Ehrung
Der Baumwipfelpfad Neckertal gewinnt den Prix Montagne Publikumspreis – Jury spricht von «unerhörten Qualitäten» des Toggenburgs

Das Jungunternehmen Timbaer erhält den diesjährigen Prix Montagne der Schweizer Berghilfe verliehen. Mit dem Publikumspreis wurde der Baumwipfelpfad Neckertal geehrt.

Urs M. Hemm
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Freuen sich über den Preis: Verwaltungsratspräsident Christoph Meier, Verwaltungsrat Roland Stump, die Geschäftsleiterin Melanie Anon und ihr Stellvertreter Ricco Dontasch, der Mitinitiator des Projekts Werner Ackermann sowie Verwaltungsratsmitglied Christof Gantner (von links).

Freuen sich über den Preis: Verwaltungsratspräsident Christoph Meier, Verwaltungsrat Roland Stump, die Geschäftsleiterin Melanie Anon und ihr Stellvertreter Ricco Dontasch, der Mitinitiator des Projekts Werner Ackermann sowie Verwaltungsratsmitglied Christof Gantner (von links).

Bild: Max Hugelshofer

Im Eventforum Bern wurde heute in feierlichem Rahmen der Prix Montagne 2021 verliehen. Aus insgesamt 59 Bewerbungen schafften es sechs Projekte in die Endauswahl für den mit 40'000 Franken dotierten Preis der Fachjury sowie für den Publikumspreis, der mit 20'000 Franken dotiert ist.

Sowohl bei der Fachjury als auch beim Publikum schwangen Projekte aus der Ostschweiz oben aus. Der Publikumspreis ging an den Baumwipfelpfad Neckertal, der Preis der Fachjury wurde an das Appenzeller Jungunternehmen Timbaer verliehen.

Publikum stimmt für Baumwipfelpfad

An der Online-Abstimmung für den Publikumspreis beteiligten sich rund 6500 Personen. Die Mehrheit davon erhielt der Baumwipfelpfad Neckertal in Mogelsberg. Dazu sagte Melanie Anon, Geschäftsleiterin des Baumwipfelpfads Neckertal, unmittelbar nach der Preisverleihung:

«Ehrlich gesagt haben wir nicht erwartet, überhaupt einen Preis zu gewinnen. Darum ist die Freude über den Publikumspreis umso grösser.»

Den Erfolg vermutet Melanie Anon einerseits im Online-Auftritt des Baumwipfelpfades, in der Mobilisierung von Freunden, Bekannten und Familien. Andererseits habe auch das Werbevideo viele positive Reaktionen hervorgerufen. Enttäuschung, dass es am Ende nicht für den Preis der Fachjury gereicht hat, verspürt Melanie Anon keine. «Die Freude über den gewonnenen Preis überwiegt heute bei weitem», sagte sie.

Melanie Anon, Moderatorin Maria Victoria Haas und Christoph Meier (von links).

Melanie Anon, Moderatorin Maria Victoria Haas und Christoph Meier (von links).

Bild: Max Hugelshofer

Knochenarbeit für die Fachjury

«Der Fachjury ist die Entscheidung nicht leicht gefallen, weil eigentlich jedes der sechs nominierten Projekte bereits ein Sieger ist», sagte das Jurymitglied Gabriela Manser, CEO und Verwaltungsratspräsidentin der Goba AG Mineralquelle und Manufaktur. Es sei ein Abwägen zwischen verschiedenen Faktoren wie Forschungsaufwand, Zukunftsfähigkeit oder Bedeutung für die Region. Gabriela Manser sagte:

Gabriela Manser, Mitglied der Fachjury, CEO und Verwaltungsratspräsidentin der Goba AG Mineralquelle und Manufaktur.

Gabriela Manser, Mitglied der Fachjury, CEO und Verwaltungsratspräsidentin der Goba AG Mineralquelle und Manufaktur.

Bild: PD
«Aufgrund all dieser Kriterien einen Sieger zu küren, ist Knochenarbeit und wir haben um die Entscheidung gerungen.»

Denn das eine Jurymitglied ist vielleicht eher sportaffin und tendiert in die eine Richtung, während sich ein anderes mehr an kulturellen oder naturbezogenen Themen erfreut und für solche Projekte votiert. «Wir alle von der Jury haben uns mit Leib und Seele mit den Projekten auseinandergesetzt. Am Ende müssen wir jedoch auch die Fakten beurteilen, damit wir als Jury ein einstimmiges Ergebnis erzielen können.»

Die unerhörten Qualitäten des Toggenburgs

Hier sieht Gabriela Manser übrigens auch den Unterschied zwischen dem Preis der Fachjury und dem Publikumspreis. «Auf der einen Seite bewegt sich Timbaer in einem handwerklich-wirtschaftlichen Umfeld, in dem es sich behaupten und das ganze unternehmerische Risiko eingehen muss. Auf der anderen Seite handelt es sich beim Baumwipfelpfad um die Herzensangelegenheit einer ganzen Region, wofür sich eine Handvoll Leute mit viel Energie und Durchhaltevermögen eingesetzt hat.»

Emotionen, wie sie der Baumwipfelpfad zweifelsohne wecke, seien der Öffentlichkeit besser zu vermitteln als technische Fakten. Obwohl in der Vergangenheit auch schon technikorientierte Projekte den Publikumspreis gewonnen hätten. «Für den Baumwipfelpfad sprach zudem, dass er bereits im Vorfeld schweizweit bekannt war», fügte Gabriela Manser an.

In ihrer Laudatio für den Baumwipfelpfad Neckertal sprach Gabriela Manser vom «unerhörten» Toggenburg. «Damit meinte ich nicht etwas Freches, sondern meine es im wahrsten Sinne des Wortes. Denn das Toggenburg hat so viele Qualitäten, die es zu entdecken gibt. Ich hoffe, dass der Publikumspreis dem Toggenburg etwas mehr Gehör verschafft.»

Skimanufaktur in der Gunst der Fachjury

In den Augen der Fachjury verkörperte das Appenzeller Jungunternehmen Timbaer am besten das Credo des Preises, der von der Schweizer Berghilfe und der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete alljährlich verliehen wird. Die zwei gelernten Schreiner Andreas Dobler und Dano Waldburger, die in Appenzell-Steinegg in ihrer Manufaktur hochwertige Ski mit patentiertem Holzkern herstellen, wurden mit dem Prix Montagne geehrt.

Die Gewinner des Prix Montagne 2021: Dano Waldburger und Andreas Dobler, beide von Timbaer, sowie die Gewinner des Prix Montagne Publikumspreises Melanie Anon und Christoph Meier vom Baumwipfelpfad Neckertal.

Die Gewinner des Prix Montagne 2021: Dano Waldburger und Andreas Dobler, beide von Timbaer, sowie die Gewinner des Prix Montagne Publikumspreises Melanie Anon und Christoph Meier vom Baumwipfelpfad Neckertal.

Bild: Max Hugelshofer

Ex-Skirennfahrer Bernhard Russi, der Jurypräsident des Prix Montagne, ist stolz auf das Gewinnerprojekt: «Andreas und Dano haben ein authentisches Produkt mit grosser Strahlkraft entwickelt. Ich kann es kaum erwarten, selber einen Timbaer-Ski zu testen.»

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