Eine Talentschmiede für Geräteturner dank dem Einsatz von Idealisten

Manuela Brechbühl leitet beim Turnverein St. Peterzell seit 2011 das Jugend-Geräteturnen. Nun haben ihre ersten Schützlinge den Sprung an die nationale Spitze geschafft.

Urs Huwyler
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Trainerin Manuela Brechbühl unterstützt den Reck-Vizemeister Pascal Landolt beim Barren-Abgang. (Bild: Urs Huwyler)

Trainerin Manuela Brechbühl unterstützt den Reck-Vizemeister Pascal Landolt beim Barren-Abgang. (Bild: Urs Huwyler)

Präsident Michael Züst freute sich über die Erfolge von Selina Carigiet und Pascal Landolt an den Geräteturnen-Schweizer-Meisterschaften in Dietikon und Biasca. «Dass solche Resultate den Turnern des Turnvereins St. Peterzell gelingen würden, wagten wir vor Jahren nicht einmal zu träumen. Für mich ist das schlicht sensationell», kommentierte der Leichtathletik-Sprinter die Auftritte des Neckertaler Duos. Die 17-jährige Selina Carigiet trat erstmals auf höchstem Niveau (K7) an und sicherte sich dank Noten zwischen 9.15 (Reck), 9.30 (Ringe/Boden) und 9.40 (Sprung) mit Rang 17 eine Auszeichnung (Platz 4 bis 29).

Ebenfalls sein K7-Debüt gab Pascal Landolt. Auch er durfte sich auszeichnen lassen (21.). Was wenige für möglich hielten: Kurz nach Ende der Rekrutenschule qualifizierte sich der junge Erwachsene für den Reck-Final und gewann in der Königsdisziplin mit 9.70 Punkten die Silbermedaille.

«Eine gewisse Risikobereitschaft gehört dazu»

Dem Vereinspräsidenten schwante schon vor sechs Jahren Gutes. Als Züst damals las, was alles geplant wurde, sagte er den Aufwärtstrend voraus. «Den grössten Beitrag dazu hat Manuela Brechbühl geleistet», ortet der Präsident den Hauptgrund für den Aufstieg an der Spitze des Trainerteams. Manu Brechbühl aus Oberhelfenschwil begann ihre geräteturnerische Karriere im Jahr 2000 am Wohnort, danach wechselte die Lichtensteiger Lehrerin wegen der sportlichen Perspektiven zum TV St. Peterzell. Irgendwann beobachtete Carigiet an der SM mit Brechbühl zusammen die Elite-Frauen. Sie sagten: «Das schaffen wir auch.»

Nun ist es soweit. Vor Carigiet, deren zwei Jahre ältere Schwester Ramona als Leiterin mithilft und vielleicht irgendwann ein Comeback gibt, lag 2018 nach dem Vierkampf landesweit einzig eine jüngere Teilnehmerin. Der Erfolg bei den K7-Premieren dürfte nicht das Ende der Fahnenstange sein. Carigiet trainiert seit der Kindergartenzeit unter Brechbühl, Pascal Landolt sorgte schon vor dem Final für ein Ausrufezeichen. Weil er eine Woche zuvor im Fünfkampf mit der Reckübung unzufrieden war, baute er diese mit Unterstützung der Trainerin um, erhöhte den Schwierigkeitsgrad und turnte nahezu fehlerfrei. «Von nichts kommt nichts», pflegt «Miss Geräteturnen» jeweils zu sagen. Eine gewisse Risikobereitschaft gehört dazu.

Nicht immer stehen die Wettkämpfe im Vordergrund

Als offizielle Wertungsrichterin weiss die Fachfrau, worauf die notengebenden Kolleginnen und Kollegen achten. Dadurch besteht Gewähr, dass die richtigen Teile trainiert und Haltungsfehler frühzeitig korrigiert werden. «Entscheidend ist für mich die Freude am Turnen», erklärt Brechbühl. «Nicht bei allen stehen die Wettkämpfe im Vordergrund.

Geräteturnen ist eine Grundausbildung, um später als Teamstützen zu den Aktiven wechseln zu können.» Das Vertrauen und Mutmachen bildet zwischen den Leitern und den Aktiven die Basis der Zusammenarbeit. Wäre es anders, stünden die Kinder, Jugendlichen und Auszubildenden nicht bis zu viermal wöchentlich zum Trainingsbeginn bereit.

Riegenleiter Daniel Koller wärmt die im Hauptverein verwurzelten Turner mit einem Ballspiel auf, danach müssen die Geräte nach Anweisung von Brechbühl aufgebaut werden. Dies geschieht ohne Jammern mit einer Selbstverständlichkeit, die fast noch mehr beeindruckt als die teils akrobatischen Teile an den Geräten. «Für uns ist Geräteturnen eine Herzensangelegenheit, doch Beruf und Ausbildung haben immer Priorität», betont die Idealistin.

Möglichst gute Leistungen erbringen

Erfolge, aber vor allem die Atmosphäre und Stimmung untereinander, entschädigten für den betriebenen ehrenamtlichen Aufwand. In andern Sportarten liesse sich mit einer geringeren Belastung ein ansehnliches Taschengeld verdienen. «Wir sind Vereinsgeräteturner», ergänzt Manuela Brechbühl. Sie wollten zwar möglichst gute Leistungen erbringen, aber es stünden andere Kriterien im Zentrum. Auch für die Eltern. Ihre talentierten Kinder werden praktisch vor der Haustüre geschmiedet.