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Ein langes Kindergartenleben

Am 6. Juli wird Ulla Ammann von ihren derzeit 13 Kindergartenkindern im Schulhaus Dietschwil Abschied nehmen. Danach wird sie in den dritten Lebensabschnitt übertreten.
Beat Lanzendorfer
Ulla Ammann war mehr als drei Jahrzehnte an verschiedenen Kindergärten der Gemeinde Kirchberg tätig. Anfang Juli wird sie sich von ihren Kindern verabschieden. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Ulla Ammann war mehr als drei Jahrzehnte an verschiedenen Kindergärten der Gemeinde Kirchberg tätig. Anfang Juli wird sie sich von ihren Kindern verabschieden. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Die bald 63-jährige Ulla Ammann hat sich entschieden, ein Jahr früher als heute üblich aufzuhören. «Ich bin mir von früher gewohnt, dass die Frauen mit 63 in Rente gehen, darauf habe ich mich immer eingestellt. Nun ziehe ich das durch, weil es so für mich stimmt.»

Sie heisst eigentlich Ursula, ist allen aber als Ulla bekannt. «Sogar bei den Schulbehörden, dort beginnt meine E-Mail-Adresse nämlich mit Ulla statt des richtigen Vornamens», sagt die Kindergärtnerin mit einem Lachen. Ihr Name taucht bereits in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts in der Kirchberger Schulgemeinde auf, die per 1. Januar 2017 zur Einheitsgemeinde verschmolzen ist.

Erste Deutschlehrerin

Im Frühling 1983 durfte sie als erste Deutschlehrerin im Kindergarten Bazenheid beginnen. Ab 1996 betreute sie in der Neugasse zusammen mit Margrit Wullschleger eine Kindergartenklasse und wechselte im Jahr 2000 nach Müselbach. Dort blieb sie bis im Jahr 2014, dann kam mit der Auflösung des Kindergartens im kleinen Dorf der Wechsel nach Dietschwil.

Was sind ihre bleibendsten Erinnerungen als Kindergärtnerin? «Da sind sicher die schönen Beziehungen mit den Eltern meiner Kindergärtler. Einige durfte ich über viele Jahre begleiten, vor allem dann, wenn gleich mehrere Kinder einer Familie zu mir in den Kindergarten gekommen sind.» Und weiter: «Ich fand es immer schön, als Teil des Dorfes wahrgenommen zu werden.» Dies trifft nicht nur auf Müselbach und Dietschwil zu. «Meine erste Stelle im Toggenburg trat ich in Mühlrüti an.» Die in Wilen bei Wil Aufgewachsene blieb fast ein Jahrzehnt und pflegte noch lange Kontakte mit den Menschen dort.

Die Umstellung auf Block- zeiten hat auch Nachteile

Ulla Ammann spricht auch die Veränderung im Kindergarten an. «Die Umstellung auf Blockzeiten bringt für erwerbstätige Mütter sicher Vorteile, viele Kinder sind nach meiner Einschätzung allerdings überfordert.» Vier Stunden am Morgen sowie zwei am Nachmittag seien viel, im Besonderen, wenn der Tag mit einer langen Busfahrt beginnt und endet.

Sie nehme häufig wahr, dass die Sprösslinge nach so einem Tag erschöpft seien. «Verschulung» nennt sie, was an den Kindergärten mehr und mehr Überhand nehme. «Kinder lernen beim Spiel und im Wald sehr viel. Wir sollten ihnen mehr Freiraum geben und sie nicht im Kindergarten schon auf die Schulstrukturen trimmen.»

Dass sie einmal Kindergärtnerin werden will, stand für sie schon früh fest. Weil sie aber bereits mit 15 die obligatorische Schule abschloss, musste sie die Zeit bis zum Beginn des Kindergartenseminars in St. Gallen, dessen Start erst mit 18 möglich war, überbrücken. Sie tat dies mit einem einjährigen Familienpraktikum in Rom, liess diesem ein Heimpraktikum im Kinderheim Unterwasser folgen und besuchte danach während eines Jahres die Frauenarbeitsschule in St. Gallen.

Gute Zeiten im Spital

Gerne erinnert sie sich auch an die Zeit am Kantonsspital St. Gallen zurück. «Ich absolvierte eine Zusatzausbildung, die es mir erlaubte, mit Kindern, die eine Wahrnehmungsbehinderung aufweisen, zu arbeiten. Ulla Ammann gehörte zu jenem Team, das unter der Leitung von Felicitas Affolter das Forschungsprojekt «Autismus» aufbaute.

Nun wird die Mutter von Nils (Jahrgang 86) und Robin (88), die vor gut zwei Jahren Grossmutter geworden ist, etwas vom bisherigen Tempo zurücknehmen. Allerdings ist dies nicht unbedingt wörtlich zu nehmen.

Als Besitzerin eines BMW-Motorrades 1200 GS und als Mitglied im Töffclub «Frauenpower Kirchberg» ist sie nach wie vor flott unterwegs. Ihr Kindergartenpensum in Dietschwil wird Monika Kuhn übernehmen, mit der sie sich die Stunden schon jetzt aufgeteilt hat.

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