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Ein Buch über ein «unterschätztes Tal»: Journalistinnen wollen dem Toggenburg zu mehr Anerkennung verhelfen

Zwei Journalistinnen mit engem Bezug zum Toggenburg verfassen ein Buch, das schöne, spektakuläre und überraschende Orte des Tals zeigt. Dabei werden sie von der Motivation getrieben, die besten Seiten der aus ihrer Sicht unterschätzten Region zu präsentieren.
Timon Kobelt
Fast wie ein Scherenschnitt: Der Solitär-Ahornbaum oberhalb von Ennetbühl, der im Buch «111 Orte rund um den Säntis, die man gesehen haben muss» einer der besonderen Orte sein wird. (Bild: PD)

Fast wie ein Scherenschnitt: Der Solitär-Ahornbaum oberhalb von Ennetbühl, der im Buch «111 Orte rund um den Säntis, die man gesehen haben muss» einer der besonderen Orte sein wird. (Bild: PD)

«Wir wollen den Kanton Säntis wieder aufleben lassen», antworten die beiden Journalistinnen Nina Kobelt und Silvia Schaub auf die Frage, warum sie ein Buch über die Regionen Toggenburg und Appenzell schreiben. Der Kanton Säntis war ein Kanton der Helvetischen Republik. Unter anderem gehörten diesem die heutigen Halbkantone aus dem Appenzell sowie das Toggenburg bis und mit Wattwil an. Nach dem Vorbild der Franzosen, welche die Helvetische Republik ausriefen und der Geografie grosse Bedeutung beimassen, fand der Kanton anhand eines geografischen Merkmals, des Säntis, seinen Namen. Mit Inkrafttreten der Verfassung vom 29. Mai 1801 wurde er in Kanton Appenzell umbenannt.

Nicht zufällig haben die beiden Journalistinnen den Säntis in den Titel ihres Buches «111 Orte rund um den Säntis, die man gesehen haben muss» integriert. «Der Säntis ist aufgrund seiner historischen und geografischen Bedeutung ein super Eye-Catcher», sagt Silvia Schaub.

Die unterschätze Region Toggenburg

Im Wald auf der Wolzenalp bei Krummenau thront eine geschnitzte Eule. (Bild: PD)

Im Wald auf der Wolzenalp bei Krummenau thront eine geschnitzte Eule. (Bild: PD)

Das Buch verfassen die beiden Frauen im Auftrag des Emos Verlags, der schon unzählige Werke des Typs 111 Orte hervorgebracht hat. Die Bücher sind so aufgebaut, dass 111 Orte einer Region jeweils mit einem Bild und einem kurzen Text vorgestellt werden. Silvia Schaub hat bereits ein solches Buch über das Engadin geschrieben. In ihrem aktuellen Werk präsentieren sie und Nina Kobelt hauptsächlich Orte aus dem Toggenburg aber auch aus dem Appenzellerland.

Wie kommt nun ausgerechnet die Zürcherin Silvia Schaub, die im Aargau lebt, auf die Idee, ein Buch übers Toggenburg zu schreiben? «Da ich ein Bed&Breakfast (B&B) in Ennetbühl besitze, kenn ich das Toggenburg gut. Meiner Meinung nach wird das Tal leider total unterschätzt», sagt die 55-Jährige. Ihre Kollegin Nina Kobelt schlägt in die gleiche Kerbe.

«Manchmal habe ich den Eindruck, dass ‹kein Schwein› das Toggenburg kennt, obwohl die Region so viel zu bieten hat.»

Nina Kobelt, Journalistin und Buchautorin.

Als waschechte Toggenburgerin schmerzt das die 43-Jährige. Sie ist in Wattwil aufgewachsen und hat dort die Kantonsschule absolviert. Heute lebt sie in Bern und arbeitet unter anderem für die «Sonntagszeitung» und die «Berner Zeitung», wobei auch ihre Journalistenkarriere in Wattwil ihren Ursprung hat. 1999 arbeitete sie als Volontärin beim «Toggenburger». «Besonders Spass bereitete mir eine Sommerserie zum Thema Wandern», sagt Nina Kobelt. Dadurch habe sie viele Orte im Toggenburg kennen gelernt.

