt.
Timon Kobelt
Andreas Brühlmann vom Jugenddienst der Kantonspolizei St.Gallen erläutert den anwesenden Eltern in Mosnang die Eigenschaften beliebter Apps und deren Gefahren. (Bild: Timon Kobelt)

Andreas Brühlmann vom Jugenddienst der Kantonspolizei St.Gallen erläutert den anwesenden Eltern in Mosnang die Eigenschaften beliebter Apps und deren Gefahren. (Bild: Timon Kobelt)

Nur ein Klick sind Jugendliche heute von pornografischem Material entfernt.

«Wir haben früher alte Zeitungen gesammelt. Dort fand man praktische Heftchen, um der eigenen Neugier etwas Gutes zu tun. Doch diese Zeiten sind vorbei.»

Andreas Brühlmann, Chef des Jugenddienstes der Kantonspolizei St.Gallen, erntet im Saal der Oberstufe Mosnang viele Lacher für diese Anekdote. Fast 70 Anwesende füllen am Montagabend den Raum. Dies beweist, dass sich auch in der ländlichen Gemeinde viele Eltern bewusst sind, dass sich die Zeiten geändert haben. Sie nutzen den Anlass der Elternbildung Mosnang, um sich dafür zu wappnen, wie sie ihre Kinder für den Umgang mit digitalen Medien sensibilisieren können.

Andreas Brühlmann, Chef Jugenddienst Kantonspolizei St.Gallen. (Bild: Timon Kobelt)

Andreas Brühlmann, Chef Jugenddienst Kantonspolizei St.Gallen. (Bild: Timon Kobelt)

«Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Und vor allem vergisst es nie. Das müssen sie ihren Kindern klarmachen», sagt Brühlmann. Jeder Jugendliche, der pornografisches Material Freunden weiterschicke, die unter 16 seien, mache sich strafbar. Bei illegaler Pornografie ist bereits deren Besitz strafbar. Darunter fallen jegliche sexuelle Darstellungen mit Kindern, Tieren oder Gewalttätigkeiten. Und gerade in Zeiten von Smartphones wird man schnell zum Besitzer solcher Inhalte. «Bedenken Sie, dass viele Apps automatische Speicherfunktionen haben. Selbst wenn die Jugendlichen in einer App Bilder oder Videos löschen, sind diese womöglich längst in der Mediathek der Handys gespeichert», erklärt Brühlmann. Und das Handy sei eben eines der wichtigsten Beweismittel.

Raunen im Saal ob eindrücklicher Beispiele

Der Chef des Jugenddienstes spart nicht mit eindrücklichen Beispielen. Manch ein Raunen geht durch den Saal, als der Polizist von seinen Erfahrungen berichtet. «Ich hatte einen Fall, als ein 13-jähriges Mädchen ihrem Freund ein Video verschickte, in dem es sich selbst befriedigte. Er verbreitete das Video anschliessend in der ganzen Schule.» Daraufhin habe das Mädchen Suizidgedanken gehabt und musste in psychische Obhut, später in eine Spezialschule gebracht werden.

«Dieses Video hat sich in die Gedächtnisse der Menschen, die es gesehen haben, eingebrannt.»

Brühlmann schliesst damit den Bogen zu seiner Aussage, dass das Internet nie vergisst.

Das Beispiel leitet über zum Thema Sexting, was den Austausch selbstproduzierter intimer Fotos von sich oder anderen via Internet bezeichnet. Es kann der sexuellen Erregung aber auch als Liebesbeweis dienen. Andreas Brühlmann schärft der anwesenden Elternschar ein, unbedingt mit ihren Kindern darüber zu sprechen, gerade, wenn sie zum ersten Mal verliebt seien. Er empfiehlt den Eltern, ihren Schützlingen eine Definition mitzugeben: «Die Jugendlichen sollen ihren Partnern oder Freunden nur Fotos oder Videos schicken, die sie mit gutem Gewissen auch ihnen als Eltern zeigen würden. Sobald es peinlich wird, ist der Inhalt potenziell heikel und dann sollen sie es bleiben lassen.»

«Schockierende» Videos mit Gewaltverherrlichung

Nicht nur die Verbreitung von pornografischem oder intimem Material kann zu Problemen führen. Ein bekanntes Phänomen ist das Kursieren von gewaltverherrlichenden Videos – unter anderem im Zusammenhang mit Anschlägen von Terroristen. «Es sind heutzutage wirklich schockierende und absurde Videos im Umlauf. Etwa von Hinrichtungen existieren schlimme Bilder. Deren Besitz und Verbreitung ist absolut verboten», stellt Brühlmann klar. Gleiches gelte für die festgehaltene Gewalt, die Tieren angetan werde. Nachgelassen habe das sogenannte Phänomen Happy Slapping. Darunter versteht man einen körperlichen Angriff auf sowohl unbekannte als auch vertraute Personen. Die Veröffentlichung der Aktion dient der Erniedrigung der Opfer, sie kann unter bekannten Jugendlichen aber auch nur als Jux gemeint sein. So oder so ist es verboten.

Eine gewisse Kontrolle ist notwendig

Der noch relativ neue Schulsozialarbeiter der Schule Mosnang, Daniel Handschin, referiert zum Thema, wie sich ein Zusammenleben zwischen Eltern, Kindern und Smartphone gestalten könnte. «Natürlich ist es am Ende immer eine Sache der Eltern, was sie ihren Kindern erlauben und was nicht. Eine gewisse Kontrolle der Smartphone-Aktivität des Kindes ist aber unabdingbar», sagt der Schulsozialarbeiter. Gar keine Kontrolle sei damit vergleichbar, dass man ein Kind in Zürich absetzte und ihm sage, es solle einfach mal loslaufen.

Mosnangs Schulsozialarbeiter Daniel Handschin. (Bild: Timon Kobelt)

Mosnangs Schulsozialarbeiter Daniel Handschin. (Bild: Timon Kobelt)

Handschin ermutigt die Eltern, viel mit den Kindern zu sprechen und sich auch Dinge erklären zu lassen.

«Wenn Ihr Kind mehr weiss als Sie, dann lassen Sie sich von ihm erklären, was es gerade am Smartphone macht.»

Weiter sollten die Eltern sich mit den Nutzungsbedingungen gewisser Apps vertraut machen. Wichtig sei es auch, nicht gleich mit Strafen zu drohen, wenn dem Kind ein Fehler unterlaufe. «Ihr Kind muss sich getrauen, zu Ihnen zu kommen, wenn ihm mit dem Handy ein Seich passiert. Je länger es schweigt, desto schlimmer können die Folgen sein.»

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