Ebnat-Kappel
Treffsicher seit 100 Jahren: Die Sportschützen Dicken feiern Jubiläum

Mit einem Volksschiessen, einem Jubiläumsschiessen und einem Jubiläumsabend feiern die Sportschützen Dicken Ebnat-Kappel ihr 100-jähriges Bestehen. Der Verein und auch die Mitgliederinnen und Mitglieder sind sehr engagiert.

Urs Huwyler
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OK-Präsidentin Brigitte Baumann und Sponsoring-Chef Erhard Hüppi studieren die Chronik.

OK-Präsidentin Brigitte Baumann und Sponsoring-Chef Erhard Hüppi studieren die Chronik.

Bild: Urs Huwyler

Wegen der coronabedingt schriftlich durchgeführten DV des Ostschweizer Sportschützenverbandes (OSPSV) hatte das Jubiläumsjahr der Sportschützen Dicken Ebnat-Kappel unspektakulär begonnen. Das Volksschiessen vom 16. bis 30.August bildet den ersten sportlichen Höhepunkt, dem mit dem 100-Jahr-Jubiläumsschiessen am 11./12./17./18./25./26.September ein weiterer folgt. Am 30.Oktober bildet ein Jubiläumsabend den Startschuss für das nächste Jahrhundert.

Im Vordergrund steht heute wie vor 100 Jahren Schiessen als Sport. Damals trafen sich «Jünglinge vom Dicken» schon vor der Gründung zum fröhlichen Flobert-Schiessen. Die Begeisterung war derart gross, dass sie 1921 den Flobert-Schützenverein gründeten.

Die Freude und der Ehrgeiz ist bei den Nachkommen geblieben. Heute schiessen sie in einem modernen, mit beleuchteten Scheiben ausgerüsteten Stand auf der olympischen 50-m-Distanz nicht mehr mit «Flobertgwehrli», sondern Hightech-Geräten Höchst- und manchmal andere Resultate. Die Anlage mit Blick in die Natur liegt derart ideal, dass zu jeder Tages- und Nachtzeit geschossen werden könnte.

Gewehr statt Muni als Siegerpreis

Zwischen 1972 und 1998 trafen sich nationale Kleinkaliber-Sportler und Sportlerinnen zum Tanzbodenschiessen. 2012 folgte das Standerneuerungsschiessen. Nach neun Jahren steht nun der nächste Anlass bevor. Die Idee zu einem Jubiläumsschiessen entstand im Sommer 2018 am Schützenfest in Mettau durch Hans und Martina Scherrer, Alexandra Blatter und Brigitte Baumann.

Das Initiativ-Quartett lieferte nach dem Motto «Nöd lafere, liefere» nicht nur die Idee, sondern bildet zusammen mit anderen auch gleich das OK. OSPSV-Ehrenmitglied Brigitte Baumann möchte wie früher einen attraktiven Wettkampf gestalten. Die Voraussetzungen sind schon durch die Gaben geschaffen. Diese bewegen sich auf dem Niveau eines Schwingfestes: Statt eines Munis erhält der Gewinner aus dem Hause Bleiker (Bütschwil) ein «Challenger»-Kleinkaliber-Gewehr im Wert von 6600 Franken.

Liegestellen für magere Schützen

In der Chronik der Sportschützen Dicken Ebnat-Kappel, die seit 1982 unter diesem Namen starten, sind einige Rosinen zu finden. So wurde im 50. Vereinsjahr der Antrag, einen Telefon-Anschluss ins Schützenhaus zu legen, deutlich abgelehnt. Anderseits durften die 24 A- und 3 B-Mitglieder bis 1974 wegen der neuen Schiessanlage in der Schwendi ein Baubeitrag von 50 Franken bezahlen.

Gegründet wurde der Verein am 23.Oktober 1921 nach der fünften Flobert-Übung. Geschossen wurde aus «Kuratlis Scheune». Die erste Schiesshütte sah 1923 zwei Liegestellen für «magere Schützen», ein Tischli für den Kassier und eine Bank für die Wartenden vor.

