Ein Pfarrer – eine Kündigungswelle

Drei offene Stellen und noch mehr Fragen. Die Konflikte in der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg sind nicht vom Tisch. Im Sommer müssen drei der fünf Stellen im Pastoralteam neu besetzt werden. Gesucht wird noch nicht.

Andrea Häusler
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Pfarrer Albin Rutz (links) verbleibt – nebst Katechetin Monika Oberholzer – als einziger im Pastoralteam. (Bild: Larissa Flammer)

Pfarrer Albin Rutz (links) verbleibt – nebst Katechetin Monika Oberholzer – als einziger im Pastoralteam. (Bild: Larissa Flammer)

Die personellen Querelen in der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg sind ein offenes Geheimnis. Anfang November hatte das Bistum St. Gallen darüber informiert, damals jedoch betont, dass die internen Probleme zwar zu Absichtserklärungen, aber noch nicht zu Kündigungen geführt hätten. Das hat nun geändert. Sowohl Michael Kontzen, Pastoralassistent und Pfarreibeauftragter von Gähwil, als auch Sibylle Spichiger, Pastoralassistentin in Bazenheid, haben am 26. November auf Ende Juli 2014 ihre Demission eingereicht. Kontzen wechselt in die Pfarrei Marbach, Spichiger in die Pfarrei Hinterforst-Eichberg. Dies teilte die Bistumsleitung gestern mit. Ausstehend, aber angekündigt ist die Demission des mitarbeitenden Priesters und Pfarreibeauftragten von Kirchberg, Alfred Germann. Der 70-Jährige hatte die Stelle vor fünf Jahren angetreten. Damals mit der Absicht, zehn Jahren zu bleiben.

Weichenstellung im Januar

Lediglich zwei der fünf Mitglieder des Pastoralteams sind derzeit in ungekündigter Stellung beziehungsweise frei von jeder Demissions-Absicht: Katechetin Monika Oberholzer, die seit März dieses Jahres in der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg tätig ist, und der Pfarrer Albin Rutz. Letzterer wurde im Januar 2013 ins Amt eingesetzt.

Die im Sommer freiwerdenden Stellen sind noch nicht zur Bewerbung ausgeschrieben, sagt Kirchbergs Kirchenratspräsident Kuno Hinrichs, stellvertretend angefragt für die Kirchenverwaltungsräte der Seelsorgeeinheit. Der Ball liege beim Bistum. «Die Bistumsleitung hat angekündigt, bis spätestens Ende Januar darüber zu orientieren, wie es im Sommer weitergeht.» Diese Entscheide seien für das Vorgehen der Kirchenverwaltungsräte zentral. Nicht nur, weil diese den Kirchbürgerinnen und -bürgern an deren Bürgerversammlungen mit Sicherheit Red und Antwort stehen müssen. Klare Verhältnisse und die Umsetzung einer zielführenden Strategie auf dem Weg aus der Misere seien auch Voraussetzung für eine erfolgreiche Rekrutierung neuer Mitarbeitender, sagt Hinrichs. «Qualifizierte und motivierte Interessierte lassen sich nicht auf Abenteuer ein.»

Kein zweiter Pfarrer?

Mit der Demission der drei Mitarbeitenden verliert das Pastoralteam nicht nur Menschen, die das Vertrauen der Kirchbürgerinnen und Kirchbürger gewonnen haben, sondern es geht auch Aufbauarbeit verloren. Einen noch gravierenderen Verlust – speziell aus Kirchberger Optik – kann Kuno Hinrichs nicht ausschliessen: «Es gibt keine Garantie dafür, dass das Amt des Pfarreibeauftragten, des mitarbeitenden Priesters, wieder besetzt werden kann.»

Neustart ist nötig

Oberstes Ziel der Bistumsleitung bleibt, dass die Arbeit im Pastoralteam trotz der Schwierigkeiten bestmöglich funktioniert. Deshalb wurde der Seelsorgeeinheit Anfang November von Bischof Markus Büchel persönlich ein Team-Coach zur Seite gestellt. Franz Kreissls Arbeit trage Früchte, sagt die Kommunikationsbeauftragte des Bistums St. Gallen, Sabine Rüthemann. Sie weiss aber auch: «Wir brauchen einen Neustart, und diesen wird es definitiv geben.»