Fallschirmspektakel im Toggenburg

Von vergangenen Freitag bis Sonntag fand in Ebnat-Kappel die Schweizer Meisterschaft im Fallschirmspringen statt. Die Stimmung bei Zuschauern und Springern war trotz des schlechten Wetters gut. Einziger Wermutstropfen war der abgesagte Versuch zum Schweizer Rekord.

Timon Kobelt
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Den Fallschirm zusammenzulegen, bereitet manchem Springer Mühe. (Bild: Timon Kobelt)

Den Fallschirm zusammenzulegen, bereitet manchem Springer Mühe. (Bild: Timon Kobelt)

Die Schweizer Meisterschaft im Fallschirmspringen ist bereits wieder Geschichte. Während dreier Tage konnte man über Ebnat-Kappel die Flugzeuge des Typs Pilatus Porter PC6 kreisen sehen. Seit rund zwölf Jahren hat die Schweizer Meisterschaft nicht mehr in der Ostschweiz stattgefunden.

Zugänglich für alle

«Ich glaube, die Leute schätzen die Atmosphäre hier im Toggenburg», sagt Markus Huber, Zuschauer aus Wattwil. «Es ist schön, dass das Event einmal nicht auf einem Flugplatz ist, sondern auf einem Gelände das für alle zugänglich ist.» Dieser Meinung war auch Pirmin Strauss, OK-Präsident der Schweizer Meisterschaften. «Wir rechnen mit mehr Zuschauern als bei den vorigen Meisterschaften, da man hier alles in der Idylle beobachten kann», sagte Strauss am Trainingstag. Tatsächlich war der Anlass auch gut besucht. Bei besserem Wetter hätten wohl noch mehr Leute den Weg auf das Wettkampfgelände gefunden. Verpflegen konnten sich die Zuschauer mit Grillfleisch oder aber der Toggenburger Spezialität «Schlorziflade». Im Festzelt wurde eine Grossleinwand aufgestellt, damit alle im Trockenen mitfiebern konnten.

Die Zuschauer warten gespannt auf die Landung der Fallschirmspringer. (Bild: Timon Kobelt)

Die Zuschauer warten gespannt auf die Landung der Fallschirmspringer. (Bild: Timon Kobelt)

Lockere Atmosphäre

Auch unter den Springern herrschte eine gute und lockere Stimmung. «Eigentlich sind sie an diesem Wochenende ja Konkurrenten. Dennoch habe ich den Eindruck, dass sie eine grosse Gemeinschaft sind», sagt Markus Huber. Dieser Eindruck ist nicht falsch. Alle Springer sind fröhlich und zu Scherzen aufgelegt. Die Faszination für den Sport scheint alle zusammenzuschweissen. Dennoch ist auch der Wettkampfgeist spür- und sichtbar. Die Formationsspringer machen vor jedem Sprung Trockenübungen. «Das gehört bei einem Wettkampf dazu. Wir üben die Übergänge im voraus. So können wir uns später in der Luft besser orientieren», sagt Roger Müller vom Sprungteam «Air-W». Es sei wichtig, die Übungen vor jedem Sprung zu machen, weil sie immer neue Formationen vorgeschrieben bekämen. Ob die Sprünge auch wie geplant gelangen, wurde mittels Videokamera aufgezeichnet. Diese Aufnahmen sahen die Zuschauer und natürlich die Jury.

Die Stoppuhr stets bereit – die Jury kontrolliert die Formationsspringer. (Bild: Timon Kobelt)

Die Stoppuhr stets bereit – die Jury kontrolliert die Formationsspringer. (Bild: Timon Kobelt)

Genaue Arbeit überall

Die Mitglieder der Jury mussten mit grosser Genauigkeit arbeiten. «Wir schauen die Aufnahmen jeweils in Echtzeit und in Slow Motion an. In Echtzeit weil wir stoppen müssen, ob die Figuren innerhalb von 35 Sekunden ausgeführt wurden. In Slow Motion, um die Figuren detailliert zu kontrollieren», sagt Jurymitglied Christoph Kaufmann. Ihren Beobachtungen entsprechend, verteilten sie anschliessend die Punkte für die Gruppen. Auch die Springer der Disziplin «Ziel» mussten sehr genaue Augen haben. Ihre Aufgabe war es, aus 1000 Meter Höhe zu springen, und auf einer runden Matte zu landen. Die maximale Punktzahl erreichten die Springer, indem sie genau die Mitte der Matte trafen. Dies war äusserst schwierig, da der Maximumbereich nur etwa so gross wie ein «Einfränkler» ist.

Gemessen wurde mit Sensoren, mit denen die Matte ausgestattet war. Sie registrierten den exakten Landepunkt der Springer. «Ab etwa 200 Metern über Grund beginnen wir, die Landung auf die Matte einzuleiten. Es braucht unglaublich viel Training, um die Richtung korrekt abzuschätzen», sagt Zielspringer Rolf Rolli. Der Wind mache die Disziplin schwierig. Manchmal könne es einen kurz vor der Matte noch wegtreiben. Nach der Landung ist die Arbeit noch nicht getan. Auf die Frage wie lange es geht, um einen Fallschirm zusammenzurollen, lachen die meisten Springer. Ungefähr 15 Minuten brauche man bestimmt, so ein Springer. Es sei einiges komplizierter, als den Schlafsack wieder in die Hülle zu kriegen.

Wettkampfleiter Markus Willi ist stets mit den Piloten in Kontakt. (Bild: Timon Kobelt)

Wettkampfleiter Markus Willi ist stets mit den Piloten in Kontakt. (Bild: Timon Kobelt)

Kein neuer Schweizer Rekord

Neben dem Zusammenlegen der Fallschirme gab es noch weitere Probleme. «Aufgrund des Regens und des Nebels konnten wir am Sonntag den geplanten Schweizr Rekord nicht durchführen», sagt Pirmin Strauss. Es hätten 24 Springer aus allen drei Flugzeugen springen und eine Formation bilden sollen, was in der Schweiz Rekord gewesen wäre. Allgemein fand der Sprungbetrieb am Samstag und am Sonntag nur beschränkt statt. «Am Samstag konnten nur noch die Zielspringer Sprünge machen», sagt Pirmin Strauss. Für die Formationsspringer wäre es zu gefährlich gewesen, da diese rund 3500 Meter über Grund aus dem Flugzeug springen. Am Sonntag musste der Wettkampf gar frühzeitig abgebrochen werden. Zum Glück konnten am Freitag und Samstag genügend Runden pro Disziplin durchgeführt werden, um eine Wertung vorzunehmen.

Die Formationsspringer machen vor jedem Sprung Trockenübungen. Diese sollen ihnen helfen, die Griffe und Übergänge der Figuren zu simulieren. (Bild: Timon Kobelt)

Die Formationsspringer machen vor jedem Sprung Trockenübungen. Diese sollen ihnen helfen, die Griffe und Übergänge der Figuren zu simulieren. (Bild: Timon Kobelt)

OK-Präsident Pirmin Strauss ist trotz des schlechten Wetters zufrieden: «Die Stimmung war hervorragend. Über das ganze Wochenende waren rund 800 Leute da. Selbst am verregneten Samstag waren es etwa 400. Deshalb ziehen wir ein positives Fazit.»

Das Zielspringen ist eine spezielle Disziplin. Die Springer müssen bei der Landung möglichst genau die Mitte der Matte treffen. (Bild: Timon Kobelt)

Das Zielspringen ist eine spezielle Disziplin. Die Springer müssen bei der Landung möglichst genau die Mitte der Matte treffen. (Bild: Timon Kobelt)