Interview

Ebnater Gemeindepräsident Christian Spoerlé: «Ein Einfamilienhaus ist einfacher zu bauen als eine Schulanlage»

Nach einer kurzen Winterpause sind die Bauarbeiten am neuen Schulhaus Wier in Ebnat-Kappel wieder aufgenommen worden. Für den Gemeindepräsidenten Christian Spoerlé ist dies aber nicht die einzige Grossbaustelle in der Gemeinde.

Sabine Camedda
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Nach einer Pause, bedingt durch die starken Schneefälle, sind die Arbeiten auf der Baustelle der Schulanlage Wier wieder im Gange. (Bild: Sabine Camedda)

Nach einer Pause, bedingt durch die starken Schneefälle, sind die Arbeiten auf der Baustelle der Schulanlage Wier wieder im Gange. (Bild: Sabine Camedda)

Die Gemeinde Ebnat-Kappel realisiert gleich zwei Generationenprojekte. Bereits seit Herbst sind die Bauarbeiten für die Erweiterung und Instandsetzung der Schulanlage Wier im Gange. Im kommenden Herbst sollen gleich neben dieser Baustelle die Bagger für den Neubau des Pflegeheims auffahren. Diese beiden Projekte fordern Gemeindepräsident Christian Spoerlé, der beiden Baukommissionen vorsteht.

Sie sind Gemeindepräsident, hören Sie trotzdem, wie der Schulbetrieb im Wier läuft neben der Baustelle?

Christian Spoerlé, Gemeindepräsident Ebnat-Kappel. (Bild: Ralph Ribi)

Christian Spoerlé, Gemeindepräsident Ebnat-Kappel. (Bild: Ralph Ribi)

Christian Spoerlé: Wir hatten ja bis Anfang März eine Vakanz beim Schulratspräsidium. Das hat mit sich gebracht, dass ich stärker in das Projekt involviert war. Der Schulbetrieb läuft normal, die Beeinträchtigung des Schulbetriebs durch die Baustelle ist sogar ein bisschen kleiner geworden. Dies einerseits wegen der witterungsbedingten Pausen. Andererseits haben sich die Schüler und Lehrer an die Bautätigkeit gewöhnt.

Wie stark machte sich der viele Schnee bemerkbar?

Es gab dadurch eine Pause. Mittlerweile ist die Baustelle geräumt und die Arbeiten sind wieder in vollem Gange.

Woran wird im Moment gearbeitet?

Derzeit sind die Arbeiter an Vorbereitungen für Leitungsanschlüsse und für das Fundament. Wir überlegen uns ausserdem, wie und wo wir die Zeitkapsel deponieren können. Wir haben uns entschieden, anstatt eines Grundsteins eine Zeitkapsel einzumauern. Darin sind Dokumente aus der heutigen Zeit, die vielleicht dann wieder einmal zum Vorschein kommen, wenn das Schulhaus abgebrochen werden sollte.

Ebnat-Kappel baut ab Herbst 2019 auch ein neues Pflegeheim und für beide Gebäude gibt es eine gemeinsame Heizung. Bringt dies mehr Aufwand mit sich?

Nein, wir brauchen im Schulhaus ja eine Heizung, diese und das Schnitzelsilo werden grösser dimensioniert. Wir mussten aber vorausschauend planen, weil wir an die Anschlüsse der Wärmeleitungen denken mussten.

Wann werden die Verbindungsleitungen erstellt? Jetzt mit dem Schulhaus oder später mit dem Pflegeheim?

Wir bauen jetzt so, dass das Schulhaus im Sommer 2020 in Betrieb genommen und beheizt werden kann. Dabei leisten wir alle Vorbereitungsarbeiten, die es für den Anschluss des Pflegeheims braucht. Wie und wann dann die Verbindungsleitung genau gemacht wird, weiss ich jetzt noch nicht.

Gab es beim Bau des Schulhauses bisher schon Unvorhergesehenes?

Nur durch die Witterung, aber wer im Winter baut, muss immer damit rechnen. Kurz vor Weihnachten gab es intensive Niederschläge. Dieses Wasser konnten wir nicht abpumpen, weil es rasch einen Kälteeinbruch gab und das Wasser gefroren ist. Dann bekamen wir eine grosse Menge Schnee, die wir aus der Baustelle räumen mussten, bevor die Arbeiten wieder aufgenommen werden konnten.