Immer auf der Suche nach Geschichten

Dank des fleissigen Wanderns habe sie schon einige Orte im Hinterkopf gehabt. «Aber vieles habe ich auch vergessen. Da ich schon seit über 20 Jahren nicht mehr im Toggenburg lebe, kommt es mir manchmal so vor, als würde ich die Heimat neu entdecken», sagt Nina Kobelt. «Von aussen zu kommen», darin sieht auch Silvia Schaub Vorteile.

«Vielleicht fragen sich manche, ob eine Unterländerin geeignet ist, ein Buch übers Toggenburg zu schreiben. Ich bin aber überzeugt, dass ich die Dinge anders sehe als die Menschen, die schon 50 Jahre hier leben»

Silvia Schaub, Journalistin und Buchautorin.

Und so suchen die beiden Journalistinnen die Orte für ihr Buch, die bei den Leuten vielleicht in Vergessenheit geraten sind. Der Verlag wolle nicht, dass zu touristische Orte den Weg ins Buch fänden, da diese oft schon in Reiseführern enthalten seien. Also sind die beiden Frauen, die sich auf einer Pressereise in Island kennen gelernt haben, stetig auf der Suche nach den speziellen Geschichten. Silvia Schaub nennt ein Beispiel: «Einer meiner Orte ist der Bahnhof Wattwil. Dort steht in Kreuzchen ‹Grüezi Wattwil› geschrieben, um auf die Textilgeschichte der Firma Heberlein aufmerksam zu machen. Das ist als Geschichte zu wenig.» Als Nina ihr aber erzählte, dass sie gelesen habe, der Bahnhof Wattwil sei der pünktlichste der Schweiz, habe es genug «Fleisch am Knochen» gehabt, um den Bahnhof ins Buch aufzunehmen. Die Zusammenarbeit zwischen ihnen funktioniere, betonen die beiden. Auch, weil sie regelmässig im Toggenburg seien. Silvia Schaub arbeitet meist in ihrem B&B am Buch, Nina Kobelt hat sich temporär im Coworking in Lichtensteig einquartiert.

Reden als zentrales Instrument der Recherche

Der Dürrenbach in Stein mit Wasserschwellen bietet ein tolles Naturerlebnis. (Bild: PD)

Der Dürrenbach in Stein mit Wasserschwellen bietet ein tolles Naturerlebnis. (Bild: PD)

«Für die Erstellung des Buches ist es entscheidend, dass man eine gewisse Zeit vor Ort ist», sind sich beide einig. Schliesslich sei das Buch kein fiktiver Roman, den man ortsunabhängig schreiben könne. Ausserdem komme man auf Platz besser mit Leuten in Kontakt, denn nebst der Lektüre von Zeitungen und Büchern, sei mit Menschen reden das wichtigste Instrument der Recherche. «Ich bin beispielsweise auf den Dürrenbach mit Wasserschwellen in Stein gestossen, den ich wunderschön finde. Zu diesem steht nirgends etwas geschrieben. Besonders dann ist man auf die Hilfe der Einheimischen angewiesen», sagt Silvia Schaub.

Um den Prozess des Buches zu dokumentieren, betreiben die zwei Journalistinnen den Instagram-Account rund_um_den_saentis. Dort posten sie regelmässig selbstgeschossene Fotos, auch von Orten, die nur eventuell Eingang ins Buch finden. Sie erhoffen sich dadurch einerseits Aufmerksamkeit und andererseits neue Inputs von den Instagram-Nutzern.

Das Schreiben des Buches unterscheidet sich gemäss Nina Kobelt kaum von der journalistischen Arbeit: «Wie gesagt ist es kein Roman, der einen roten Faden durch das ganze Buch benötigt. Es kommt mir vor, als würden wir 111 Zeitungsartikel schreiben.» Entscheidend sei, wie bei Nachrichten, dass man bei jedem Ort die Essenz herausziehe. Dafür bleibt noch bis Ende Oktober Zeit. Dann ist Redaktionsschluss. Das Buch erscheint voraussichtlich nächsten Frühling.

Hinweis

Nina Kobelt (*1974) ist die Cousine von Redaktor Timon Kobelt (*1994).

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