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Film über Suizid: Eine emotionale Achterbahnfahrt

Die Vortrags- und Lesegesellschaft Toggenburg lud letzte Woche zusammen mit dem Kino Passerelle in Wattwil zur Begegnung mit der Regisseurin Annina Furrer und ihrem Film «Dem Himmel zu nah» ein.
Regisseurin Annina Furrer (links) im Gespräch mit Barbara Stehle, Leiterin der Fachstelle für Trauer nach Suizid Ostschweiz. (Bild: PD)

Regisseurin Annina Furrer (links) im Gespräch mit Barbara Stehle, Leiterin der Fachstelle für Trauer nach Suizid Ostschweiz. (Bild: PD)

Im Saal geht das Licht aus. Menschen, die direkte Erfahrung mit dem Suizid einer nahestehenden Person haben, und andere, die das Thema eher von fern kennen, sitzen gemeinsam im Kino. Die Thematik ist schwer und doch wollen mehr als 80 Anwesende nicht wegschauen – sondern hinschauen und sich auf die Tragik einlassen.

Der Film von Annina Furrer «Dem Himmel zu nah» fährt emotional Achterbahn: glückliche Szenen aus Kindstagen, melancholische Tonbandaufnahmen des verstorbenen Marius, Worte von Annina Furrer an ihren verstorbenen Bruder, sachliche Interviews von Bestatter und Psychologe und immer wieder Schneeszenen – kalt, farb- und konturlos wie der Tod. Annina Furrer macht sich im Film auf die Suche nach dem Grund des Suizids ihres Adoptiv-Bruders Marius.

Das «Warum?» bleibt unbeantwortet

War es die schwere südkoreanische Vergangenheit der ersten vier Lebensjahre? War es die emotionale Verbindung zu seiner südkoreanischen leiblichen Mutter? War es der Schulwechsel in eine staatliche Schule? War es der Suizid seiner geliebten Schwester, der eine Tür geöffnet hat? War es die schwierige Teenagerzeit? Das «Warum?» bleibt unbeantwortet.

Aber der Film gibt Aufschluss über das leidvolle Innenleben des Verstorbenen und seine Hoffnungen und wie seine Kämpfe eine Familie verändern. Und der Film dokumentiert, wie nach dem Suizid verschieden getrauert wird: Annina Furrer scheint die forsche, lebensbejahende; der Bruder geht mit allem relativ pragmatisch um; der Vater trauert still und in der Natur und der Musik, und die Mutter ist Annina ähnlich. Annina Furrer nimmt die Zuschauer auf die Stationen nach dem Suizid von Marius mit. Sie zeigt, wie sie zusammen mit Marius’ Partnerin das Zimmer räumt, was in der Polizeiakte vermerkt ist. Sie filmt den Gang zum Bestatter, den Besuch in der psychiatrischen Klinik. Aber sie sucht auch die familiären Lieblingsplätze auf, wie die Hütte am Berg oder der Campingplatz.

«Er hat sich nicht gegen das Leben entschieden, sondern er hat sich gegen das Leiden entschieden.» Aber warum konnte das Leben nicht das Leiden beenden, sondern nur der Tod? Marius hat sich entschieden – definitiv. Zurück bleiben Familie und Partnerin, welche Marius’ Antwort zu akzeptieren haben.

Film erst einmal setzen lassen

Doch Annina Furrer und ihre Mutter lassen im Film auch durchblicken, wie wertvoll gemeinsam erlebtes Glück ist und wie gut es ist, am eigenen Leben Freude haben zu dürfen. Nach dem Film stellte sich die Regisseurin Annina Furrer den Fragen von Barbara Stehle, Leiterin der Fachstelle für Trauer nach Suizid Ostschweiz und der Zuschauerschaft. Diese, so hatte man den Eindruck, musste den Film erst mal «setzen lassen». Die Gespräche untereinander und mit der Regisseurin kamen bedächtig in Gang. Im Foyer des Kinos lagen Unterlagen auf – vom Forum psychische Gesundheit Ostschweiz. Auch von spezialisierten Diensten, die bei Trauer nach Suizid Unterstützung leisten, wie dem Ambulatorium der Psychiatrie St. Gallen Nord in Wattwil oder der Fachstelle Trauer nach Suizid Ostschweiz. Im Publikum waren auch viele Pfarrpersonen vertreten, die bei Trauer nach Suizid seelsorgerlich begleiten. (pd)

Hinweis

Fachstelle Trauer nach Suizid, Barbara Stehle, 9103 Schwellbrunn, Telefon 071 351 43 69, E-Mail: stehle@trauer-nach-suizid.ch

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