Ein Tunnel und viele Brücken: Die Umfahrung Wattwil nimmt langsam Form an, auch wenn es bis zur Eröffnung noch lange dauert

Von einer Winterpause ist auf der Baustelle der Umfahrung Wattwil nichts zu spüren. Es wird gesprengt und betoniert.

Sabine Camedda
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Die Fahrbahn der Umfahrung Wattwil in der Scheftenau ist bereits erkennbar. Aufgrund der Witterung wird derzeit auf diesem Abschnitt nicht gebaut.

Die Fahrbahn der Umfahrung Wattwil in der Scheftenau ist bereits erkennbar. Aufgrund der Witterung wird derzeit auf diesem Abschnitt nicht gebaut.

Bild: Sabine Camedda

3354 Meter lang wird die Umfahrung Wattwil sein, wenn sie im September 2022 dem Verkehr übergeben werden soll. Will man die Baustelle heute besichtigen, weiss man kaum wo anfangen. Denn zwischen der Wattwiler Brendi und der Stegrüti in Ebnat-Kappel wird von mehreren Bauunternehmungen an mehreren Orten gleichzeitig gebaut.

Herzstück der momentanen Bauarbeiten ist der Tunnel Lochweidli. Im Januar erfolgte die erste Sprengung. Im Bauprogramm sei vorgesehen, dass es rund 300 Sprengungen gebe. «Im Idealfall wäre das jeden Tag eine», sagt Ruedi Vögeli, Projektleiter der Umfahrung Wattwil.

Der Idealfall sei aber noch nicht eingetroffen. Wenn das Material, das durch eine Sprengung aus dem Berg gelöst wurde, abtransportiert ist, muss eine Ausbruchsicherung im Gewölbe angebracht werden. Erst danach kann die nächste Sprengung vorbereitet und durchgeführt werden. «Dieser Ablauf hat sich noch nicht richtig eingespielt», sagt Ruedi Vögeli.

Im Frühjahr wird die Tunnelseite gewechselt

Im Lochweidlitunnel kann nur gesprengt werden, wenn die Ausbruchsicherung montiert ist. Künftig sollte jeden Tag eine Sprengung erfolgen.

Im Lochweidlitunnel kann nur gesprengt werden, wenn die Ausbruchsicherung montiert ist. Künftig sollte jeden Tag eine Sprengung erfolgen.

Bild: Sabine Camedda

Knapp 200 Kubikmeter Fels werden bei jeder Sprengung herausgebrochen. Die Maschinen und die Arbeiter rücken jeweils um 2,5 Meter weiter in den Berg hinein. Der Tunnel sollte eigentlich entgegen dem Gefälle, das heisst, vom Süden her gebaut werden, erklärt Ruedi Vögeli. Doch dort musste zuerst ein Bachdurchlauf betoniert werden. Darum erfolgen die Bauarbeiten noch bis im März vom Norden her. Danach wird gewechselt.

«Es ist auch logistisch einfacher, das Aushubmaterial vom Süden her abzutransportieren», fügt Ruedi Vögeli hinzu. Sich von beiden Seiten gleichzeitig in den Fels zu graben, lohne sich nicht. Mit einer Länge von rund 300 Metern sei der Tunnel dafür zu kurz.

Im Frühling werde auch der Belag auf der Brücke über die Thur und die SOB-Bahnlinie eingebaut sein, sodass Transporte darüber erfolgen können. «Wir möchten das Zentrum von Wattwil möglichst nicht mit Lastwagenfahrten belasten», so Ruedi Vögeli.

Geologie ist schlechter als erwartet

Die Hangsicherung wird von oben nach unten montiert. Die Stützelemente der Mauern bleiben sichtbar.

Die Hangsicherung wird von oben nach unten montiert. Die Stützelemente der Mauern bleiben sichtbar.

Bild: Sabine Camedda

Weitherum sichtbar sind die Hangsicherungen südlich der Brendi. Stück für Stück wird das Gelände abgetragen und gleich mit Betonelementen befestigt. Man habe sich für ein flexibles System entschieden. Das heisst, der Hang wird nur so weit gesichert wie nötig. Grössere Überraschungen hat es für die Baufachleute nicht gegeben. «Die Böden sind sehr verschieden und in einigen Abschnitten ist die Geologie schlechter als wir erwartet haben», sagt Ruedi Vögeli.

Zum Glück kämen sie um die alte Abfalldeponie bei der Schönenbergstrasse herum. Dort müsste der Boden speziell entsorgt werden. Tangiert ist die Schönenbergstrasse dennoch von den Bauarbeiten. «Wir haben sie leicht verlegt und eine Überführung gebaut», erklärt Ruedi Vögeli.

Die Vorarbeiten für die Überführung der Schönenbergstrasse sind fertig.

Die Vorarbeiten für die Überführung der Schönenbergstrasse sind fertig.

Bild: Sabine Camedda

Das Erdreich rund herum wird noch auf das Strassenniveau abgesenkt. Das verläuft dort in einem Einschnitt rund acht Meter unterhalb des aktuellen Grunds. Zuletzt werde eine Brückenplatte darüber gebaut und die Strasse werde ihrem ursprünglichen Verlauf folgen, sagt Ruedi Vögeli.

Ebenfalls angelaufen sind die Vorbereitungsarbeiten für die Brücke über den Rickenbach. «Sie wird mit 90 Metern die zweitlängste Brücke der Umfahrungsstrasse», sagt Ruedi Vögeli. Nebst den Widerlagern werden zwei Pfeiler betoniert, sodass die Brücke schliesslich dreiteilig wird. In Richtung Brendi führt die Strasse über drei weitere, kleinere Brücken.

Verkehr erschwert die Bauarbeiten

Im Sommer wird mit den Arbeiten für den Kreisel in der Stegrüti angefangen. Gleichzeitig wird die Abfahrt erstellt. Diese werde schon vor der Eröffnung der Umfahrung dem Verkehr übergeben, sagt Ruedi Vögeli, anschliessend werde das derzeit befahrene Provisorium abgebrochen.

Beim Kreisel in der Brendi hingegen tangieren die Arbeiten den Verkehrsfluss. Die Verkehrsachse müsse jederzeit zweispurig offen sein, sagt Ruedi Vögeli. Dies bedinge auch Entgegenkommen von den Autofahrern: Sie müssen neun verschiedene Verkehrsführungen erdulden.

Weitere Informationen unter www.umfahrungwattwil.ch

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