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Ein Wahnsinniger aus Down Under in der "Eintracht"

Zum Abschluss der Konzertsaison in der Kirchberg «Eintracht» brachte Bruno Metzger mit Lachy Doney einen völlig unbekannten Musiker aus Australien auf seine Bühne.
Michael Hug
Ein Wahnsinnger an den Keyboards: Lachy Doley und sein umgebautes «Whammy Clavinet». (Bild: Michael Hug)

Ein Wahnsinnger an den Keyboards: Lachy Doley und sein umgebautes «Whammy Clavinet». (Bild: Michael Hug)

Einer am Schlagzeug (Jackie Barnes), der die ganze Zeit eine Schnute schneidet, einer am Bass (Joel Burton), der überhaupt gar nichts sagt, und einer am Keyboard, der die relative Nichtanwesenheit der zwei anderen gleich mehrfach kompensiert. Natürlich, auch die zwei Mitmusiker geben alles, Hardcore-Profis ein jeder auch, doch der da an der Hammond, der ist der Star der Show. Der Auffälligste, der Lauteste, der Wahnsinnigste. Konzerte von Lachy Doley streifen haarscharf die Grenze zum Wahnsinn, scheinen stets im nächsten Moment zu kippen: «Jetzt dreht er gleich durch», mag sich das Publikum denken.

Kontrolle über Hände und Finger

Doch Lachy Doley (die Aussprache seines Vornamens in Englisch hat nichts gemeinsam mit einem schweizerischen Schimpfwort) kippt nicht. Der Mann aus Down Under hat sich und seine Performance stets im Griff. Er gibt alles und verliert dabei nie die Kontrolle über seine Hände und Finger. Es tönt immer perfekt harmonisch und er bietet eine spektakuläre Show. Er werde der upcoming (aufkommende) Hammond-Star, schreiben die Fachblätter und auch das Schweizer Jazzmagazin «Jazz ‘n’ more» interessierte sich für den Auftritt in Kirchberg. In Australien, wo der 41-Jährige herkommt, ist er das längst. Doch der fünfte Kontinent ist ihm zu klein, jetzt soll die erste Welt erobert werden. Tastenvirtuosen hat Europa schon viele gesehen, doch diesen da nimmt man gerne auf. Der Mann frischt die kleine Szene der Hammondisten gewaltig auf.

Vergessenes Clavinet eigenhändig umgebaut

Zumal Doley nicht nur seine Hammond-Orgel perfekt beherrscht, sondern mit dem fast vergessenen Clavinet auch einen ungewöhnlichen Sound mitbringt. Das Clavinet ist ein elektronisch verstärktes mobiles Koffer-Cembalo, 1964 erfunden und während Jahrzehnten nur von der deutschen Instrumentenfirma Hohner hergestellt. Sein Sound ist an sich schon speziell genug (zum Beispiel bei Stevie Wonders «Superstition»), das reicht Doley jedoch nicht. Er baute einen mechanischen Tremolo-Hebel (bekannt von E-Gitarren) ein, der den Tönen dieses Clavinets ein schwebendes Wimmern aufsetzt. Doley nennt seine einhörniges Keyboard «Whammy Clavinet» und es dürfte das einzige in der ganzen Musikwelt sein.

Noch ist Doley ein Geheimtipp. Zwei Konzerte hat er auf seiner Europa-Tour in der Schweiz gegeben, Bern und Kirchberg, vor einem übersichtlichen Publikum, und schon am Samstag spielte er in Belgien. Natürlich sei er gerne hier, das Publikum sei wahnsinnig freundlich und euphoristisch, meinte er am Freitagabend, und er freue sich auch, dass seine Musik hier so gut ankomme. Er habe eine ganze Ladung CDs dabei, so Doley, überhaupt habe er seine Koffer fast nur mit CDs gefüllt: «Brauche ich wirklich drei Paar Unterhosen für vier Wochen? Da nehme ich doch lieber ein paar CDs mehr mit, die ich verkaufen kann». Auch wenn nur etwa fünf Dutzend Leute Lachy Doley und seine Group sehen wollte, für Bruno Metzger war es dennoch ein Erfolg. Zumal er vielleicht den kommenden Star der Blues-Funk-Orgelszene als fast erster in Europa hat buchen können.

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