Eine schreibende Toggenburgerin blickt zurück auf das 19. Jahrhundert

Die Lichtensteigerin Frida Edelmann-Knöpfel war eine Ausnahmeerscheinung. Sie schrieb ihre Erinnerungen in Mundart nieder.

Fabian Brändle
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Ganz im Gegensatz zu heute griffen Frauen in früheren Zeiten weit weniger zur Feder als Männer. Ihnen blieb in der Regel der Zugang zu höheren Schulen verwehrt.

Frida Edelmann Sohn Albert war als Lehrer in Ebnat-Kappel tätig, wo er das Heimatmuseum Ackerhus gründete.

Frida Edelmann Sohn Albert war als Lehrer in Ebnat-Kappel tätig, wo er das Heimatmuseum Ackerhus gründete.

(Bild: PD)

Die Lichtensteigerin Frida-Edelmann Knöpfel, Frau des Lichtensteiger Lehrers Jakob Edelmann, Mutter des Heimatkundlers und Malers Albert Edelmann und Schwiegermutter des Historikers Heinrich Edelmann, war eine Ausnahmeerscheinung.

Sie schrieb sie bereits um das Jahr 1910 über ihr Leben. Das Manuskript befindet sich in der bekannten Albert-Edelmann-Stiftung. Noch eine Besonderheit: Die Autorin schrieb in Mundart.

Die Mutter stammte aus Krinau

Frida Knöpfel-Edelmann war das siebte Kind des Bäckers Johannes Knöpfel von der Waldstatt (AR) und der Krinauerin Regula Müller. Der Vater sang gerne während der Arbeit und gab – ganz Appenzeller – gerne einen träfen Witz zum Besten.

Die Mutter Regula Müller hingegen war eher ernst und streng.. Sie hatte in einem einsamen Krinauer Bauernhaus eine schwierige Kindheit erlebt, musste früh spulen und bekam oft wenig zu essen. Sie durfte zu Hause im Webkeller nur Kirchenlieder singen.

Freunde an Handarbeiten, Stricken ausgenommen

Die «Töggelischuel» (Kindergarten) besuchte Frida Edelmann-Knöpfel in Bruggmanns Haus im Parterre. Jungfrau Roos war eine geduldige Lehrerin. Sie erzählte schöne Geschichten, lehrte fromme Sprüche und allerlei Handarbeiten.

Die vornehmen Kinder verwendeten dabei beim Basteln teureres Material als die ärmeren Kindergärtler. Frida mochte diese kleinen Handarbeiten. Einzig das «Lismen» war ihr zuwider. Sie gab sich auch keine Mühe, sehr zum Missfallen von Frau Roos.

Französische Soldaten interniert

Das erste Schuljahr des Mädchens war das Kriegsjahr 1870/1871. Deutschland führte gegen Frankreich Krieg. Die unterlegenen Franzosen kämpften weiter. Die «Bourbaki-Armee» floh über die Schweizer Grenze und wurde interniert.

Auch ins Toggenburg gelangten rote Uniformhosen tragende Franzosen. Frida Edelmann-Knöpfel mochte sich noch gut an die ausgehungerten Fremden erinnern.

Im Wirtshaus am Lederbach verschlangen die Internierten grosse Mengen Hafermus. Manche Lichtensteiger freundeten sich mit den Fremden an und lernten so manches franzsösiches Volkslied.

Sitzordnung nach Stand und Vermögen

In der Arbeitsschule lernte das Mädchen bei «Jompfer» Weber bordieren. Die Kinder wurden nach Stand und Vermöhen platziert, zuhinterst sassen die «Loretliger» und die «Fabrikler».

Eine solche Hierarchisierung wäre heutzutage undenkbar, das waren noch Relikte aus dem ständischen Zeitalter. Frau Weber war eine herrische, parteiische Lehrerin. Die Schülerinnen schnauften jeweils auf, wenn sie fehlte und ersetzt wurde.

Gruselige Geschichten und schöne Lieder

Jeden Montag, am Markttag, besuchte ein Jugendfreund des Vaters, der «Gschirr-Ambüel» von Bütschwil, die Familie. Er verkaufte seine blüemlete «Beckeli und Teller».

Der Mann war gemäss der Autorin herzensgut und fromm. Wenn ihm Frida beim Versorgen des Geschirrs half, bekam sie einen Fünfräppler. Mit dem Geld kaufte sie einen Schleckstengel. Ambühl wartete bis abends in der Backstube und erzählte so manche gruselige Geschichte. Er kannte aber auch schöne Lieder.

Reges Leben in der Backstube

In der Backstube gingen ohnehin viele Kundinnen und Kunden ein und aus. Wirtinnen verlangten ein «Pürli». Frida Edelmann-Knöpfel beschrieb präzise die Geschäftigkeit, die in der Landestube der Bäckerei herrschte.

Sie schildert ferner, wie sie sich verliebte, heiratete und Kinder bekam. Die frühe Toggenburger Autorin gab ihre Talent gewiss an ihren Sohn Albert Edelmann weiter.

Bleiker, Ida und Armin Müller (Hg.). Us em Lebe vo de Frida Edelmann-Knöpfel (1864-1921). In: Toggenburgerblätter für Heimatkunde 29 (1979), S. 21-38.