Ebnat-Kappel
Ein Stück Welt kommt ins Schulhaus: Reto Zingg vermacht der Schule Ebnat-Kappel seine umfassende Mineraliensammlung

Sie sind Wunder der Natur, staunt Schulleiter Ivo Stäger, und betrachtet die Steine in den Schaukästen. Was bisher bei Reto Zingg im Büro stand, hat im Schulhaus einen neuen Platz gefunden – und kann dort nicht nur von den Schülern betrachtet werden.

Sabine Camedda
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Reto Zingg (rechts mit Bergkristall) übergibt seine Mineraliensammlung an Ivo Stäger (mit Rauchquarz), Schulleiter der Oberstufe Wier in Ebnat-Kappel.

Reto Zingg (rechts mit Bergkristall) übergibt seine Mineraliensammlung an Ivo Stäger (mit Rauchquarz), Schulleiter der Oberstufe Wier in Ebnat-Kappel.

Bild: Sabine Camedda

34 Jahre lang, bis zu seiner Pensionierung als Sekundarlehrer, ist Reto Zingg im Schulhaus Wier ein und ausgegangen. Nach einem 16-jährigen Unterbruch hatte er vor kurzem einen Grund zum Wiederkommen: Er schenkte der Schule seine umfassende Mineraliensammlung.

«Ich habe mich seit früher Jugend mit der belebten Natur beschäftigt. Erst mit den Jahren erkannte ich jedoch die Bedeutung der unbelebten, mineralischen Welt, gleichsam als Voraussetzung für die organische Natur.»

Bei der Übergabe der detailliert inventurierten Sammlung erzählte Reto Zingg, wie er nach dem Erwerb der ersten Mineralien zu einem passionierten Sammler geworden ist. Seine Tätigkeiten im Zusammenhang mit dem Storch brachten ihn in viele Länder, wo er dann die Exemplare kaufte.

Heilsteine und Bijous, gekauft oder geschenkt

In der Ukraine habe man einmal einen Laden extra für ihn geöffnet, erzählt er mit einem Lächeln im Gesicht. «Und Museen in der Slowakei und in Ungarn beschenkten mich mit einzelnen Bijous, weil sich die Menschen freuten, dass sich hier ein Mann aus Westeuropa für ihre heimischen Mineralien interessierte.»

Er habe Teile einer privaten Sammlung erwerben können, sagt Reto Zingg weiter. Ausserdem sei es der Reisetätigkeit seines Bruders Christoph zu verdanken, dass es in seiner Sammlung interessante Steine aus Afrika und Asien gebe.

Farbenfrohe Exemplare in der Sammlung: (von links) Tansanit aus Tansania, Lapislazuli aus dem Hindukusch, Pentagonit/Stibilit aus Indien.

Farbenfrohe Exemplare in der Sammlung: (von links) Tansanit aus Tansania, Lapislazuli aus dem Hindukusch, Pentagonit/Stibilit aus Indien.

Bild: Sabine Camedda

Zu einigen Exemplaren kann Reto Zingg eine Anekdote erzählen. Da wäre der Tansanit, der erst vor einigen Jahrzehnten bei Arusha in Kenia entdeckt wurde. Es sei ein Heilstein, der die Tätigkeiten des Gehirns stärken soll, erklärte Reto Zingg. «Erworben habe ich ihn auf Sansibar auf Bestellung von einem indischen Händler.»

Raritäten und fast eine Verhaftung in Belarus

In der Sammlung befänden sich wahrscheinlich auch Steine, die auf illegalem Weg beschafft worden seien, mutmasst Reto Zingg. Ebenso wie Mineralien wie der schwarze Quarz, die inzwischen so selten sind, dass sie heute nicht mehr geholt werden dürfen.

Ein Bernstein aus Madagaskar mit einem eingeschlossenen Käfer.

Ein Bernstein aus Madagaskar mit einem eingeschlossenen Käfer.

Bild: Sabine Camedda

Besonders sind auch die Bernsteine. Einer wurde im Rahmen des Tagbaus in der Westukraine gefunden, ein anderer mit eingeschlossenen Insekten an einem Ostseestrand. Dieser habe er in einem Warenhaus in Minsk gekauft, erinnert sich Reto Zingg und erzählt, wie er danach an einer Gedenkfeier fast verhaftet worden ist.

«Weil ich mittels Feldstecher von einem Hotelbalkon aus dem Autokraten Lukaschenko etwas zu nahe gekommen bin.»

Freude über neuen Standort im Schulhaus

Er habe sofort Ja gesagt, als ihm sein pensionierter Berufskollege die Mineraliensammlung angeboten habe, sagt Schulleiter Ivo Stäger sichtlich erfreut. Er sei fasziniert von den Steinen und wolle ihnen Sorge tragen.

Bereits als er die über 350 Steine in die Vitrinen gestellt habe, seien die Schülerinnen und Schüler gekommen, hätten geschaut und gestaunt. «Es ist jetzt die Aufgabe von uns Lehrern, die Mineralien in den Vordergrund zu stellen», sagt Ivo Stäger. Möglichkeiten, sie in den Unterricht einzubauen, gebe es dafür genügend.

Bewusst stehen die Vitrinen in der Nähe der Aula und der Bibliothek, sodass auch Besucherinnen und Besucher des öffentlichen Bereichs der Schulanlage schauen können, was da leuchtet, stahlt und glänzt.

Steine anschauen und fühlen

Reto Zingg ermunterte Ivo Stäger, dass die Schüler die Steine nicht nur anschauen, sondern – mit der nötigen Sorgfalt – auch in die Hände nehmen und fühlen sollen. Er habe ein gutes Gefühl nach der Übergabe und keine Mühe, die Sammlung loszulassen. Im Gegenteil, sagt Reto Zingg:

«Es steht in meiner Verantwortung, sie in gute Hände weiterzugeben.»

Es wäre schade, wenn die Sammlung zerfallen würde und das Wissen verloren ginge. Umso mehr freut ihn, die Sammlung schön aufgebaut in den Vitrinen zu sehen.