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Ein Handwerk der Nachwelt erhalten

Damals: Das "Toggenburger Tagblatt" veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?
Das Teuchelbohren ist eine anstrengende Arbeit. (Bild: PD)

Das Teuchelbohren ist eine anstrengende Arbeit. (Bild: PD)

Vor 100 Jahren

15. Mai. Wattwil. Seit einigen Tagen entfaltet sich neue Bautätigkeit im grossen Etablissement der Firma Heberlein & Co. AG in der Rietwies. Es handelt sich nicht um eine Vergrösserung, welche der Vermehrung der Produktion dienen soll, sondern, wie wir durch die technische Leitung der Firma erfahren konnten, lediglich darum, eine drohende Gefahr abzuwenden und dadurch nicht nur das Geschäft vor grossem Schaden, sondern auch die zahlreichen Arbeiter vor teilweiser Arbeitslosigkeit, ja vor gänzlicher Arbeitseinstellung zu bewahren. Bekanntlich werden in Bleichereien ganz enorme Wassermengen gebraucht. Vor Fertigstellung der Thurkorrektion waren die Grundwasserverhältnisse so günstige, dass beliebige Mengen reines Wasser aus dem Boden gepumpt werden konnten. In Folge der Aenderung des Flusslaufes ist es anders geworden: Die Wasserbeschaffung war seither immer mit Schwierigkeiten und grossen Kosten verbunden und kam es schon seit einigen Jahren vor, dass in den wasserarmen Jahreszeiten im Etablissement gewisse Operationen vorübergehend wegen Wassermangel unterbrochen werden mussten.

Vor 50 Jahren

13. Mai: Unteres Toggenburg. Die Tiermehl Ostschweiz, Bazenheid, gegründet. Ihr Zweck besteht statutengemäss darin, tierische Abfälle und Nebenprodukte nach den Vorschriften des Bundes unschädlich zu beseitigen und technisch zu verwerten. Mit der Gründung sind die jahrelangen Arbeiten einer kleinen Studiengruppe ihrem Ziel ein gutes Stück näher gerückt. Die neue Aktiengesellschaft übernimmt damit wesentliche öffentliche Aufgaben im Gesundheitswesen, in der Tierseuchenbekämpfung und im Gewässerschutz.

13. Mai: Nesslau/Wildhaus. Es sind 50 Jahre her, dass das erste Postautomobil nach Wildhaus «schnaufte» und die bis dahin den Dienst versehenden Postkutschen ablöste.

20 Jahren

14. Mai: Ebersol. Teuchelbohren. Teuchel sind Wasserleitungsrohre aus Holz, die vor der Erfindung der Eisenrohre das Quellwasser zu den Häusern und Ställen brachten. Johann Hartmann im Löffelsberg und sein Sohn Josef erhalten das Handwerk des Teuchelbohrens für die Nachwelt. Vier bis fünf Meter lange Weiss- und Rottannenstämme und amerikanische Douglasstämme von 15 bis 20 Zentimetern Durchmesser wurden in der gesamten Länge durchbohrt. Das Teuchelbohren ist längst vergessenes Handwerk, seit mehr als fünfzig Jahren wurden keine Teuchel mehr verlegt.

Johann Hartmann ist in Nesslau aufgewachsen. Gleich nach der Schulzeit kam er nach einem Aufenthalt auf einer Alp mit dem Teuchelbohren in Berührung. Mit etwa drei Meter langen, handgeschmiedeten Bohrern werden die frisch geschlagenen Holzstämme dem Mark entlang von beiden Seiten her durchbohrt. Die schweren Bohrer werden von Hand in den Stamm eingedreht, nach wenigen Drehungen müssen die Späne wieder herausgezogen werden. Zwei bis drei Stunden müssen für eine Durchbohrung eines 40-Millimeter-Loches aufgewendet werden. Die Teuchel werden gebohrt solange sie noch nass sind. Bei nicht sofortiger Verwendung werden die Teuchel in einem Wasserteich gelagert. Im Erdreich vergraben, haben sie eine Dauerhaftigkeit von mindestens fünfzig Jahren., im lehmhaltigen Boden sogar bis zu hundert Jahren. Für Vater und Sohn Hartmann ist das Teuchelbohren nicht nur ein Handwerk, es ist ein Stück Kulturgut und Kulturhandwerk, das nicht in Vergessenheit geraten darf.

Vor 10 Jahren

10. Mai: Lichtensteig. Die Erbengemeinschaft Bösch und die Schweizerische Stiftung für Vogelschutzgebiete haben den Vogelherd renaturiert. Im Mittelalter wurden auf dem Vogelherd hoch über Lichtensteig Singvögel zwecks Verzehr gefangen. Darum ist er ein auch symbolisch idealer Ort für die Renaturierung: Singvögel und viele andere Kleintiere bekommen so mehr Lebensraum. Federführend war Vogelschützer Reto Zingg. Insgesamt umfasst das Projektgebiet 17 Hektaren. Der Vogelherd wird aber nun nicht zum Naturschutzgebiet. Er bleibt Kulturraum, die Wiesen werden weiterhin bewirtschaftet, allerdings in Zukunft extensiv, also ohne Dünger.

14. Mai: Wildhaus. Die Umbauarbeiten am Bergrestaurant Oberdorf haben am 5. Mai begonnen – einen Monat später als ursprünglich geplant. Verzögert wurde der Baubeginn bekanntlich durch einen Rechtsstreit. Nun hoffen die Verantwortlichen, bis Ende November beziehungsweise bis zum Beginn der Wintersaison alle Arbeiten rechtzeitig abschliessen zu können.

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