Gab das Auswirkungen auf den Zeitplan?

Nein, der Baustellenleiter hat mir erst vor kurzem bestätigt, dass wir zeitlich auf Kurs sind und das Projekt so realisieren können, wie wir uns das vorstellen.

Wie sieht es auf der finanziellen Seite aus? Sind Sie da auch auf Kurs?

Bis dato mussten wir noch kein Geld aufnehmen, weil wir noch keine grossen Rechnungen zahlen mussten. Wir stehen in den Abschlussverhandlungen mit der Bank bezüglich des Kredits.

Das wurde noch nicht gemacht?

Die aktuelle Zinssituation liess Spekulationen zu und die Konditionen wurden für unsere Seite besser. Die grossen Geldbeträge brauchen wir ab Mitte dieses Jahres. Darum schliessen wir die Verhandlungen jetzt ab.

Sie brauchen für den Bau zehn Millionen Franken. Das ist weit mehr als ein Privater brauchen würde. Wird der Betrag auf mehrere Partner aufgeteilt oder arbeiten Sie mit einer Bank zusammen?

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wir haben uns entschieden, mit einem Partner zusammenzuarbeiten. Weil unser Bau in verschiedene Etappen aufgeteilt ist und wir verschiedene Tranchen finanzieren müssen, benötigen wir das Geld gestaffelt.

Warum werden die Ludothek und die Bibliothek in der neuen Schulanlage ihren Platz finden?

Wir haben die Bibliothek und die Ludothek schon am Anfang der Planung der Schulanlage einbezogen. Die Bibliothek hat einen Auftrag der Schule und ist darum von Vorteil einem Schulhaus angegliedert. Die Situation, in welcher die Bibliothek zurzeit ist, ist nicht optimal, das wusste man seit jeher. Somit hat es sich aufgedrängt, sich ganzheitlich Gedanken zu machen zu dem Thema. Im neuen Schulhaus kann das gut realisiert werden. Auch weil wir festgestellt haben, dass wir mit den Strukturen der Bibliothek und den Schnittstellen mit der Schule viele Synergien nutzen können.

Wie erwähnt, baut die Gemeinde Ebnat-Kappel auch ein neues Pflegeheim. Können Sie – ausser der Heizung – weitere Synergien nutzen?

Wir erarbeiten ein gemeinsames Parkplatzkonzept, denn beide Betriebe laufen nicht gleichzeitig voll. Da kann man sich gegenseitig entlasten und wir schauen das gemeinsam an. Es gibt einen Weg, der über beide Grundstücke führt. Zudem planen wir, im oberen Grundstück ein Aussenschulzimmer zu realisieren. Dieses kann auch von Heimbewohnern und Besuchern benutzt werden. Das soll wie ein kleines Naherholungsgebiet werden, in dem man sich bewegen kann.

Wie können Sie bei zwei so grossen Projekten den Überblick behalten?

Es ist in der Tat so, dass viele Arbeiten parallel laufen und wir mit mehreren Partnern und Nutzern zusammenarbeiten. Jedes Projekt kann man sich wie ein grosses Puzzle vorstellen. Man beginnt es an mehreren Ecken gleichzeitig und trifft auf die unterschiedlichen Nutzer, die uns für ihren kleinen Teil sagen, was sie brauchen.

Gleichzeitig müssen wir uns aber beispielsweise auch überlegen, wie die Aula ausgestaltet wird, denn dies ist die Verbindung zwischen den Schulhäusern. Das ist hochspannend, aber auch sehr komplex. Das gleiche fängt jetzt leicht verschoben mit dem Heim auch an. Da arbeiten wir ebenfalls mit verschiedenen Nutzergruppen. Bei diesen zwei Projekten immer den Überblick zu behalten, ist nicht ganz ohne.

Ist es einfacher, ein Einfamilienhaus zu bauen statt eines Schulhauses oder eines Pflegeheims?

Ein Einfamilienhaus ist einfacher. Ich bin mir aber bewusst, dass es für mich als Gemeindepräsident eine Einmaligkeit ist, gleich zwei solche Generationenprojekte zu realisieren. Dafür setze ich mich gerne ein. Man muss aber von Anfang an sehr korrekt und konsequent an ein solches Projekt herangehen und exakt darauf hin arbeiten, sonst funktioniert das nicht.