Eine direkte S-Bahn aus dem Toggenburg nach Zürich wäre machbar, aber teuer

In Mosnang informierte der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Südostbahn über die Perspektiven des öffentlichen Verkehrs im Toggenburg.

Martin Knoepfel
Drucken
Teilen
Der Rickentunnel, hier das Portal in Wattwil, müsste erweitert werden, damit doppelstöckige Züge ihn durchfahren können.

Der Rickentunnel, hier das Portal in Wattwil, müsste erweitert werden, damit doppelstöckige Züge ihn durchfahren können.

(Bild: Benjamin Manser)

Referent am Mittagessen der Arbeitgebervereinigung der Region Toggenburg war Thomas Küchler, der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Südostbahn (SOB). Die SOB hat im Auftrag der Industrie- und Handelskammer Varianten für eine Bahn-Direktverbindung mit Zürich untersucht.

Das Ergebnis ist gemäss Thomas Küchler nicht eindeutig. Es gebe zwei Korridore, via Wil oder via Rapperswil und Uster. Es sei fast unmöglich, Zusatzzüge in den Zürcher Hauptbahnhof zu führen, sagte der Referent. Es gebe nur die Lösung, dass Züge aus dem Toggenburg mit denen einer bestehenden Verbindung gekoppelt würden.

Praktische Probleme bei beiden Varianten

Machbar sei eine Koppelung der S9 in Wil mit dem Interregio (IR) der SBB. Das ergebe eine halbstündliche Direktverbindung. Das sei aber teuer, weil die IR-Züge der SBB freizügig auf dem ganzen Netz fahren würden. Man müsste laut Küchler die ganze IR-Flotte der SBB für die Koppelung mit den Thurbo-Triebwagen ausrüsten. Zudem ergebe diese Verbindung keinen Fahrzeitgewinn.

Die Alternative wäre, die S4 (Ringzug) in Rapperswil mit der S5 der Zürcher S-Bahn zu koppeln. Hier gäbe es eine kürzere Fahrzeit als heute, wobei nur ein Stundentakt möglich sei.

Müsste der Ricken-Tunnel vergrössert werden?

Diese Lösung ist laut Küchler sehr teuer. Nicht nur müsse die S4 mit Doppelstockzügen fahren, die rund um den Säntis nur in den Stosszeiten ausgelastet wären. Die SBB fahre auf der S5 teils mit Siemens-Doppelstockzügen, die mit den Stadler-Zügen nicht kompatibel seien.

Zudem ist es laut Küchler nötig, für Doppelstock-Züge den Ricken-Tunnel zu erweitern. Einstöckige und Doppelstockzüge habe noch niemand gekoppelt.

Plädoyer für eine Verbindung via Dübendorf

Daniel Blatter, Geschäftsführer der Region Toggenburg, plädierte für eine Verbindung, die Dübendorf bedient, also via Rapperswil. Für die Industrie sei die Anbindung des Innovationsparks wichtig.

Ein Besucher sagte, dass die Angehörigen der Mitarbeiter der Industrie oft ausserhalb des Tals arbeiteten. Er fragte, was zu tun sei, damit die Anbindung an Zürich politisch relevant werde. Küchler riet, statt über einzelne Linien über die Entwicklungsperspektiven des Toggenburgs zu sprechen. Rund 30 Personen kamen gestern für das coronabedingt verschobene Referat in die «Krone» in Mosnang.

Geld aus dem Investitionsprogramm des Bunds für die SOB

Die eidgenössischen Räte sollen das Investitionsprogramm 2021 bis 2024 für die Eisenbahn-Infrastruktur im September und Dezember verabschieden. Die SOB dürfte darin 231 Millionen Franken – von 14 Milliarden – erhalten.

Schon bald beginnt die Erneuerung der Gleisanlagen und Fahrleitungen im Südkopf des Bahnhofs Wattwil. Thomas Küchler ist auch optimistisch, was die Realisierung der Doppelspur Uznach-Schmerikon angeht. Momentan ist das Projekt durch Einsprachen, die ans Bundesgericht weitergezogen wurden, blockiert.

Für den Ausbau im Rheintal müsse die S4 unterbrochen werden, sagte er. Für die Sanierung der verbleibenden zwei Drittel des Wasserfluh-Tunnels hat die SOB noch keine Lösung. Mehr als zwei Totalsperren zur gleichen Zeit will Thomas Küchler nicht.