Interview
«Ein Grossteil der Wohnungen ist schon vor dem Spatenstich verkauft»

Werner Raschle von der werras wohnraum GmbH glaubt an die Zukunft des Wohnungsbaus im Neckertal. Wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis stimme, sei Wohnraum in dieser Gegend beliebt.

Urs M. Hemm
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Werner Raschle hat im Neckertal bereits mehrere Bauprojekte realisiert, weitere sind in Planung. (Bild: Urs M. Hemm)

Werner Raschle hat im Neckertal bereits mehrere Bauprojekte realisiert, weitere sind in Planung. (Bild: Urs M. Hemm)

Werner Raschle, im Neckertal stehen knapp zwei Prozent der Wohnungen leer, dies ist ein Anstieg im Vergleich zu 2013 um rund einem Prozent. Lohnt sich das Bauen von Wohnungen noch?

Grundsätzlich muss unterschieden werden, warum diese Wohnungen leer stehen. Bei uns ist oft die Qualität der Wohnungen der Grund, warum diese leer stehen. Ich merke aber, dass die Nachfrage nach Wohnraum vorhanden ist. Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss jedoch stimmen.

Bestimmt beim Wohnungsbau die Nachfrage das Angebot oder ist es umgekehrt?

Nach meiner Erfahrung ist es etwas von beidem. Ich hatte Wohnungen, die schnell verkauft waren, weil die Leute darauf gewartet hatten und aktiv auf der Suche waren. Andere hingegen, die nicht speziell auf der Suche waren, haben Wohnungen gekauft, weil das richtige Angebot gerade vorhanden war.

Sie bauen ausschliesslich Eigentumswohnungen im Neckertal, das in der Vergangenheit eher wegen der steten Bevölkerungsabwanderung von sich zu reden gab. Hat dieser Trend gedreht?

Die Einwohnerzahl im Neckertal nimmt tatsächlich wieder zu. Meine Käufer sind aber eher Leute, die im Ort von einem Haus in eine Eigentumswohnung umziehen möchten oder sich erstmals Wohneigentum leisten. Die Zuzüger sind meist junge Leute, die ein Haus oder allenfalls eine Mietwohnung suchen. Gerade aber im Mietwohnungsbereich ist das Angebot schlecht.

Es ist also nicht einfach, attraktive Mietwohnungen zu finden. Verhindern Sie, indem Sie ausschliesslich Eigentumswohnungen bauen, nicht den Zuzug von jungen Menschen, die hier arbeiten und leben wollen?

Wünschenswert wäre natürlich beides − gute Angebote im Eigentums-, wie auch Mietwohnungsbereich. Für Mietwohnungen braucht es aber immer Investoren, welche das Kapital einbringen. Auswärtige Investoren sind aber leider nicht dazu bereit, hier im Neckertal in Neubauten zu investieren. Diese legen ihr Geld lieber in Projekte an, die nahe bei oder in den Zentren geplant sind. Das heisst, wir müssten selber aktiv werden. Diesbezüglich fehlt den hiesigen Liegenschaftsbesitzern aber der Mut oder das Geld, um aus ihren alten Häusern etwas Neues zu machen.

Haben Sie keine Angst, auf Ihren Liegenschaften sitzen zu bleiben?

Nein, denn oftmals ist ein grosser Teil der Wohnungen schon vor dem Spatenstich verkauft. So war es auch beispielsweise bei einem aktuellen Bauprojekt in Brunnadern, wo fünf von sieben Wohnungen noch vor dem Baubeginn verkauft wurden. Wäre es nicht so, würde ich nicht bauen.

Sind es gemäss Ihrer Erfahrung mehrheitlich die Eigentümer selbst, die in diesen Wohnungen leben, oder werden diese an Dritte weitervermietet?

Der weitaus grössere Teil sind Selbstbewohner, nur wenige Einzelne vermieten die Wohnungen weiter.

Was für Menschen kaufen Ihre Wohnungen?

Das sind hauptsächlich Paare ohne Kinder oder dann sind deren Kinder bereits ausgezogen − und Alleinstehende mittleren Alters. Familien mit Kindern im schulpflichtigen Alter gehörten bisher ganz selten zu meinen Käufern. Junge Paare sind eher auf der Suche nach einem Haus. Wenn sie eine Wohnung suchen, dann ist das eher im urbanen Gebiet.

Worauf legen die Käufer bei Ihren Wohnungen besonderen Wert?

In der Hauptsache muss der Grundriss der Wohnung praktisch sein. Heute möchte man grosszügige, helle Wohnräume, eine helle Küche und gerade, nicht verwinkelte Räume, um Möbel aufstellen zu können. Wichtig sind zudem eine grosse Terrasse und ein Lift, der heutzutage zum Standard gehört. Entscheidend sind ausserdem die Lage und die hohe Lebensqualität, das heisst einerseits die Nähe zur Natur, andererseits die kurzen Wege in die urbanen Zentren.

Welches sind die entscheidenden Kaufkriterien bezüglich der umliegenden Infrastruktur des Wohnortes?

Die Infrastruktur ist eher zweitrangig. Viel wichtiger sind die sozialen Kontakte. Meine Käufer wohnten fast ausschliesslich in dem Ort − oder zumindest in der näheren Umgebung − wo sie auch die Wohnung gekauft haben. Busverbindungen oder Einkaufsmöglichkeiten beispielsweise spielen da eine untergeordnete Rolle, zumal alle mindestens ein Auto besitzen. Sind weitere Bauprojekte geplant? Es sind in der Tat einige Projekte in Planung, keines davon ist jedoch zum jetzigen Zeitpunkt schon spruchreif.