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Ein bisschen Broadway in Unterwasser

Am 29. Mai feierte die Produktion des Musicals «Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat» in der Event- und Tennishalle Premiere. Das erste biblische Musical von Andrew Lloyd Webber, aufgeführt von Jugendlichen aus den Gemeinden des Toggenburgs, begeisterte sein Publikum.
Sascha Erni
Die elf Brüder sind neidisch auf Joseph und seinen farbigen Mantel. (Bild: Sascha Erni)

Die elf Brüder sind neidisch auf Joseph und seinen farbigen Mantel. (Bild: Sascha Erni)

«Dein Bart ist ja geil!», staunte eine der Darstellerinnen während des Soundchecks an der Premiere von «Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat.» Dann blickte sie ein letztes Mal nervös auf ihr Handy.

27 junge Darsteller und 20 Musiker im Orchester

Nach Monaten des Probens sollte es am Auffahrtswochenende ernst gelten: Das Team um den Musiker und Dirigenten Matthias Ammann brachte mit 27 jungen Darstellern und einem zwanzigköpfigen Orchester Andrew Lloyd Webbers erstes biblisches Musical nach Unterwasser.

«Wir wollen den jungen Talenten auf der Bühne eine super Plattform bieten.»

«Wer weiss, vielleicht ist das heute Abend für einige der Anfang einer musikalischen Karriere», sagte Matthias Ammann in seiner Begrüssung.

Hunderte Gäste an der Premiere waren begeistert, und als nach gut zweieinhalb Stunden die letzten Töne verklangen, folgte minutenlanger Applaus. Das Lampenfieber der Schülerinnen und Schüler hatte sich als unberechtigt erwiesen. Und auch die Bärte hielten den schweisstreibenden Abend lang durch.

Joseph macht Karriere vom Sklaven zum Vertrauten des Pharaos

Wir befinden uns im ersten Buch Mose. Jacob hat zwölf Söhne, einer davon ist Joseph (Theo Sennhauser). Aber seine Brüder sind eifersüchtig, denn nicht nur hat er von seinem Vater einen farbenfrohen Mantel bekommen, der ihn als den Lieblingssohn auszeichnet.

Nein, er ist auch noch erstaunlich gut darin, Träume zu deuten. Also verkaufen die Brüder Joseph in die Sklaverei und täuschen seinen Tod vor.

Wider Erwarten macht Joseph Karriere und steigt vom Lieblingssklaven zum Vertrauten des Pharaos (stark: Remo Forrer) auf. Ausgerechnet Joseph soll sich um seine Brüder kümmern, die wegen einer Hungersnot beim König betteln – aber Joseph nicht erkennen.

Eingängige Melodien und viel Humor

Die biblische Moralgeschichte setzte Tim Rice von 1968 bis 1970 mit viel Humor und Subversion in gewitzte Dialoge um, die bereits erahnen liessen, was er später mit «Jesus Christ Superstar» erschaffen würde. Co-Autor Andrew Lloyd Webber komponierte mit «Joseph» bereits als Zwanzigjähriger einen überraschend kreativen Genre-Mix.

Auf Reggae folgt Charleston, Boogie-Woogie gibt Squaredance die Hand, und Pharao erscheint als eine frühere Inkarnation Elvis Presleys. Das macht das Musical für die Zuschauer sehr abwechslungsreich und für die Darstellerinnen und Darsteller leicht zu erlernen. Denn «Joseph» kommt fast ohne Sprechtexte aus.

Man übt gut zwei Dutzend eingängige Songs, statt sich ellenlange Dialoge zu merken. Kein Wunder, dass sich das Stück weltweit nicht nur auf den grossen Bühnen, sondern auch bei Laiengruppen grosser Beliebtheit erfreut.

Silvia Kuratli, Remo Forrer und Theo Sennhauser überzeugten besonders

Auch für «Musical Toggenburg» war «Joseph» ein Glücksgriff. Mit viel Enthusiasmus spielten sich die Schülerinnen und Schüler aus elf Gemeinden in die Herzen des Publikums.

Die Erzählerin (Silvia Kuratli, Mitte) führte singend durch den Abend in Unterwasser. (Bild: Sascha Erni)

Die Erzählerin (Silvia Kuratli, Mitte) führte singend durch den Abend in Unterwasser. (Bild: Sascha Erni)

Nach akustisch-technischen Problemen konnten besonders Silvia Kuratli als Erzählerin und Theo Sennhauser in der Titelrolle überzeugen – und Remo Forrers herrlich überdrehter Pharao erntete Szenenapplaus. «Man merkt, dass sie seit Februar praktisch rund um die Uhr geprobt haben», sagte ein Premierengast.

Überzeugende Produktion nahe Profiniveau

Unter der Regie Daniel Kollers wird «Joseph» zum ausdrucksstarken Märchen. Er inszeniert die Geschichte als ein Stück grosser Gesten, das nie im Pathos versinkt, sondern immer das Absurde und den Witz im Hinterkopf behält.

Sonja Rüeggs Bühnenbild ist äusserst effektiv. Die Lichtregie tut das Ihre, dass man sich mehr am Broadway als in Unterwasser glaubt.

Hohe Qualität der Tanznummern

Wie die Pausengespräche zeigten, war für viele Besucher die hohe Qualität der Tanznummern überraschend. Trotz komplexer Schrittfolgen und weiträumigen Abläufen brachten die Darsteller die energiegeladene Choreografie von Yvonne Barthel überzeugend aufs Parkett. Damit hätte so manches Erwachsenen-Ensemble seine Mühe gehabt.

Das Team um Matthias Ammann steckte ebenso viel Herzblut ins Musical wie die Akteure. Zu Beginn hatte Ammann das Publikum gefragt: «Das Leiterteam besteht aus acht Leuten. Was schätzen Sie – wie viele ehrenamtliche Stunden haben sie investiert, wenn man es mit der Anzahl Sponsoren multipliziert?»

Der Korrespondent schätze 32 256 Stunden. Wenn man sich das Ergebnis anschaut, dürfte das etwa stimmen.

Derniere am Samstagabend

Das Musical «Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat» wird noch vom Donnerstag, 30. Mai, bis zum Samstag, 1. Juni (Derniere), jeweils mit Beginn um 20 Uhr aufgeführt. Am Samstag findet es eine weitere Aufführung speziell für Familien mit Beginn um 13.30 Uhr statt.

Spielort für alle Aufführungen ist die Tennishalle Unterwasser. Weitere Informationen findet man im Internet unter www.musical-toggenburg.ch.

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