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Eidechsen beim Gemeindehaus – Toggenburger Gemeinden treten dem Schwund von Grunflächen entgegen

Seit diesem Frühling ruft das Projekt «Mission B» dazu auf, mit eigenen Pflanzungen dem Schwund von Grünflächen entgegenzuhalten. Die Toggenburger Gemeinden beteiligen sich daran auf unterschiedliche Weise.
Urs M. Hemm
Im Städtli kümmert sich die «Gruppe Blühendes Lichtensteig» um die Bepflanzung, wie hier bei der alten Post. (Bild: Urs M. Hemm)

Im Städtli kümmert sich die «Gruppe Blühendes Lichtensteig» um die Bepflanzung, wie hier bei der alten Post. (Bild: Urs M. Hemm)

Wo immer möglich würden Flächen mit einheimischen Gewächsen bepflanzt. Die Gemeinde animiere auch Privatpersonen dazu, ihre Gärten, aber auch ihre Flachdächer artenreich und naturnah zu bepflanzen, sagt Toni Hässig, Gemeindepräsident von Oberhelfenschwil. Als Beispiel nennt Hässig das Gemeinschaftsgrab auf dem Oberhelfenschwiler Friedhof, dass mit den unterschiedlichsten Blumen, Gräsern und Kräutern zahllosen Insekten und verschiedenen Vogelarten Nahrung und Unterschlupf bietet.

Die Bepflanzung des Gemeinschaftsgrabes auf dem Oberhelfenschwiler Friedhof bietet ausreichend Nahrung für zahllose Insekten. (Bild: Urs M. Hemm)

Die Bepflanzung des Gemeinschaftsgrabes auf dem Oberhelfenschwiler Friedhof bietet ausreichend Nahrung für zahllose Insekten. (Bild: Urs M. Hemm)

Im Ranking von «Mission B» der Toggenburger Gemeinden nimmt Oberhelfenschwil mit 0,3 Quadratmeter neuer Naturfläche pro Einwohner die Spitzenposition ein. Auf dem zweiten Platz folgt Kirchberg mit 0,09 gefolgt von Lichtensteig mit 0,07 Quadratmeter. Den letzten Platz teilen sich Lütisburg, Bütschwil-Ganterschwil, Nesslau und Wildhaus-Alt St. Johann mit jeweils null Quadratmeter. Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass sich diese und die Gemeinden im Mittelfeld nicht für die Erhaltung und Ausweitung der Biodiversität einsetzen. Sie haben lediglich ihre allenfalls anrechenbaren Flächen nicht bei «Mission B» gemeldet.

«Mission B» für mehr Biodiversität

«Mission B» ist eine Aktion, mit der dem Rückgang der Artenvielfalt entgegengewirkt werden soll. Da in der Schweiz jede Sekunde 0,7 Quadratmeter Grünfläche durch bauliche Massnahmen verloren gehen, finden Pflanzen immer weniger Platz, um zu wachsen. Daher sterben beispielsweise Insekten und somit auch Vögel, weil sie keine Nahrung mehr finden. Durch den Verlust der Grünflächen − auch 80 Prozent aller Feuchtgebiete sind bereits verschwunden − ist ein Drittel aller in der Schweiz lebenden Arten bedroht.

Das Ziel von «Mission B» ist es, die Zusammenhänge der Biodiversität aufzuzeigen, das Bewusstsein zu stärken und Ideen zu geben, was man selbst zum Erhalt einer schönen, artenreichen Natur beitragen kann. So sollen während eineinhalb Jahren möglichst viele biodiverse Flächen entstehen, in der Schmetterlinge, Wildbienen, Vögel oder Eidechsen ein Zuhause finden. Mit geringen Aufwand kann bereits vieles bewirkt werden.

Bei «Mission B» kann jeder (Familien, Gemeinden, Vereine, Schulen, Firmen oder Wohngemeinschaften und Einzelpersonen) mitmachen, der neue, naturnahe Flächen schafft − sei es im Garten, auf dem Flachdach oder vor dem Fenster. Jede neu geschaffene Fläche kann auf www.missionb.ch gemeldet werden.
Das Projekt «Mission B» wurde vom Schweizer Radio und Fernsehen SRF lanciert. (pd/uh)

Ohne Dünger und Spritzmittel

In Lichtensteig kümmert sich die «Gruppe Blühendes Lichtensteig» unter anderem um die Bepflanzung verschiedener Freiflächen der Gemeinde. Ihr Ziel ist es einerseits, das Ortsbild zu verschönern. Andererseits möchte die Gruppe auf den Nutzen der Pflanzen für die Tierwelt aufmerksam machen. Bei der Art der Bepflanzung werden vornehmlich einheimische Gewächse gewählt.

In Hinblick darauf, dass diese Pflanzen Insekten und Bienen als Nahrungsgrundlage dienen, werden weder Dünger noch Spritzmittel eingesetzt. Die Gruppe Blühendes Lichtensteig berät auch Bewohner bei der Bepflanzung und Pflege ihrer Gärten und ermuntert diese ebenfalls, Hausfassaden zu begrünen. Lichtensteig hat auf der Internetseite von «Mission B» 135 Quadratmeter neue Naturfläche gemeldet. Das entspricht den erwähnten 0,07 Quadratmetern pro Einwohner.

Mit gutem Beispiel vorangehen

Die Gemeinde Wattwil liegt mit 0,01 Quadratmeter neuer Naturfläche im hinteren Drittel der Toggenburg-internen Rangliste. Marc Bohnenblust, Kommunikationsbeauftragter der Gemeinde, begründet dies damit, dass sich Wattwil in erster Linie für den Naturschutz durch Vernetzungsprojekte und ökologische Ausgleichsflächen im Landwirtschaftsgebiet engagiere. Gemäss letzter Erhebung würden sich rund 80 Betriebe an solchen Projekten beteiligen.

Wattwil lässt es aber nicht darauf beruhen: «Die Gemeinde gibt bei Baugesuchen in Bezug auf die Naturnahe Umgebungsgestaltung das Merkblatt ‹Standortgerechte und einheimische Pflanzen im Siedlungsgebiet› ab», sagt Marc Bohnenblust und geht dabei selbst bei gemeindeeigenen Liegenschaften mit gutem Beispiel voran. So wurde hinter dem Gemeindehaus ein Steinhaufen errichtet, der insbesondere Eidechsen als Habitat dienen soll. Daneben bieten zahlreiche Wildpflanzen, Gräser und Sträucher Nahrung für Insekten und Unterschlupf für kleinere Vögel.

Hinter dem Wattwiler Gemeindehaus bietet ein Steinhaufen Lebensraum für Eidechsen. (Bild: Urs M. Hemm)

Hinter dem Wattwiler Gemeindehaus bietet ein Steinhaufen Lebensraum für Eidechsen. (Bild: Urs M. Hemm)

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