Einst war sie Konditions-Trainerin der Herren im Langlauf und bekämpfte Dopingsünder: Barbara Brogers Weg bis zur Künstlerin

Das Engagement bei Swiss-Ski und FIS, die Zeit für die Dopingbekämpfung bei Swiss Olympic und die Freude an der Kunst gehören zu Barbara Broger.

Adi Lippuner
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Viel Licht flutet die «Werkstatt» von Barbara Broger am Steiner Hinterberg. (Bild: Mareycke Frehner)

Viel Licht flutet die «Werkstatt» von Barbara Broger am Steiner Hinterberg. (Bild: Mareycke Frehner)

Aufgewachsen am Stadtrand von St.Gallen hat die Ostschweizerin Barbara Broger im Laufe der Jahrzehnte an verschiedenen Orten gelebt. «Seit 1991 haben mein Mann Ueli Schärer und ich unser Haus hoch über dem Dorf Stein und fühlen uns hier wohl», erzählt sie. Der fantastische Rundblick am Hinterberg, die Natur direkt vor der Haustüre, die Möglichkeit, mit den Tourenskis oder dem Bike unterwegs zu sein, werden von der sportlichen Frau sehr geschätzt. Mit dem E-Bike sei sie auch rasch unten im Dorf und dank des Generalabonnements und guter Verbindungen stehe ihr die Welt trotz des abgelegenen Wohnens offen.

Es sind diese Gegensätze, welche das Leben von Barbara Broger prägen. «Schon mein Vater brachte diese Charaktereigenschaft mit der Aussage ‹Barbara würde am liebsten am Nordpol Elefanten züchten›, auf den Punkt.» Ihre beiden Berufswünsche, Matrosin oder Mitarbeiterin auf einer Wetterstation seien leider nicht umsetzbar gewesen. «Mit Jahrgang 1951 stiess ich mit meinen Vorlieben auf taube Ohren», blickt sie zurück.

Den eigenen, künstlerischen Weg gehen

Seit dem Ausstieg aus dem aktiven Berufsleben erfüllt sich Barbara Broger mit künstlerischen Tätigkeiten einen einstigen Jugendtraum. «Nebst dem Sport hat mich die Kunst immer interessiert und so suchte ich nach Möglichkeiten, mich vertieft damit zu befassen. Holzschnitz- und Grafikkurse, aber auch ein Selbst- und Fernstudium ermöglichen es ihr, heute den eigenen künstlerischen Weg zu gehen. «Auslöser für diese Eigenständigkeit war eine tolle Lehrerin im Schnitzkurs. Bei ihr konnte ich die richtige Arbeitstechnik lernen und wurde ermuntert, bei der Umsetzung meine eigenen Vorstellungen zu verwirklichen.»

Nebst dem Sport interessiert sich Barbara Broger für das Kunsthandwerk. Sie arbeitet gerne mit Holz und fertigt Linoldrucke oder auch Collagen an. (Bild: Mareycke Frehner)

Nebst dem Sport interessiert sich Barbara Broger für das Kunsthandwerk. Sie arbeitet gerne mit Holz und fertigt Linoldrucke oder auch Collagen an. (Bild: Mareycke Frehner)

Doch nicht nur die Arbeit mit Holz fasziniert Barbara Broger. Unter ihren Händen entstehen Collagen und Linol-Drucke. «Ich probiere etwas aus, bleibe ein Zeit lang dabei und suche wieder eine neue Herausforderung», sagt sie und lacht. Zu dieser Einstellung passt eine Aussage von Pablo Picasso, die auf ihrer Website zu lesen ist: «Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.»

