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Ein Tor ins eigene Traumland: Ebnat-Kapplerin macht Strassenkunst in St.Gallen:

Die 16-jährige Lena Eberhard aus Ebnat-Kappel malt diese Woche auf den Strassen der Stadt St. Gallen. Inspiriert wurde die Künstlerin vom italienischen Maler Raffael und den verschiedenen Architekturepochen.
Corinne Bischof
Die junge Künstlerin Lena Eberhard malt während einer Woche ihre Traumwelt auf die Strassen St.Gallens. (Bild: Corinne Bischof)

Die junge Künstlerin Lena Eberhard malt während einer Woche ihre Traumwelt auf die Strassen St.Gallens. (Bild: Corinne Bischof)

Die Skulptur von Joachim von Watt, besser bekannt als Vadian, ist nebst der Klosteranlage das Wahrzeichen der Stadt St.Gallen. Kein Wunder also, dass sich aussergewöhnlich viele Touristen mit der Fotokamera in der Hand in der Marktgasse direkt beim Marktplatz tummeln.

In diesen Tagen hat die Skulptur des Stadtvaters aber mit starker Konkurrenz zu kämpfen. Anstatt die 2,8 Tonnen schwere Figur zu bewundern, machen die Menschen einige Meter davor halt. Grund dafür ist die 16-jährige Ebnat-Kapplerin Lena Eberhard.

Ein Haus aus jeder Epoche und ein Tor zur Traumwelt

Auch ohne die Farben und den Pinsel, den Lena Eberhard in der Hand hält, sieht man, dass kreatives Blut in ihr fliesst. Die Kantonsschülerin mit dem Schwerpunktfach Musik trägt farbige Kleidung, bunte Armbänder, einen ausgefallenen Hut und eine Brille, die an John Lennon erinnert. An ihre orange-braunen Haare hat sie seit längerem mit Perlen verzierte Dreadlocks gehängt. «Malen war schon immer mein Hobby», erzählt Lena Eberhard mit einem strahlendem Lachen auf den Lippen.

Seit Montag ist Lena Eberhard auf den Strassen in St.Gallen unterwegs und arbeitet an einem dreidimensionalen Kunstwerk. Auf einer grossen Leinwand, die sie abwechselnd beim Vadianplatz und auf der Marktgasse auf dem Boden ausbreitet, malt sie während einer Woche ihr eigenes Traumland.

Mit Bleistift hat sie es zu Hause vorgezeichnet, jetzt geht es auf der Strasse vor allem noch um das Ausmalen. «Auf meinem Bild ist ein Haus aus jeder Stil-Epoche zu sehen. In der Mitte steht ein grosses Tor, dass den Eingang zu der Traumwelt bildet», erklärt Lena Eberhard.

Der beste Ferienjob der ganzen Welt

Lena Eberhard arbeitet mit nur sieben verschiedenen Farben und erzeugt die gewünschten Schatten, Lichtreflexe und unterschiedlichen Farbtöne vor allem mit Mischen. «Ich bin ein wenig erstaunt, wie gut mein Projekt bis jetzt aussieht», sagt Lena Eberhard und blickt auf die Leinwand am Boden.

Nicht nur sie selbst ist zufrieden mit ihrem Werk, sondern auch die Passanten sind begeistert. An einem Tag sammelt sie mit ihrer Kunst schnell über hundert Franken. «Der beste Ferienjob der Welt», meint sie und hat damit nicht unrecht. Mit dem Geld, das sie verdient, bezahlt sie die Farben, die teure Leinwand und die Bewilligungen, die von der Stadt St.Gallen nötig gewesen waren, um überhaupt Strassenkunst machen zu dürfen.

Das Schönste ist für die junge Frau aber nicht, dass ihre Kunst bei den Leuten gut ankommt, sondern dass sie so mit den verschiedensten Menschen zusammenkommt. «Ich habe schon mit so vielen verschiedenen Menschen gesprochen. Über Kunst, wieso ich das mache oder einfach sonst über das Leben», sagt Lena Eberhard und fügt hinzu: «Es ist schön zu sehen, dass die Menschen noch für solche Sache zu begeistern sind.»

Raffael als Inspiration zur Maturaarbeit

Lena Eberhard setzt das Projekt im Rahmen ihrer Maturaarbeit um, die sie im Herbst abgeben muss. «Ich setze mich sehr stark mit dem italienischen Künstler Raffael auseinander. Er war einer der ersten Maler, der die perspektivische Kunst auf ein wahnsinnig hohes Level brachte», erzählt Lena Eberhard. Sie beschreibt mit vielen umständlichen Begriffen und Erklärungen, worauf man achten muss, damit ein Bild in die dreidimensionale Tiefe geht. Es erinnert mehr an Mathematik als an Kunst. Erstaunlich ist vor allem, dass Lena Eberhard sich das spezifische Wissen selber angeeignet hat. «Mit einem Fachbuch und dem Internet», sagt sie.

Immer wieder kommen Familien mit Kindern, junge Männer und Frauen oder Touristen und bleiben mit ihrem Blick am Kunstwerk der Ebnat-Kapplerin hängen. Ein junger Mann bleibt stehen und fragt die Kantonsschülerin erstaunt, ob sie die Kunstgewerbeschule mache. Lena Eberhard lacht nur. Die Kunstgewerbeschule käme aber für sie sicherlich in Frage, wenn es um ihre Zukunft geht.

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