1926 wurde der «Schiessstand» an gleicher Stelle in drei Wochen auf vier Liegestellen erweitert. Die Abrechnung wies 107.50 Franken für Löhne und Material aus. Abzüglich 11.30 Franken freiwilliger Beiträge kostete der Neubau 99.20 Franken

Zum Schmunzeln regt ein Eintrag von 1972 an. Da steht: «Wir erhalten Besuch des Verbands-Vorstandes. Vor allem die Schützenstube hat es ihnen angetan.» 1974 trat mit Erika Bösch die erste Frau dem Verein bei. 1982 verzeichnete das Schülerschiessen mit 187 Teilnehmern einen neuen Rekord. 1989 sank die Zahl erstmals unter 100. (uhu)

Eines wissen die Dickener Sportschützen seit Jahrzehnten: Ein Verein lebt von der Akzeptanz, dem Image und dem Goodwill in der Bevölkerung. Dafür eignet sich ein Volksschiessen. Die Ebnat-Kappler gehören jedes Jahr zu den Hochburgen der Schweiz, wurden x-mal als Verein für die grösste Beteiligung ausgezeichnet.

2019 stellten zahlreiche Firmen, die Gemeinde Nesslau, die Männerriegen aus Nesslau und Ebnat-Kappel, der Jodelclub Ebnat-Kappel, die Trachtengruppen Wattwil, Nesslau und Ebnat-Kappel, die örtliche Feuerwehr, die Samaritervereine Stein und Nesslau-Krummenau mindestens ein Team. 310 Gruppen und 78 Einzelschützen in den Kategorien Gruppe, zwölf Familien sowie 43 Sie&Er-Paare wagten sich an die Gewehre. Insgesamt ergab sich ein Total von 388 Sympathisanten. Allerdings ging die Zahlen wie fast überall etwas zurück. 1991, so ist in der Festschrift zum 75-Jahr-Jubiläum zu lesen, waren es 1457 Doppel und 204 Gruppen (70 Sie&Er-Paare).

Engagierter Verein – engagierte Mitglieder

Auch bezüglich der sportlichen Erfolge haben die Frauen und Männer aus dem Churfirsten-Tal einiges zu bieten. Der mehrfache Schweizer Meister Hanspeter Künzli, Präsident der Sportschützen Dicken und Geschäftspartner der Firma AKK des dreifachen Schwingerkönigs Jörg Abderhalden, vertrat die Schweiz in den olympischen Disziplinen an Welt- und Europameisterschaften und im Weltcup. Hansueli Mettler gehörte ebenfalls einem nationalen Kader an.

Hanspeter Künzli (vorne) vertrat die Schweiz an Welt-/Europameisterschaften und im Weltcup.

Hanspeter Künzli (vorne) vertrat die Schweiz an Welt-/Europameisterschaften und im Weltcup.

Bild: Urs Huwyler

Zu einem aktiven Verein gehört zudem das Organisieren von Anlässen. Vielleicht erlebt auch das Tanzbodenschiessen irgendwann im Interesse des Sports eine Wiedergeburt. «Allerdings», wollen die Exponenten bei diesem Thema festgehalten haben, «jedes Mal könnten wir nicht Gaben wie am Jubiläumsschiessen anbieten.»

Was die Jubilare weiter auszeichnet: Sie scheuen sich nicht, auf Funktionärsstufe Verantwortung zu übernehmen. Der amtierend OSPSV-Präsident Marcel Schilliger, ein treffsicherer Schütze, stammt aus den Reihen der Sportschützen Dicken. Ehrenmitglied Erhard Hüppi engagiert sich seit Jahren auch auf Verbandsstufe als Nachwuchstrainer.

Dreifach belastet ist derzeit Brigitte Baumann. Sie trägt als OK-Präsidentin die Verantwortung für den reibungslosen Ablauf der Jubiläums-Aktivitäten. Weiter ist die ehemalige Sekretärin des OSPSV Präsidentin des Volksschiessens und präsidiert auch die im Nachwuchsbereich erfolgreiche Luftgewehr-Sektion Ebnat-Kappel, die sich mehrheitlich aus den 100-jährigen Sportschützen Dicken (und umgekehrt) zusammensetzt.

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