Eine Konferenz, die keine ist

Kommenden Samstag findet in der Wirkstadt in Lichtensteig die Un-Konferenz statt. Ein Anlass, der Menschen vernetzen und Alternativen zum gewohnten Leben erschaffen will.

Corinne Bischof
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Sarah Brümmer, Jan Colruyt, Marisa Mayer, Andreas Barth (von links) organisieren gemeinsam die Un-Konferenz in der Wirkstadt. (Bild: Corinne Bischof)

Sarah Brümmer, Jan Colruyt, Marisa Mayer, Andreas Barth (von links) organisieren gemeinsam die Un-Konferenz in der Wirkstadt. (Bild: Corinne Bischof)

«Auch besorgt um die Zukunft dieser Welt?» Mit dieser Frage lädt die ökumenische Erwachsenenbildung der Seelsorgeeinheit Neutoggenburg und der Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg gemeinsam mit der Wirkstadt in Lichtensteig zur sogenannten Un-Konferenz ein. Eine Konferenz, die mit allen Normen bricht und das Ziel verfolgt, neue Ideen und Alternativen für das alltägliche Leben zu erschaffen.

Ein Ort, an dem anders gelebt wird

«Neues wagen – anders leben» ist das aktuelle Leitthema der ökumenischen Erwachsenenbildung. Die Suche nach alternativen Lebensweisen brachte sie auf die Wirkstadt in Lichtensteig.

Wirkstadt in Lichtensteig

Hinter der Wirkstadt steht ein Kollektiv von rund zehn jungen Erwachsenen. Ihr Ziel ist die Erschaffung von Raum, aus welchem sich Begegnungen konstruktiv und kreativ zu einem nachhaltigen Lebenskonzept umsetzen lassen. Die Wirkstadt liegt in einer alten Fabrikhalle in Rotenbach in Lichtensteig. In ihren Räumen befinden sich Schreinereien, Ateliers, Schneidereien und das Zuhause der meist selbstständigen Handwerkerinnen und Handwerkern.

Mehr Informationen zu der Wirkstadt in Lichtensteig und deren Projekten unter: www.facebook.com/minipunktart

Sarah Brümmer und Marisa Mayer sind zwei der rund zehn jungen Erwachsenen, die heute in der Wirkstadt leben. Es ist eine alte Fabrik, die vor rund eineinhalb Jahren zum Wohn- und Arbeitsraum umgewandelt wurde. Eine Lebensweise, wie sie für Diakon Andreas Barth und Jan Colruyt von der ökumenischen Erwachsenenbildung besonders spannend ist. «Diese Jungen hier sind meine Hoffnung für die Zukunft», sagt Diakon Andreas Barth. Die Wirkstädtler zeigen neue Lebensweisen auf. Sie leben gemeinsam unter einem Dach, teilen vieles und arbeiten meistens selbstständig in vor allem handwerklichen Bereichen.

Ein gemeinsamer Wohn- und Arbeitsplatz

Marisa Mayer arbeitet für verschiedene Theater und macht selbstständig Kostüme und Kostümbilder für Produktionen. Sarah Brümmer hat neben ihrer klassischen Mass- und Änderungsschneiderei eine Marke, bei welcher sie aus gebrauchten Haushaltstextilien neue Kleidung entwirft . Sie teilen sich den gemeinsamen Arbeitsplatz im Textilatelier.

«Die Wirkstadt ist ein Ort, der Alternativen erlebbar machen möchte», meint Sarah Brümmer. «Das hier ist ein Ort zum Vernetzen, der offen ist für alle», meint auch Marisa Mayer. Beide stammen nicht aus dem Toggenburg, sondern aus St. Gallen und Herisau. «Nie hätte ich gedacht, dass es mich noch weiter aufs Land zieht», meint Marisa Mayer und lacht. Doch in Rotenbach hat sie ein neues Zuhause gefunden.

Gleiche Sorgen und verschiedene Ansichten

Dass die Wirkstadt gemeinsame Sache mit der ökumenischen Erwachsenenbildung macht, erstaunt im ersten Moment. Junge Freidenker und ein kirchliches Projekt? «Die Wirkstadt ist nicht politisch oder religiös eingestellt. Uns verbindet der Wunsch zu handeln. Dass die Kirche dies auch möchte, sehe ich als Bereicherung», erklärt Sarah Brümmer. Marisa Mayer meint: «Wenn ich persönlich Kirche höre, bin ich meistens zuerst kritisch. Aber es ist ein sehr interessantes Projekt, dem ich gerne Raum geben möchte.»

Dieses Projekt nennt sich Un-Konferenz und verfolgt das Ziel, Menschen mit den gleichen Sorgen und unterschiedlichen Ansichten und Ansätzen zu vereinen. Der Anlass soll Raum schaffen für Austausch, um neue Ideen zu finden und verschiedene Gedanken auf einen oder mehrere gemeinsame Wege zu bringen. Die Un-Konferenz findet am kommenden Samstag in der Wirkstadt statt. Von zehn Uhr morgens bis zwei Uhr nachmittags wird diskutiert, nachgedacht und Inspiration gesammelt.

Neue Ideen und spannende Gespräche

Den genauen Ablauf können die vier Organisatoren aber noch nicht verraten. «Klar haben wir einen ungefähren Plan», meint Andreas Barth, welcher den Anlass moderieren wird. «Aber den Inhalt bestimmen die Leute und ihre Ideen.» Zur Un-Konferenz kann jeder kommen, eine Anmeldung ist nicht nötig. «Hier ist alles möglich», meint auch Jan Colruyt.

Der Name der Un-Konferenz kommt daher, dass es zwar eine Konferenz ist, aber nicht im herkömmlichen Sinne. «Es wird eine Konferenz, bei der jeder zu Wort kommt und man sich gegenseitig unterstützt. Es gibt keine falschen Gedanken und Aussagen», erklärt Jan Colruyt. «Vielleicht entstehen an der Un-Konferenz neue Ideen oder Projekte oder vielleicht auch nur gute Gespräche», meint Sarah Brümmer.

Ökumenische Erwachsenenbildung

Die ökumenische Erwachsenenbildung verfolgt das Ziel, den interreligiösen Austausch zu vertiefen sowie aktuelle und theologische Themen aufzunehmen. Sie wird von katholischer Seite von der Seelsorgeeinheit Neutoggenburg und von evangelisch-reformierter Seite von der Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg getragen. Jedes Jahr werden Vorträge und Exkursionen zu einem bestimmten Leitthema organisiert. Aktuell ist es das Thema: «Neues wagen - anders leben.»

Informationen zu den aktuellen Anlässen finden Sie auf Flyern in den Kirchen oder unter: www.neutoggenburg.ch/wattwil/

Hinweis

Die Un-Konferenz findet am Samstag, 22. September, in der Wirkstadt, Rotenbach 2372 (ehemalige Turbo Separator), Lichtensteig, von 10.00 - 14.00 Uhr statt.
Mehr Informationen unter: www.neutoggenburg.ch/wattwil/aktuelles oder www.facebook.com/events/681137812266997