Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Ein Mord kurz vor dem Pessach – Alfred Bodenheimer liest in Ebnat-Kappel

Der Schweizer Krimi-Autor Alfred Bodenheimer las am Mittwochabend in der Bibliothek in Ebnat-Kappel aus seinem fünften Krimi. Der Rabbiner Gabriel Klein ist darin gefordert; ist er doch mit der Ermordeten verwandt.
Cecilia Hess-Lombriser
Alfred Bodenheimer, Krimi-Autor und Professor für Jüdische Literatur- und Religionsgeschichte. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Alfred Bodenheimer, Krimi-Autor und Professor für Jüdische Literatur- und Religionsgeschichte. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Seit 2014 veröffentlicht Alfred Bodenheimer jedes Jahr einen Krimi. In den Geschichten des Professors für Jüdische Literatur- und Religionsgeschichte an der Universität Basel ist der Rabbiner Gabriel Klein nicht nur das geistliche Oberhaupt seiner Gemeinde, sondern ermittelt auch in «halbkooperativer» Zusammenarbeit mit der Polizei in Mordfällen.

Im Krimi «Im Tal der Gebeine» – in Anlehnung an die Vision vom Propheten Ezechiel, wonach eine grosse Menge angetrockneter Knochen wiederbelebt wird, was die Auferweckung Israels bedeutet – kommt der Rabbi in eine heikle Situation. Seine reiche Tante ist mit 89 Jahren ermordet worden.

Auch als Nicht-Krimi-Leserin beeindruckt

Paula Looser, Leitung Bibliothek, verriet in der Begrüssung der rund 40 Interessierten, welche der Einladung der Bibliothek Ebnat-Kappel und der Vortrags- und Lesegesellschaft Toggenburg folgten, dass sie keine Krimi-Leserin sei. Auf «Im Tal der Gebeine» habe sie sich jedoch eingelassen und sie sei beeindruckt gewesen von der «Raffinesse der Handlung, die ohne Leiche und Blut auskommt», wie sie sagte. Bereichernd fand sie, dass sie gleichzeitig einen Einblick in die jüdische Kultur erhielt, ohne dass das Buch didaktisch daher kommen würde.

«Genau das war meine Absicht», sagte der Autor in der Diskussionsrunde. «Ich bewege mich in diesem Milieu und dazu habe ich noch etwas Spannung und Pfeffer reingebracht», erklärte er. Hansruedi Kugler, Redaktor Focus beim «St.Galler Tagblatt», hatte vor drei Jahren mit Alfred Bodenheimer ein Interview geführt, und er stellte ihm am Mittwochabend im Pavillon in offiziellem Auftrag weitere Fragen, die letztlich zur Diskussion über den wachsenden Antisemitismus führte.

Bianca Himmelfarb wird vergiftet

Alfred Bodenheimer las aus dem zweiten und dritten Kapitel seines jüngsten Buches, nachdem er die Vorgeschichte erzählt hatte. Mit dem Prolog werden die Lesenden mit einem Stück Geschichte konfrontiert, die zu den schrecklichsten der Menschheit gehört. Zwei Schwestern werden von ihren Eltern über die Grenze geschickt, um ihnen das Leben zu retten. Sie selber werden ermordet.

Beide Mädchen machen ihren Weg. Die eine bleibt in England, die jüngere, Bianca Himmelfarb, lebt schliesslich in Kanada als reiche Unternehmerin und Kunstmäzenin. In Zürich hat sie eine Zweitwohnung. Dort, wo Rabbi Klein wirkt und ermittelt und wo sie schliesslich im hohen Alter vergiftet wird. Ausgerechnet kurz vor dem Pessachfest, das viel Arbeit und Stress bedeutet.

Hier begann der Einblick in die Schreib- und Erzählweise des Autors, der lebendig vorlas. Lebendig sind auch seine Figuren und so war auf wenigen Seiten einiges von ihrem Charakter und ihren Eigenheiten zu erfahren. Die Dialoge und die beschriebenen Details verhalfen der Vorstellungskraft, konkrete Szenen lebendig werden zu lassen und in die Geschichte einzutauchen. Die Lust auf das ganze Buch sollte geweckt werden.

Jüdische Traditionen humorvoll beschrieben

Es geht um Mord. Es geht um eine «reale» Gemeinde – die Israelitische Cultusgemeinde Zürich –, um einen erfundenen Rabbi und um die jüdische Kultur, von der vor dem Pessachfest einiges zu erfahren ist. Auch über eigenartige Bräuche geht es, wie etwa darum, während des Pessachs die richtige Zahnpasta zu wählen.

Erzählt wird auf selbstironische und humorvolle Weise. Und erzählfreudig zeigte sich Alfred Bodenheimer auch in der Diskussionsrunde. Ja, seine beiden Berufe gingen tatsächlich ineinander über, beantwortete er die Frage eines Besuchers und das mache ihm viel Freude. An einem anderen Ort hatte er einmal augenzwinkernd festgestellt, dass dank seiner Krimis seine historische Reflexion zum Judentum mehr beachtet werde. Fachaufsätze darüber würden wohl weniger gelesen. Er sprach über seine Arbeit als Professor, was zu Aussagen über interreligiöse Themen führte und zu den «Symptomen einer kranken Gesellschaft», wie Bodenheimer es formulierte, wenn Juden wieder vermehrt angegriffen und ausgegrenzt werden. «Dabei geht es einfach darum, seine eigene Normalität zu leben.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.