Kolumne
Einen angebrochenen Sack Holzkohle zum Grossverteiler zurückbringen

Weil er keine Verwendung mehr habe, wollte ein Mann einen angebrochenen Sack Holzkohle zurückgeben. Wie das zu einer vorgrillierten Bratwurst und einem blutenden Herz eines Stadtsanktgallers führte, erklärt Urs M. Hemm im Speerspitz, der wöchentlichen Kolumne des «Toggenburger Tagblatts».

Urs M. Hemm
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Urs M. Hemm, stellvertretender Redaktionsleiter. (Bild: PD)

Urs M. Hemm, stellvertretender Redaktionsleiter. (Bild: PD)

Als ich kürzlich bei einem Grossverteiler einkaufte, kam ein Mann herein, der einen angebrochenen Sack Holzkohle zurückbringen wollte. Er habe nur einmal davon genommen, bis man ihm gesagt habe, dass auf seinem Balkon das Grillieren mit Holzkohle verboten sei. Da er folglich die Kohle nicht gebrauchen könne, wolle er sie zurückbringen. Weil ich das nachfolgende Gespräch mit einer Mitarbeiterin des Ladens nicht mitverfolgte, weiss ich nicht, ob er die Holzkohle einfach entsorgt haben oder ob er das Geld dafür zurückhaben wollte und worauf sich die beiden am Schluss geeinigt haben.

Eigentlich ist das auch unerheblich, denn ich finde die Idee an sich schon witzig, ein angebrauchtes Produkt im Supermarkt zurückgeben zu wollen. Hat die Onlinehandel-Mentalität nun auch schon den Laden um die Ecke erreicht? Dort kann man ja bekanntlich seinen Fehleinkauf jederzeit ohne Kosten zurückschicken und das Hemd in XL bestellen, weil das S auch mit Luft anhalten doch ein wenig um den Bauch spannte. Dass die zurückgesendete Ware oft vernichtet wird, weil das Waschen und die neue Verpackung das Versandhaus oft teurer zu stehen käme, wird dabei gerne vergessen.

Dem Stadtsanktgaller blutet das Herz

Um den Kunden nicht zu vergraulen, und aus Kulanz wird die Mitarbeiterin den Sack Holzkohle vermutlich zurückgenommen haben. Aber die Holzkohle neu zu verpacken, wird kaum gehen, zumal ja eine Grillfüllung bereits fehlt. Jemandem den angebrauchten Sack Holzkohle verbilligt verkaufen? Dafür wird sich wohl kaum ein Käufer finden, zumal sich der Grossverteiler so etwas kaum erlauben könnte. Vielleicht macht ja die Belegschaft des Grossverteilers an diesem Wochenende einen gemeinsamen Grillabend und befeuert den Grill mit besagter Holzkohle. Sollte die damit erzeugte Glut nicht ausreichen, gibt es ja bereits vorgrillierte Olma-Bratwürste zu kaufen. Das wäre dann vielleicht auch eine Alternative für den Herrn, der die Kohle ins Geschäft zurückgebracht hat. Diese Würste sollen aus der Mikrowelle oder in heissem Wasser erwärmt vorzüglich schmecken.

Ich als Stadtsanktgaller jedoch würde dann lieber auf eine Bratwurst verzichten und einen Cervelat roh essen.