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Interview

Ein Baschi-Song für Kirchberg? «Da müssten 300 BHs angeflogen kommen»

Schon zum dritten Mal gastierte Baschi am Samstag in der «Eintracht». Im Interview ein paar Stunden zuvor erzählt er von idyllischen Studios und wie es ist, mit Günter Netzer Fussball zu schauen.
Pablo Rohner
Der familiäre Rahmen in der «Eintracht» komme ihm zum Tourauftakt entgegen, meint Baschi. (Bild: Pablo Rohner)

Der familiäre Rahmen in der «Eintracht» komme ihm zum Tourauftakt entgegen, meint Baschi. (Bild: Pablo Rohner)

In der «Eintracht» herrscht reger Betrieb. Techniker und Musiker wuseln durcheinander und stellen für das Konzert auf, das in ein paar Stunden beginnt. Zum Interview kommt Baschi an die Bar, wo ein Sandwich und ein Glas Wasser auf ihn warten.

Baschi, würden Sie als Fussballfan jetzt nicht lieber das Ruhrpott-Derby Schalke gegen Dortmund schauen?

Stimmt, das wäre auch noch geil. Dortmund spielt super Fussball diese Saison.

Ihr neues Album heisst «1986», ihr Geburtsjahr. Wissen Sie, was 1986 in Kirchberg passiert ist?

Nein, aber Sie werden es mir sicher gleich erzählen.

Da haben Züri West in den legendären Sunrise Studios an der Sonnenhofstrasse die Maxi-Single «Kirchberg» aufgenommen. Was müsste heute Abend passieren, damit Sie einen Song über Kirchberg schreiben?

Einen ganzen Song? Da müssten schon dreihundert BHs angeflogen kommen, oder so. Im Ernst: Ich bin vorher durch das Haus gelaufen und es fühlte sich ein bisschen wie nach Hause kommen an. Es ist wie bei den letzten zwei Mal, als ich hier war. Es riecht gut, weil schon am Nachmittag etwas gekocht wird, es herrscht einfach eine entspannte Atmosphäre. Und hier hat ja schon jede grosse Schweizer Band gespielt, oder?

Bis auf Jack Stoiker auch alle Gastmusikerinnen und Gastmusiker, die auf Ihrem neuen Song «LSG» zu hören sind.

Warum der eigentlich nicht? Der ist doch ungefähr von hier.

Ungefähr, ja…

Ich finde es toll, dass sich ein Haus wie dieses zu einem Fixpunkt in der Konzertlandschaft entwickelt hat. Ich weiss ja nicht, ob in Kirchberg sonst viel läuft.

Es geht…

Dann ist es doch umso wertvoller, so einen Ort im Dorf zu haben. In Gelterkinden, wo ich aufgewachsen bin, gab es etwas ähnliches, Marabu hiess das. An die Konzerte dort ist man einfach gegangen. Da war es relativ egal, wer aufgetreten ist.

Heute Abend ist das erste Konzert der Tournee zu Ihrem neuen Album «1986». Ist der kleine Rahmen zum Auftakt bewusst gewählt?

Das müsste ich meinen Booker fragen. Aber, ehrlich gesagt, ich glaube, es kommt mir entgegen. Wir spielen um die zwanzig Lieder. Ich gehe alle Texte immer wieder vor dem geistigen Auge durch und manchmal mache ich mich selber ein bisschen verrückt damit. Darum bin ich happy, dass es heute ein familiärer Rahmen ist. So kann ich rausgehen und es einfach geniessen, ohne dass es mega schlimm wäre, wenn etwas nicht perfekt gelingt.

Zurück zu den Sunrise Studios. Sie betreiben mit Ihrem Gitarristen Philippe Merk selbst ein Tonstudio, in Möhlin. Was ist der Reiz an Studios, die ab vom Schuss sind?

Musiker sprechen sehr auf ihr Umfeld an. Viele suchen Ruhe und Idylle, um Songs zu schreiben und aufzunehmen. Dann gibt es aber auch Bands, die gerne eine Atmosphäre von Städten wie Berlin lieber haben, lärmig, mitten drin im Trubel der Metropole.

Wie ist es bei Ihnen?

Ich glaube, ich gehöre eher zu den ersten. Heute nehmen wir im eigenen Studio auf. Einer kleinen Villa mit wunderschönem Park rundum. Wir waren aber auch mal in Fribourg im Relief Studio, wo zum Beispiel auch die Young Gods schon aufgenommen haben. Das ist eine uralte Hütte mit zum Teil altem, aber gutem Equipment. Und der Betreiber, Dom Torche, lebt für das, was er tut. Solche Orte mag ich.

Wie waren die Aufnahmen zu «1986»?

Ich habe Wert darauf gelegt, dass die Band im Studio ist und das Album einspielt. Beim Proben haben wir gemerkt, wie gut sich die Songs anfühlen. Es ist ein richtiges Band-Album, super zum Spielen. Ich finde, so klingt es auch.

In vielen Songs auf «1986» klingen Sie nachdenklicher als auf den letzten Alben.

Das kann man so hören, denke ich. Ich weiss jetzt nicht, ob ich ein reflektierter Mensch bin, aber es ist schon eine Art Rückschau. Schliesslich bin ich jetzt fünfzehn Jahre unterwegs.

Wie haben Sie es nach dem EM-Hit «Bring en hei» von 2008 geschafft, nicht zum volkstümlichen Nationalrocker à la Gölä zu werden?

Ach, so bin ich einfach nicht. Auch so etwas wie Trauffer macht, das wäre nie mein Ding. Dafür mache ich in der Musik zu gerne Dinge, die auf dieser Schiene nicht gingen. Darum bin ich auch nicht so richtig tauglich für die ganz grosse Masse, glaube ich.

Ein Album von Ihnen hiess auch mal «Fürs Volk».

Das ging vielleicht in die Richtung. Aber das ist bei mir nie im politischen Sinn von «Wir sind das Volk» gemeint, das hört man auch in den Texten. Wir alle müssen miteinander auskommen, sonst kommen wir ja nirgendwo hin. Mit extremen politischen Einstellungen kann ich nichts anfangen. Wenn du extrem sein willst, sei extrem in der Musik, in der Kunst oder so.

Was ist die musikalisch extremste Band, die Sie hören?

Im Studio hören wir gerne mal Pantera. Ihre legendären Alben sind jetzt zwanzig Jahre alt, blasen aber immer noch alles weg. Und die Bands aus der Richtung wollen ja heute noch klingen wie sie.

Sie und Günter Netzers Tochter Alana sind ein Paar. Deshalb zum Schluss nochmals eine Fussballfrage: Wie ist es, mit Netzer Fussball zu schauen?

Er ist genauso wie im ARD-Fernsehstudio. Wenn er Geschichten von den grossen Turnieren in den siebziger Jahren erzählt oder davon, dass er kürzlich am Telefon wieder einmal mit Johan Cruyff über irgendeine frühere Wahl zu Europas Fussballer gestritten hat, denke ich als Fan schon, das habe ich mir ganz gut ausgesucht.

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