Ein Macher mit Visionen tritt ab

Werner Ammann übergab per 31. Dezember nach zwölf Jahren das Präsidium des Schulrates Ganterschwil an den Ende September letzten Jahres gewählten Félix Hess. Er blickt er auf seine Amtszeit zurück, in der es zu etlichen Veränderungen an der Schule kam.

Drucken
Teilen
Amtsübergabe: Werner Ammann (links) übergab nach zwölf Jahren das Schulpräsidium an Félix Hess. (Bild: alb)

Amtsübergabe: Werner Ammann (links) übergab nach zwölf Jahren das Schulpräsidium an Félix Hess. (Bild: alb)

Sie waren zwölf Jahre Präsident im Schulrat Ganterschwil. Waren Sie schon davor in dieser Behörde oder stiegen Sie gleich als Präsident ein?

Werner Ammann: Ich stieg per 1. Januar 1997 direkt als Präsident ein.

Was bewog Sie damals, dieses Amt anzutreten?

Ammann: Die eigene Erfahrung, dass auch für meine Kinder die Schule ein wichtiger Lebensabschnitt ist. Die Überzeugung, dass für ein Dorf die Schule eine sehr grosse Bedeutung hat und es sich lohnt, sich dafür zu einzusetzen. Das Interesse an etwas Neuem, das ich bisher nicht von der organisatorischen Seite her kannte. Das nötige Selbstvertrauen, eine Institution zu leiten mit einem guten Dutzend Mitarbeitenden und einem Kostenvolumen von 2,5 Mio. Franken. Die Zuversicht, dass ich einen gut funktionierenden Schulbetrieb mit hervorragender Infrastruktur antreten konnte.

Können Sie, mindestens annähernd, beziffern, wie viele Sitzungen und Versammlungen in zwölf Jahren zusammenkamen?

Ammann: Als Präsident wird man nebst den eigenen Schulratssitzungen und internen Besprechungen auch zu vielen Tagungen, Kursen und regionalen Meetings eingeladen. Pro Jahr hatte ich durchschnittlich zwischen 30 und 40 Termine wahrzunehmen.

Man bezeichnet Sie als «Macher mit Visionen». Teilen Sie diese Einschätzung? Wenn ja, schlägt sich dies auch in Ihrem Beruf oder anderen Bereichen nieder?

Ammann: Die Bezeichnung «Macher» dürfte insofern zutreffen, als ich Gedanken und Projekte nicht nur zu Papier bringe, sondern gerne auch umsetze. Visionen in eine Schule zu tragen, ist weit schwieriger, da die Gesetzgebung dafür nicht sehr viel Spielraum offen hält. Zudem ist man als Schulratspräsident kein allein agierender Unternehmer, sondern immer auch darauf angewiesen, dass Ziele und Massnahmen vom ganzen Rat und vom Lehrerteam mitgetragen werden. In einem am Markt tätigen Unternehmen lassen sich individuelle Visionen eher definieren und verwirklichen. Im Gegensatz ist hier auch die Gefahr einer falschen Markteinschätzung und damit des Niedergangs eines Unternehmens möglich, während die Schule kaum dem Wettbewerb ausgesetzt ist. In meinem Beruf als Landwirt und bei meinen Tätigkeiten im Biomarkt reizen mich jedoch gerade diese Herausforderungen.

Welches waren die markantesten Ereignisse während Ihrer Amtsdauer?

Ammann: In unserer Schule hat das Streben nach Qualität einen sehr grossen Stellenwert. Schulrat und Lehrerteam zusammen verfolgten diese Ziele im pädagogischen wie auch im organisatorischen Bereich. Im Sommer 2001 erfolgte die Einführung der Integrativen Schulform mit dem Ziel, möglichst wenig Schülerinnen und Schüler in Sonderschulen schicken zu müssen. Im Sommer 2004 wurde die Schulleitung eingeführt und als Folge davon per 1. Mai 2005 der Schulrat von sieben auf fünf Mitglieder reduziert. Kurz darauf wurde die Rechnungsführung per Leistungsvereinbarung an die Oberstufe Bütschwil-Ganterschwil-Lütisburg übertragen, womit unsere kleine Schulgemeinde von den Kompetenzen einer grösseren und professionellen Verwaltung profitiert.

