Ein gelungener Start im Rathaus für Kultur in Lichtensteig

Am Samstag öffnete das Rathaus für Kultur seine Türen. Trotz widriger Wetterumstände feierten hunderte Besucher die Eröffnung des neuen Toggenburger Kulturzentrums.

Sascha Erni
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Das Projektteam mit Maura Kressig, Sirkka Ammann und Maurin Gregorin zeigte sich an der Eröffnung des «Rathauses für Kultur» in Lichtensteig trotz Regenwetters bei bester Laune. (Bild: Sascha Erni)

Das Projektteam mit Maura Kressig, Sirkka Ammann und Maurin Gregorin zeigte sich an der Eröffnung des «Rathauses für Kultur» in Lichtensteig trotz Regenwetters bei bester Laune. (Bild: Sascha Erni)

Das Wetter war am 9. März nicht sonderlich in Feierlaune. Der Regen hielt aber gut 150 Gäste nicht davon ab, dem offiziellen Festakt trotzdem beizuwohnen. «Wir wollten keine der üblichen Stadtpräsidenten-Ansprachen, aber damit hatten wir dann doch nicht gerechnet», schmunzelte Maurin Gregorin vom Projektteam des Vereins «Rathaus für Kultur».

Denn Stadtpräsident Mathias Müller nahm die Aufforderung wörtlich; statt einer Ansprache hielt er eine «Anschrift» im strömenden Regen. Auf unzähligen Papierbögen betonte er die Bedeutung des neuen Kulturzentrums für Lichtensteig und das Toggenburg. Begleitet von Blasmusik und vielen Flaggen ehrte er – still – das Projektteam um Gregorin, Maura Kressig und Sirkka Ammann.

Stadtpräsident Mathias Müller präsentierte seine Rede als Anschreiben statt als Ansprache. (Bild: Sascha Erni)

Stadtpräsident Mathias Müller präsentierte seine Rede als Anschreiben statt als Ansprache. (Bild: Sascha Erni)

Die Vorarbeiten für das Rathaus für Kultur hatten etwa eineinhalb Jahre in Anspruch genommen, erklärte Sirkka Ammann im Gespräch. Die letzten Monate standen ganz im Zeichen der Renovationsarbeiten, die das denkmalgeschützte Gebäude für verschiedenste kulturelle Anlässe fit machen sollten. Am Samstag nun öffnete das neue Kulturzentrum seine Türen für die Öffentlichkeit. An die 300 Neugierige nutzten die Chance, sich selbst ein Bild von der Arbeit der gut 80 freiwilligen Helfer zu machen.

Vielfältiges kulturelles Angebot

Wo sich zuvor Gemeindemitarbeitende mit Aktenbergen herumschlagen durften, befinden sich nun Ateliers, Ausstellungs- und Projekträume. Die «Rathausstube» bekommt als Lokal ihre alte Aufgabe zurück, das oberste Geschoss des Gebäudes wurde für den Verein «Dogo Residenz für Neue Kunst» zur Künstlerwohnung umfunktioniert. Was am Samstag aber am meisten Eindruck machte, war, wie lebendig und frisch sich die ehemalige Gemeindeverwaltung nun anfühlt.

Die Rathausstube ist nun neu (wieder) ein Lokal, dessen Angebot an der Eröffnung rege genutzt wurde. (Bild: Sascha Erni)

Die Rathausstube ist nun neu (wieder) ein Lokal, dessen Angebot an der Eröffnung rege genutzt wurde. (Bild: Sascha Erni)

Um die Vielfalt des Angebots zu demonstrieren griff das Rathaus für Kultur in die Vollen. Der Violinist Daniel Treyer vom Duo Corda begleitete zum Beispiel die Theaterschauspielerin Seraina Kobelt bei ihren Improvisationen. Im Treppenhaus zeigten die gegenwärtigen Bewohner der Dogo-Residenz die Performance-Installation «Nacktschnecken ausziehen», die Atelier-Mieterin Susanne Kaiser ihr Werk «Wort Bild». Die Kinderkunstschule lud zum Mitmachen ein, auch Reni Kressigs Wachsatelier war geöffnet. Die irrwitzige Ausstellung «Büro für absolut Relevantes» lädt noch bis zum 20. April Besucher ein, sich mit dem Wahnsinn der Büroarbeit auseinanderzusetzen.

Musik nicht nur im Rathaus

Die Feier verlagerte sich in der Nacht in die Kalberhalle. (Bild: Sascha Erni)

Die Feier verlagerte sich in der Nacht in die Kalberhalle. (Bild: Sascha Erni)

Eine zentrale Rolle nahm am Eröffnungstag jedoch die Musik ein. So vielfältig das Rathaus für Kultur sein will, so verschieden waren dann auch die auftretenden Künstler. Bevor DJ Otto von Ohr das Treppenhaus mit ruhigen Klängen erfüllte, hatten die Free-Jazzer von «Schööf» ein fulminantes Set zum besten gegeben. «Eigentlich hätten sie auch im Treppenhaus spielen sollen», erklärte Projektleiterin Maura Kressig. «Aber dann zeigte sich der Projektraum akustisch als die bessere Wahl.» Die komplexen, halb komponierten und halb improvisierten Stücke des Quartetts bewegten sich am Samstag irgendwo zwischen John Zorn und «The Dillinger Escape Plan» und wussten auch Besucher zu faszinieren, die sonst nur wenig mit experimenteller Musik am Hut haben.

Ab 21 Uhr verschob sich die Feier in die Kalberhalle. Auch hier sollte es musikalisch vielfältig bleiben: «Haubi» hatte gleich eine doppelte Premiere, trat die Formation doch zum ersten Mal als Duo auf und spielte bisher unveröffentlichte Mundart-Songs. Weiter ging es mit «Jessiquoi», die einen tanzbaren Mix aus Rap, Pop und elektronischer Musik präsentierten. DJ Real Madrid schliesslich liess mit der Afterparty einen gelungenen Abend bis in die frühen Morgenstunden ausklingen.

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