In jungen Jahren machte sich die St. Gallerin mit einem Handelsdiplom in der Tasche auf ins Berufsleben. «Die Arbeit bei einer Anwaltskanzlei war nur von kurzer Dauer, dann zog es mich hinaus in die Natur.» Fündig wurde sie auf der Melchseefrutt, als Posthalterin, Leiterin des Verkehrsbüros und Betreuerin der dortigen Bergbahn. Wenn nötig leistete sie auch Einsätze beim Pisten- und Rettungsdienst. «Diese gegensätzlichen Aufgaben entsprachen genau meinen Vorstellungen» Damals habe sie gespürt, dass ihre Begeisterung für den Sport nach einer entsprechenden Ausbildung verlange. Mit dem Besuch der Schule für Gymnastik in Zürich und in Magglingen wurde ein weiterer Eckpfeiler für den beruflichen Werdegang gelegt.

«Lillehammer bleibt unvergessen»

Spannende Begegnungen und unterschiedliche Tätigkeiten prägten ihren weiteren Weg. Als sportliche Leiterin der Therme Vals turnte Vico Torriani unter ihrer Anleitung im Wasser, als Langlauflehrerin und als Sportartikelverkäuferin in Davos kam sie in Kontakt mit Swiss-Ski und so sei eines zum anderen gekommen. «Mein Engagement für die Frauen, vor allem für die Juniorinnen und der Wunsch, Kinder und Jugendliche zu fördern, führte in Davos dazu, dass ich zu den Mitinitiantinnen des Sportgymnasiums gehörte», betont Broger und blickt auf ihre Zeit im Landwassertal zurück. Als Konditionstrainerin bei den Herren Langlauf, später als Betreuerin der Damen und Juniorinnen, als Damenchefin und dann als Disziplinen-Chefin Langlauf erlebte die Sportbegeisterte einige Höhepunkte an drei verschiedenen Olympiaden. «Lillehammer im Jahr 1994 bleibt für mich unvergessen. Diese Begeisterung und die unvergleichliche Atmosphäre verursachen bei mir Jahre später noch Hühnerhaut.»

Es seien beruflich die besten Jahre ihres Lebens gewesen. «Da war so viel positive Energie, so viel Engagement, es wurde auf die anvisierten Ziele hin gearbeitet und alle wollten vorwärtskommen.» Für Aussenstehende sind die Zusammenhänge innerhalb der Verbände und auch die gegenseitigen Verknüpfungen nicht einfach zu verstehen. Die Erklärung von Broger: «Swiss-Ski ist Mitglied des Internationalen Skiverbands, abgekürzt FIS. Jedes Mitglied der FIS hat die Möglichkeit, Vertreter für sein Land in die Komitees zu delegieren, wobei verschiedene Abteilungen, Alpin Ski, Langlauf, nordische Kombination, Skispringen und Snowboard bestehen. Zudem gibt es Sub-Komitees, welche sich um den Weltcup, die Regeln, den Volkslanglauf oder Frauenlanglauf kümmern. In jedem Sub-Komitee darf nur eine Person pro Land sein. Ich war 15 Jahre in verschiedenen Langlauf-Sub-Komitees und hatte zehn Jahre den Vorsitz im Sub-Komitee Frauenlanglauf inne. In diesem Komitee beschäftigen wir uns mit spezifischen Angelegenheiten für Frauen, auch mit dem Geschlechtertest, der auf unsere Intervention hin abgeschafft wurde.»

Einmal mehr ein Leben aus dem Koffer

Mit dem Aufbau einer Dopingkontrolle brauchte Swiss Olympic je zwei Frauen und zwei Männer, welche diese Aufgabe ausführten. «Während sechs Jahren durfte ich mich in diesem Bereich engagieren, es war eine spannende Aufgabe, aber auch einmal mehr ein Leben aus dem Koffer.» Die Aufgabe als Dopingkontrolleurin im Jahr 2006 abzugeben und sich erneut als Chefin Langlauf zu engagieren, müsse sie rückblickend als schlechten Entscheid bezeichnen. «2009 zog ich einen Schlussstrich unter meine berufliche Karriere und widme mich seither neuen Tätigkeitsfeldern.»