In den letzten drei Jahren entwickelten wir das Führungshandbuch mit weit über 100 Prozessbeschrieben zu einem Management-Instrument, das auf pädagogischer wie auch organisatorischer Ebene die Qualitätssicherheit unterstützt. Die Einführung der Blockzeiten von fünfmal vier Lektionen an allen Vormittagen und die Anpassung der Lektionentafel an die neuen kantonalen Vorgaben per August 2008 war eine weitere Herausforderung, welche jedoch vor allem an die Schulleitung und an die Lehrpersonen hohe Ansprüche stellte.

In den zwölf Jahren meiner Amtstätigkeit sank die Schülerzahl in unserer Schulgemeinde in Folge demographischer Entwicklung von knapp 200 Kindern im Jahr 1997 auf 110 Kinder im Jahr 2007. Diese Reduktion hatte zur Folge, dass wir uns rund jedes dritte Jahr mit der mehrjährigen Klassenplanung auseinanderzusetzen hatten. Es begann mit dem Übergang von Jahrgangsklassen zu gemischten Klassen und war begleitet von diversen Klassenschliessungen. Total mussten wir in dieser Zeit eine Kindergartenabteilung, die Einführungsklasse und zwei Regelklassen schliessen. Dieser schmerzhafte Dauerprozess war für den Schulrat als Arbeitgeber und für das Lehrerteam als die wichtigsten Leute im Schulbetrieb nicht immer einfach. Als negativer Höhepunkt dieser Entwicklung muss wohl die Schliessung des Schulhauses Sonnental im Sommer 2007 bezeichnet werden.

Weshalb traten Sie zurück?

Ammann: Wie die meisten Leute werde auch ich älter, und es zeigen sich Abnützungserscheinungen, welche nur durch eine persönliche Entlastung aufgehalten werden können. Aus dieser Voraussicht gab ich bereits im Frühjahr 2007 meinen Rücktritt auf Ende 2008 bekannt. Nach zwölf Jahren Schulpräsidium scheint mir die Zeit gekommen, anderen Kräften in unserer Gemeinde das Zepter zu übergeben. Jetzt bin ich im Beruf und bei meinen übrigen ausserbetrieblichen Engagements durch die Veränderungen im Markt dermassen beansprucht, dass ich mich unbedingt auf diese Herausforderungen mehr konzentrieren möchte.

Welche spezielle Herausforderungen kommen auf Ihren Nachfolger Félix Hess zu?

Ammann: Mein Nachfolger kann eine Institution antreten, welche auf organisatorischer wie auf pädagogischer Ebene sehr gut läuft. Wir haben ein super Lehrerteam mit viel Einsatzbereitschaft und Wohlwollen unserer Schuljugend gegenüber. Die Schulverwaltung verfügt über die nötigen Strukturen und Richtlinien. Die Einarbeitung des stark ausgewechselten Schulrates sollte daher keine grossen Schwierigkeiten nach sich ziehen, Wieder leicht steigende Kinderzahlen erfordern auch in Zukunft die ständige Überprüfung und Anpassung der Klassenbildung.

Im Bereich Infrastruktur ist 2009 die Erneuerung der Informatik angesagt, und längerfristig werden erste Sanierungsmassnahmen bei den Schulgebäuden fällig, welche aber bei geschickter Planung recht gleichmässig auf die nächsten 10 bis 15 Jahre verteilt werden können.

Natürlich wird auch der neue Schulrat immer wieder Momente erleben, in denen es kurzfristig kleinere, aber trotzdem wichtige Entscheide zu fällen gibt. Wichtig scheint mir, dass die Vernetzung mit den umliegenden Schulgemeinden weiter gepflegt wird. Dies hilft uns, auch als kleine Schulgemeinde allen Anforderungen an eine gute Schule gerecht zu werden.

Als gemeinsames Projekt steht die Einführung der Schulsozialarbeit im Vordergrund. Auch für andere Tätigkeitsfelder macht die Intensivierung der regionalen Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen hinaus Sinn. Diesbezüglich wird den kleinen Schulgemeinden wie auch politischen Gemeinden in Zukunft noch manches einfallen müssen.

Interview: Albert Büchi

Aktuelle Nachrichten