Ein Holzschopf auf Rädern: Toggenburger bauen eigenen Fasnachtswagen mit ausfahrbarer Bar

Die Truppe «Wagenbau Toggenburg» baute eine hydraulisch ausfahrbare Bar im Holzschopf ihres Fasnachtswagen und fährt damit an diversen Umzügen mit.

Fränzi Göggel
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Die Obertoggenburger Entwicklungshelfer bedienen mit Edelweisshemd, Zipfelmütze, Pfeife und Schudderfezze an ihrer mobilen Hightech-Bar.

Die Obertoggenburger Entwicklungshelfer bedienen mit Edelweisshemd, Zipfelmütze, Pfeife und Schudderfezze an ihrer mobilen Hightech-Bar.

Bild: Benjamin Manser

Die sechs Freunde kennen sich seit der Schulzeit und wollen heuer an der Fasnacht etwas Eigenes auf die Beine stellen. Ohne Budget, dafür mit viel Begeisterung, machten sich die jungen Obertoggenburger dran, ihren Fasnachtstraum zu verwirklichen. Sie sind alle gleich alt, im vierten und letzten Lehrjahr ihrer handwerklichen Berufe, und nutzen diese Voraussetzungen, um einen extrem aufwendigen Fasnachtswagen zu bauen.

«Der Wagen sieht aus wie ein Holzschopf auf Rädern.» Aber das ist noch nicht alles. Im Innern befindet sich eine hydraulisch ausziehbare Bar mit einer Discokugel und Musik in perfekter Qualität aus der extra für den Wagen gekauften Stereoanlage. «Während des Umzugs verkaufen wir in der fahrenden Bar kaltes Bier vom Fass, Shots, flüssige scharfe Sachen und Kafi Luz», schwärmt Michael Egli, der angehende Schreiner aus Krummenau. Dora, die Mutter von Christoph Graser aus Ebnat Kappel, bäckt für die Umzüge mehrere Schlorzifladen.

Ein Bijou aus dem ausgedienten Lastwagenanhänger

Über eine Internet-Auktionsplattform fanden die Freunde einen ausgedienten, rostigen Lastwagenanhänger für wenig Geld. Doch erst während des Entrostens zeigte der Anhänger sein wahres Inneres. «Das Teil war schrottreif und gab extrem viel Arbeit», erzählt Michael Egli. «Glücklicherweise stellte uns die Firma Huser Landmaschinen in Wildhaus ihre Infrastruktur zur Verfügung, so hatten wir keine zusätzlichen Kosten.»

Doch die Wagenbauer hatten sich nicht auf die extrem zeitraubende und dreckige Büez eingestellt. Nach getaner Arbeit hatten sie für drei Monate die Nase voll von Roststaub. Die Idee, einen Wagen für die Fasnacht zu bauen, wurde vorerst auf Eis gelegt, der Anhänger in Ebnat-Kappel auf einem Parkplatz deponiert.

Das Motto entstand während des Bauens

Seit vier Monaten sind die Jungs wieder voll motiviert am Bauen. In der Halle der Zimmerei Gebrüder Giezendanner AG in Ebnat-Kappel durften sie in ihrer Freizeit am Wagen arbeiten. «Dass der Lernende des Betriebes, Marco Wittenwiler aus Krummenau, beim Bauen stets dabei sein musste, war die einzige Bedingung», erklärt Michael Egli. «Die letzten zwei Monate haben wir jeweils am Freitag und am Samstag bis weit nach Mitternacht am Wagen gearbeitet. Stets musste Marco den Traktor holen, um den Fasnachtswagen in die Halle und auch wieder hinaus zu karren. Ohne die Firma Giezendanner hätten wir keine Chance gehabt, den Wagen zu bauen.»

Lange Zeit hatten die Jungs kein Motto, zu sehr waren sie ins Bauen vertieft. Doch irgendwann besannen sie sich und merkten: Wir sechs sind geerdet, halten zusammen und wollen das Menschliche verbessern. So entstand das Motto «Obertoggenburger Entwicklungshelfer». Damit zielen sie vor allem auf die Lebensweise der schnelllebigen Menschen in den Städten.

Ohne Budget drauflosgebaut

Das Untergerüst des Fasnachtswagens besteht aus massiven Metallträgern, der Schopf mit der Bar ist aus Holz. Pascal Hofstetter, angehender Landmaschinenmechaniker aus Wildhaus, und die beiden Baumaschinenmechaniker Lukas Abderhalden aus Krummenau und Christoph Graser aus Ebnat-Kappel brachten ihr Wissen für die hydraulisch ausfahrende Bar ein. Schreinerlehrling Lukas Feurer aus Unterwasser und der angehende Zimmermann Marco Wittenwiler betreuten den Holzaufbau.

Am sechs Tonnen schweren Wagen mussten sie einen Unterfahrschutz, eine Beleuchtung und Reflektoren anbringen. Dazu mussten sie den Traktor mit Luftbremsen aufrüsten. Sämtliches Material für das Projekt kauften und zahlten die «Obertoggenburger Entwicklungshelfer» aus dem eigenen Sack. «Wir sind nicht so die, die sich nach Sponsoren durchfragen. Aber ja, wir haben es schon ein bisschen unterschätzt», sagt Michael Egli. Auch darum, weil sie nur sechs sind, die sich arbeitsmässig und finanziell dran beteiligen.

Getränkeverkauf soll Ausgaben decken

Die Vorräte sind aufgestockt.

Die Vorräte sind aufgestockt.

Bild: Benjamin Manser

Die erste Geldeinlage ist längst schon aufgebraucht. Jeder schoss nochmals einen Betrag ein, trotzdem sind die ausstehenden Rechnungen höher als das Guthaben. «Der Erlös aus dem Verkauf der Getränke hilft uns hoffentlich, die enormen Kosten zu decken. Ein bisschen blauäugig waren wir schon», erklärt Michael Egli. Geplant ist, dass der Wagen unter dem Jahr für weitere Feste wie Geburtstage genutzt wird. Darum ist der Zapfhahn für das Fassbier gekauft und nicht gemietet, und bei der Musikanlage wurde nicht gespart.

Die Idee, die den verkleideten Butzi-Kollegen an der letztjährigen Fasnacht zu später Stunde ins Hirn schoss, ist Wirklichkeit geworden. Der Wagen ist fertig, ein erster Umzug in Ganterschwil bereits Geschichte. Die «Obertoggenburger Entwicklungshelfer» sind noch an den Umzügen am 15. Februar in Bütschwil, am 21. Februar in Gommiswald, am 22. Februar in Schänis, am 23. Februar in Wil, am 25. Februar in Mels und am 29. Februar in Schönengrund zu erleben. Michael Egli schwärmt; «In Mels sind am Umzug nur fünf Wagen zugelassen. Aus den vielen Bewerbungen wurden wir ausgewählt, das macht uns stolz.»